26.09.2021 - 21:37 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Bundestagswahl 2021: Bei der CSU knallen keine Sektkorken

Die CSU ist bei der Bundestagswahl mit einem blauen Auge davongekommen. In der Parteizentrale herrscht darüber Erleichterung. Eine rauschende Wahlparty aber gibt es nicht.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, ist während der Wahlparty der CSU in der Parteizentrale auf einem Monitor zu sehen.
von Jürgen UmlauftProfil

Normalerweise lädt auch die CSU zu Wahlpartys. In der Befürchtung, dass es nicht viel zu feiern geben könnte, hat man die Veranstaltung in der Parteizentrale dieses Mal zu einem Wahlabend heruntergedimmt. Viel Prominenz hat sich nicht eingefunden, dafür umso mehr Wahlkampfhelfer im Junge-Union-Alter. Der Parteinachwuchs weiß nicht so recht, wie er mit den Prognosen umgehen soll, die um Punkt 18 Uhr über die Bildschirme flimmern. Man spürt Erleichterung, dass die Union nach den mäßigen Umfragen der vergangenen Wochen zumindest auf Tuchfühlung mit der SPD scheint. Und Beifall gibt es, als für die CSU in Bayern immerhin 33 Prozent vorhergesagt werden. Dass das nach den 29,2 Prozent bei der ersten Bundestagwahl 1949 das zweitschlechteste CSU-Ergebnis in ihrer Geschichte bedeutet, ist den jungen Leuten Leuten offenbar nicht präsent. War ja auch lange vor ihrer Zeit.

Generalsekretär Markus Blume ist zwar auch erst 46, aber er weiß um die historische Dimension des Ergebnisses. "Nicht zufriedenstellend" nennt er es, aber gemessen an den "Befürchtungen und den Umfragen" – dort lag die CSU vor zwei Wochen noch bei 28 Prozent – bringe es die Union insgesamt in eine "ordentliche Position", wenn es um eine Regierungsbildung in Berlin gehe. Später wird Parteichef Markus Söder die Zahlen via Bildschirm einordnen, er verbringt den Wahlabend in Berlin. "Das Ergebnis in Bayern gefällt mir nicht", bekennt er säuerlich. Aber zur Aufmunterung der eigenen Reihen stellt er fest, dass man bundesweit über fünf Prozent liege und in Bayern die psychologisch wichtige Marke von 30 Prozent überschritten habe. Deutlicher wird Söder nicht. Anders vor vier Jahren sein Vorgänger Horst Seehofer, der die damals immerhin 38,8 Prozent für die CSU als "herbe Enttäuschung" klassifiziert hatte.

Nach Blume ranghöchster Repräsentant in der Münchner CSU-Zentrale ist JU-Chef Christian Doleschal. Er nennt das CSU-Ergebnis "insgesamt nicht zufriedenstellend". Die CSU müsse wieder "in alte Höhen zurück", fordert er. Es reiche nicht aus, nur "das Schlimmste verhindert" zu haben – nämlich unter 30 Prozent geblieben zu sein und den befürchteten Linksrutsch im Bund abgewendet zu haben. Ansonsten reiht sich der Oberpfälzer in die Riege der Unionspolitiker ein, die trotz herber Verluste und Platz 2 hinter der SPD eine Kanzlerschaft von Unionskandidat Armin Laschet für möglich halten. "Jamaika ist die vernünftigste Option für Deutschland", erklärt er, also ein Bündnis aus Union, Grünen und FDP. Ob das klappe, hänge nun aber von FDP und Grünen ab. Die Chance auf "Jamaika" ist in Doleschals Augen aber dadurch gestiegen, dass ein rot-grün-rotes Bündnis nicht möglich sei. Gerade für die Grünen bedeute das eine Option weniger. Man werde sehen, was der Abend noch bringen werde.

Nicht nur bei Blume werden da Erinnerungen an 2002 wach. Auch damals ging es knapp her zwischen dem Unionskandidaten Edmund Stoiber und dem SPD-Amtsinhaber Gerhard Schröder. Die ersten Zahlen am Abend deuteten darauf hin, dass es reichen könnte für den Herausforderer, entsprechend euphorisch war die Stimmung in der proppenvollen CSU-Parteizentrale. Man feierte Stoiber schon als neuen Kanzler, er selbst war den Abend über zunehmend siegessicher, aber nicht siegesgewiss. Legendär sein Satz, der die unklare Datenlage treffend zusammenfasste: "Der Abend ist noch lang, und ich werde noch kein Glas Champagner öffnen, aber es wird bald soweit sein." Am Ende fehlten Stoiber bundesweit 6000 Stimmen, um Kanzler werden zu können. Das Glas Champagner blieb zu.

Im Hier und Jetzt gibt Markus Blume ob der gedämpften Stimmung den Mutmacher. "Viele hatten die Union schon abgeschrieben, jetzt gibt es doch noch ein Foto-Finish", sagt er. Das Kämpfen habe sich gelohnt, "es war richtig, dass wir nicht aufgegeben haben". Eine unter diesen Bedingungen "maximal starke CSU" habe zu einer "maximal starken Union" beigetragen, für die nun sogar die Führung einer bürgerlichen Regierung möglich sei. Man müsse jetzt alle Optionen prüfen. Das beginnt schon heute, wenn sich der CSU-Vorstand in München trifft. Dann wird auch Markus Söder wieder live dabei sein in der Parteizentrale.

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