09.11.2020 - 18:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kliniken Nordoberpfalz AG: Gesellschafter dritteln Anteile

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Die drei Gesellschafter der Kliniken AG haben die Besitzanteile an den Krankenhäusern der Region neu aufgeteilt. Zugleich nimmt das Sanierungskonzept Fahrt auf. Für eine Frau gibt es dazu besonderes Lob, ein anderer erntet Gestichel.

Die Kliniken Nordoberpfalz AG befindet sich in einer Übergangsphase. Mit mehr Eigenkapital und neuen Eigentumsverhältnissen soll nicht nur das Haus in Weiden, zu dem auch das ehemalige Augustiner-Seminar (im Hintergrund) gehört, erhalten bleiben.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Tirschenreuths Landrat Roland Grillmeier spricht vom 28. Oktober 2020 als "besonderem Tag". An dem hat die Hauptversammlung der Kliniken Nordoberpfalz AG vollzogen, was die politischen Gremien der Stadt Weiden sowie der Landkreise Neustadt und Tirschenreuth zuvor in einem zähen Prozess abgesegnet haben: die Drittelung der Anteile. Bisher hatte Weiden an der AG 51 Prozent gehalten, Tirschenreuth 47,5 und Neustadt/WN 1,5. Die Änderung bedeutet, dass Weiden und Tirschenreuth bei der Krankenhausfinanzierung entlastet werden und Neustadt mehr zahlt, dafür aber auch gleichberechtigt im Aufsichtsrat vertreten ist.

Der Weg dorthin war keineswegs vorgezeichnet, räumt Neustadts Landkreischef Andreas Meier ein. "Der Prozess hat über ein Jahr gedauert. Ich war mir in der Zeit nicht immer sicher, ob wir ein gutes Ergebnis hinbekommen." Ein schlechtes Resultat hätte im Umkehrschluss wohl Insolvenz bedeutet. Die sei nun hoffentlich ein für alle Mal vom Tisch. Laut Vorstandschef Thomas Egginger müsste der nun vereinbarte Betrag ausreichen, dass die Sanierung gelingt. Das hätten ihm Wirtschaftsprüfer bestätigt. Es sei denn, die Corona-Pandemie sprengt nochmal den Finanzrahmen. "Dann bräuchte es wieder einen bundesweiten Krankenhaus-Rettungsschirm."

Noch arbeitet die AG aber ohne dieses Horrorszenario mit deutlich mehr Eigenkapital. Dafür wurden Trägerdarlehen über 30 Millionen Euro erlassen. Hinzu kommen 15 Millionen Euro Einzahlung in die Rücklage, wo nun 52,7 Millionen liegen. Ein 25-Millionen-Euro-Kredit der Träger aus dem Jahr 2019 bleibt aber bestehen. Für die Restrukturierung von 2021 bis 2024 erhält die AG bei Bedarf von den Gesellschaftern weitere 7,7 Millionen und darüber hinaus ein Trägerdarlehen von 7,3 Millionen Euro.

Dank der Beraterfirma Oberender und dem Segen der Regierung der Oberpfalz sei dies nun in trockenen Tüchern, freut sich Grillmeier. Mit dem früheren Vorstand Josef Götz "wäre das so nicht zu machen gewesen", lobt er die neue Struktur in der AG. "Der Erfolg hat viele Väter, aber vor allem eine Mutter", wirft Jens Meyer seiner Kämmerin Cornelia Taubmann noch eine Kusshand zu.

Der neue Aufsichtsrat ist von 21 auf 17 Personen verkleinert und soll mittelfristig weiter schrumpfen. Unterstützt wird er von einem Finanzausschuss und einem neuen Gremium, dem Sanierungsbeirat. Letzteren leitet Andreas Meier. Der Sanierungsbeirat soll sich mit der Umsetzung des Gutachtens der Berliner Beratungsfirma Mazars beschäftigen. Das beinhaltet 16 Kernprojekte (wir berichteten).

Die ersten sind bereits unter Schmerzen erledigt: die Schließung der Häuser in Waldsassen und Vohenstrauß. Die nächsten Schritte sind vor allem Detailarbeit. Handlungsabläufe straffen, Wartezeiten für Behandlungen verkürzen, die elektronische Patientenakte in allen Häusern der AG einführen, Bereiche stärker ambulant versorgen, etwa Rheumatologie. Diese verschlankten Prozesse sollen nun Klinik für Klinik abgearbeitet werden.

Ein Damoklesschwert bleibt dabei die Corona-Pandemie, die vieles bei der Krankenhausfinanzierung infrage stellt. Im Unterschied zu März und April ist die Region in dieser Hinsicht wenigstens kein Hotspot mehr. Stand 9. November lagen in Weiden 19 Covid-erkrankte Menschen auf der Isolierstation und 10 in Intensivbetten, 6 davon werden beatmet. Die übrigen Häuser der AG sind coronafrei. "Es zieht an, aber es gibt keinen Grund zur Panik", fasst Egginger die Entwicklung zusammen.

Kommentar:

Der Patient braucht Ruhe

Das Hauptproblem der Kliniken Nordoberpfalz AG sind zu hohe Kosten bei zu wenig Einnahmen. Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Ein Krankenhaus, das mit schlechter Finanzlage Schlagzeilen macht, schreckt Patienten Richtung Amberg oder Bayreuth ab, obwohl dort die Defizite ebenfalls klaffen wie Wunden in der Notaufnahme. Doch würde zwischen Tirschenreuth und Weiden nicht gute Arbeit geleistet, dürften die Gutachter in Sachen Sanierungsfähigkeit nicht solche Hoffnungen machen, selbst wenn sie von der Kliniken AG bezahlt werden.
Zum Vertrauen hat nicht gerade beigetragen, dass sich die Beratungen zur Zukunft der Krankenhauslandschaft so oft hinter verschlossenen Türen abgespielt haben. Jüngstes Beispiel sind Gerüchte im Kreis Tirschenreuth, dass die Geriatrie in Erbendorf dicht macht. Stimmt nicht, sagen Gesellschafter und Vorstand nun auf Nachfrage.
Doch auch die Politik hat Vertrauen verdient. Der Oberbürgermeister und die beiden Landräte wollen die Häuser in kommunaler Hand halten, obwohl mit dem Thema nicht nur bei Wahlen heftige Nebenwirkungen drohen. Dass es Jens Meyer, Roland Grillmeier und Andreas Meier geschafft haben, 150 Kommunalpolitiker in ihren Gremien mehrheitlich davon zu überzeugen, ist eine Leistung.
Alles in allem haben die Gesellschafter zuletzt 85 Millionen Euro in die Hand genommen, um viele Arbeitsplätze zu erhalten. Arbeitsplätze, an denen Ärzte und Pflegepersonal an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen. Besonders augenfällig war dies im Frühjahr, als Weiden Hotspot-Krankenhaus wurde. Zu einer Zeit, als noch keiner wusste, wie man mit dem Coronavirus umgeht, sind die Weidener besser als viele andere Kliniken aus dieser Situation rausgekommen. Auch das hat Zutrauen verdient.

Von Friedrich Peterhans

Hintergrund:

Der neue Aufsichtsrat

Alle Träger der Kliniken AG verfügen nun über fünf Sitze im Aufsichtsrat. Daneben sind zwei Vertreter des Betriebsrats im Gremium stimmberechtigt: Dr. Wolfgang Jurczyk und Monika Selch. Neuer Vorsitzender ist Roland Grillmeier im jährlichen Wechsel mit Jens Meyer.

  • Die Stadt Weiden vertreten Oberbürgermeister Jens Meyer sowie die Stadträte Gerald Bolleininger, Stefan Rank, Wolfgang Pausch und Benjamin Zeitler.
  • Aus dem Landkreis Tirschenreuth sind Landrat Roland Grillmeier, Johannes Reger (Bürgermeister Erbendorf), Roman Schäffler (Bürgermeister Kemnath), Bernhard Schmidt (Kreisrat) und Franz Stahl (Bürgermeister Tirschenreuth) im Gremium.
  • Der Landkreis Neustadt/WN setzt im Gegensatz zu den anderen beiden Gesellschaftern auf Vertreter aus der Wirtschaft. Neben Landrat Andreas Meier sind Professor Clemens Bulitta (OTH Weiden) im Aufsichtsrat. Zusätzlich kommen Reinhold Gietl (Werksleiter a.D. Pilkington), Gerhard Hösl (Vorstand Vereinigte Sparkassen) und Christa Krämer (Rechtsanwältin) mit von der Partie. (phs)

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