26.09.2021 - 23:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

CSU-Mandatsträger wollen in die Regierung, CSU-Basis votiert für Opposition

Es ist ruhig bei der CSU am Postkeller. Für 60 Gäste ist gedeckt. Bei der ersten Prognose um 18 Uhr sind es vielleicht 30 Besucher. Ganz unterschiedlich fallen dann die Meinungen zur künftigen Rolle der CSU aus.

Beifall und Blumen von Tobias Reiß, Andreas Meier, Roland Grillmeier, Stephan Oetzinger, Dagmar Nachtigall und Stephan Gollwitzer, für den siegreichen CSU-Direktkandidat Albert Rupprecht und sein Team Friedericke Heiner, Marie-Alice Krause, Carmen Pepiuk und Andrea Lang bei der CSU-Wahlparty am Weidener Postkeller.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Von Anfang an am Postkeller ist Hausherr Kreisvorsitzender Stephan Gollwitzer. Auch der Neustädter Landrat Andreas Meier sitzt schon kurz vor 18 Uhr bei der Wahlparty. Weidens zweiter Bürgermeister Lothar Höher pendelt zwischen Rathaus und Postkeller hin und her. Gegen 18.30 kommen Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger sowie die Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch. Es ist ruhig im Saal. Jubel Nein. Niedergeschlagenheit Nein. Abwarten bestimmt die Zeit bis zu den ersten Ergebnissen aus den Wahllokalen.

Weidens zweiter Bürgermeister Höher spricht in einer ersten Reaktion von den falschen Kandidaten. "Mit Markus Söder bei der CSU und Robert Habeck bei den Grünen wäre Scholz nur Dritter geworden." Albert Rupprecht war bei der gemeinsamen CSU-Wahlparty für die Kreisverbände Weiden, Neustadt und Tirschenreuth ursprünglich für 19 Uhr angekündigt. Etwas vorher verkündet Gollwitzer, dass es wohl 20 Uhr werde, bis der Bundestagsabgeordnete samt Wahlkampfteam eintrifft.

Trotz der zu diesem Zeitpunkt laut Auszählungsstand erneut sinkenden Stimmenzahl für Rupprecht sagt sein Landtagskollege Oetzinger, wie froh er sei, in einem für die CSU sicheren Wahlkreis zu sein. "Die Kollegen in München haben zwar die kürzeren Wege in den Landtag, aber bei den Wahlen müssen sie zittern." Leberkäse-und Brezen-Brotzeit-Pause für die CSU-Mandatsträger und Anhänger. Auf der Leinwand auf der Bühne läuft die ARD-Wahlsendung.

Am Smartphone verfolgen die mittlerweile rund 60 Besucher den Auszählungsstand im Wahlkreis. Von zunächst 40 Prozent sinkt Rupprecht am Ende auf 38,5 Prozent. Beim Urnengang 2017 waren es noch 46,25 Prozent. Damals verlor er fast 9 Prozentpunkte. Heute folgt er mit einem erneuten Minus von knapp 8 Prozent dem Bundestrend. Als er um 19.57 Uhr kommt, steht der Saal auf. Nicht ganz eine Minute Beifall. Keine Rufe.

Der bestätigte Direktkandidat verteilt viele Dankesworte, lobt sein Team, beschenkt Büroleiterin Friedericke Heiner, Wahlkreisleiterin Andrea Lang, seine Berliner Sekretärin Marie-Alice Krause, Bundeswahlkreisgeschäftsführerin Carmen Pepiuk mit jeweils einem Blumenstrauß. Wer den seinen tatsächlich mitnehmen darf, bleibt am Ende offen. Denn in den Vasen am Rand stehen lediglich zwei Sträuße, die mehrfach gereicht werden.

Rupprecht spricht davon, dass es der CSU gelungen sei, Volkspartei zu bleiben. "Wir haben gehörig verloren, aber liegen mit der SPD nahe beieinander und uns stehen viele Möglichkeiten offen." Später wird er im Gespräch sagen, dass jeder der ins Parlament gehe, gestalten wolle. "Ich will das auf Bundesebene und für meine Region." Wenn es irgendwie gehe, solle die CSU in die Regierung hinein. Damit liegt er auf der Linie, die auch Kreisvorsitzender Gollwitzer und die Landtagsabgeordneten Stephan Oetzinger und Tobias Reiß vertreten. Gollwitzer: "Es liegt wahrscheinlich in unserer DNA, um die Regierungsverantwortung zu kämpfen."

Ganz anders die Meinung vom stellvertretenden Kreisvorsitzenden, Neustädter Vizelandrat und Speinsharter Bürgermeister Albert Nickl, der die Rolle der CSU ebenso in der Opposition sieht, wie Falkenbergs Exbürgermeister Herbert Bauer. "Aus guter Arbeit in der Opposition kann die Union Stärke zurückgewinnen." Einig sind sich die beiden mit vielen anderen Gästen, dass sich die Union das schlechte Abschneiden selbst zuzuschreiben habe. CSU-Urgestein Georg Stahl hatte nach der Diskussion um Baerbocks Lebenslauf sogar 25 Euro auf einen künftigen Kanzler Scholz gewettet.

"Ich freue mich, dass wir mit Albert Rupprecht weiterhin einen starken Partner in Berlin haben", meinte Oetzinger. Im Verhältnis zum Bundestrend habe er ein sehr gutes Ergebnis bei den Erststimmen eingefahren. "In der Region sieht man, dass der Rückhalt für Rupprecht da ist", ergänzte Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch, der auf eine überraschend hohe Wahlbeteiligung in seiner Stadt verwies. "Die CSU-Basis hat in den letzten zehn Tagen noch einmal alles gegeben und uns bei den Zweitstimmen von 28 auf 35,2 Prozent gebracht", sagte Altenstadts Ortsvorsitzender Dominik Baschnagel. Für Tirschenreuths Landrat Roland Grillmeier ist das Ergebnis ein Zeichen, dass der ländliche Raum der CSU mehr zutraut, als es die Wähler in den Städten tun.

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An Büroleiterin Friedericke Heiner (von links), Wahlkreisleiterin Andrea Lang, seine Berliner Sekretärin Marie-Alice Krause sowie Bundeswahlkreisgeschäftsführerin Carmen Pepiuk verteilt Albert Rupprecht viel Lob und Blumen. Dass er von eben diesen Damen dabei nur zwei Sträuße gereicht bekam, wird dem Bundestagsabgeordnetem nicht bewusst gewesen sein.
Mit einminütigem Beifall begrüßt die CSU Albert Rupprecht.
Stehende Ovationen beim Einzug von Albert Rupprecht in den Postkeller.
Albert Rupprecht klatscht auch selbst seinen Unterstützern und Helfern Beifall.
Bundeswahlkreisgeschäftsführerin Carmen Pepiuk dankt Albert Rupprecht für seinen erfolgreichen Einsatz im Wahlkampf.
Bei der ersten Prognose der ARD um 18 Uhr ist es bei der CSU-Wahlparty am Postkeller noch ruhig.
CSU-Kreisvorsitzender Stephan Gollwitzer
Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch
Weidens zweiter Bürgermeister Lothar Höher
Stadträtin Maria Sponsel
Dominik Baschnagel, CSU-Ortsvorsitzender in Altenstadt/WN
CSU-Listenkandidatin Dagmar Nachtigall
Neustadts Landrat Andreas Meier
Tirschenreuths Landrat Roland Grillmeier

"Ich freue mich, dass wir mit Albert Rupprecht weiterhin einen starken Partner in Berlin haben."

Stephan Oetzinger

Stephan Oetzinger

 

 

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