26.09.2021 - 20:28 Uhr
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Kommentar zur Bundestagswahl: Der kleinste gemeinsame Nenner

Der Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 hat deutlich gemacht, wie erfolgreiche Politik im Social-Media-Zeitalter aussehen kann: Gesichter statt Visionen – und lieber weniger präsent sein, als unangenehm aufzufallen. Ein Kommentar.

Olaf Scholz hat die SPD zu einer kaum für möglich gehaltenen Aufholjagd geführt.
von Kai Gohlke Kontakt Profil
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Auch wenn die Sitze im neuen deutschen Riesen-Bundestag noch endgültig verteilt werden müssen: Die meisten Wählerinnen und Wähler haben Olaf Scholz von der SPD den Auftrag für die Regierungsbildung gegeben. Und damit dem Spitzenkandidaten, über den im Vorfeld am wenigsten diskutiert und berichtet worden ist.

Scholz hat eine kaum für möglich gehaltene Aufholjagd hingelegt. Nicht, weil er den Wahlkampf an den Rednerpulten dominiert hätte. Auch nicht, weil er in den TV-Triellen die herausragende Figur gewesen wäre. Und erst recht nicht, weil er die politische Vision seiner Partei am überzeugendsten transportiert hätte. Nein, Scholz hat schlicht und einfach weniger falsch gemacht als seine beiden Haupt-Kontrahenten. Damit ist er für viele Wählerinnen und Wähler aus der politischen Mitte als kleinster gemeinsamer Nenner übrig geblieben. Oder, weniger charmant ausgedrückt: als das kleinere Übel.

Die Grünen waren wohl zu blauäugig, als sie Annalena Baerbock ins Rennen schickten. Jung, weiblich und politisch unverbraucht – das klang nur innerhalb der parteiinternen Wohlfühlblase nach einer aussichtsreichen Nachfolgerin für die pragmatische Machtpolitikerin Angela Merkel. In der harten medialen Realität war schnell klar: Mit Baerbock an der Spitze dreht sich die Diskussion nicht um Klimaziele und soziale Gerechtigkeit, sondern vor allem um vermeintliche persönliche Schwächen.

In diese Kerbe schlug auch Unionskandidat Armin Laschet. Der musste dann aber selbst schnell erkennen, wie ein Lacher in der falschen Situation und ein paar unglückliche Sätze – millionenfach wiederholt und verteilt als Memes in den Sozialen Medien – das öffentliche Bild viel stärker prägen als jeder Versuch einer inhaltlichen Debatte. So bleibt zu befürchten, dass das die Lehre für alle Parteien sein wird: Künftig vor allem solche Kandidaten aufzustellen, die wenig Angriffsfläche bieten und möglichst ohne mediale Patzer durch den Wahlkampf kommen. Besser und vor allem spannender wird Politik dadurch nicht.

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