27.09.2021 - 16:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kommentar zur Bundestagswahl: CSU in der Nordoberpfalz kämpft mit Protestwählern – besonders aus der bürgerlichen Mitte

Trotz hoher Verluste bleiben die Christsozialen konkurrenzlos als stärkste politische Kraft in Weiden sowie den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth. Wie lange noch? Die Einschläge kommen näher.

Die Bürger hatten eine große (Aus-)Wahl. Albert Rupprecht und die CSU verlieren weiter - und siegen immer noch souverän.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil
Kommentar

Schon komisch. 2017 herrschte fast Weltuntergangsstimmung bei der lokalen CSU, weil Albert Rupprecht das Direktmandat mit "nur" 45,7 Prozent verteidigt hat. 8 Prozentpunkte weniger als 2013, aber immerhin. In der Wahlnacht vom Sonntag ist nun eine eigenartige Erleichterung spürbar. Dabei fährt CSU-Mann Rupprecht, seit 2002 im Bundestag, sein bisher schlechtestes Ergebnis ein: 38,4 Prozent. Die Partei erhält gar nur 35 Prozent in der nördlichen Oberpfalz. Beim Parlamentarier selbst schrillen dann auch die Alarmglocken, den Status der Union als Volkspartei sieht er so langsam in Gefahr. Angesichts der Entwicklung in den vergangenen Jahren keine völlig unbegründete Befürchtung. Wenn die Christsozialen konsequent sind, müssen sie bei diesem Thema jetzt auch den Politikstil von Markus Söder hinterfragen.

Andere Funktionäre geben sich weit gelassener als Rupprecht. Schließlich sei die CSU ja immer noch die deutlich stärkste politische Kraft in der Region. Schon richtig. Angesichts des Trends – ein Minus von insgesamt 17 Prozentpunkten in acht Jahren – und einer sich weiter wandelnden Gesellschaft könnte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis sich das ändert. Ordentlich rasiert wurde die CSU schon bei den Landtagswahlen 2018. Und dazu brauchte es kein unsägliches Hickhack von Möchtegernkandidaten.

Richtig ist aber auch: Noch lehrt die Konkurrenz die Christsozialen in der Region nicht das Fürchten, nicht mal bei einer "Richtungswahl". Uli Grötsch und die SPD dürfen über das Bundesergebnis jubeln, in der Region aber können sie von Rupprechts Schwäche nicht (Direktmandat) beziehungsweise nur leicht (Zweitstimmen) profitieren. Die Grünen? Auch sie freuen sich über bescheidene Zugewinne, im Vergleich zum Bundesergebnis hängen die Öko-Trauben in Weiden und den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth aber noch arg hoch. Dass die AfD für 10 Prozent gut ist, überrascht niemanden mehr. Könnte schlimmer sein.

Als Gewinner in der Region dürfen sich also die Freien Wähler fühlen, von denen man gar nicht so recht wusste, was die eigentlich in Berlin wollen. Der nicht wirklich populäre Direktkandidat Tobias Groß fährt 7 Prozent ein, bei den Zweitstimmen kratzt die Partei sogar an der 10er-Marke. Ein Erfolg so nett wie nutzlos. Die Stimmen verpuffen im Nichts, nachdem es für die FW im Bund nicht fürs Parlament reicht. Um so mehr wurmt das die Christsozialen. Eine Protestwahl aus der bürgerlichen Mitte heraus. Sie lässt zumindest erahnen: Auch die nördliche Oberpfalz ist für die CSU keine „g’mahde Wiesn“ mehr.

Ergebnisse und Reaktionen im Wahlkreis Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Reaktionen bei der CSU

Weiden in der Oberpfalz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.