06.04.2021 - 16:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kommentar: Jetzt erst recht – Weiden sollte Modellregion werden

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Die Wiederauferstehung der Weidener Fußgängerzone: Sind Lockerungen wie am Dienstag über einen längeren Zeitraum möglich? Warum die heutige Entscheidung der Staatsregierung darüber so wichtig ist für die Stadt.

Einkaufen am Dienstag: In der Weidener Fußgängerzone kehrt das Leben zurück.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil
Kommentar

Manches halb gefüllte Regal ließ vermuten, dass die plötzliche Lockerung einige Geschäfte eher kalt erwischt hat. Trotzdem wehte, zusammen mit den Schneeflocken, am Dienstag wieder ein Hauch von Normalität durch die Weidener Innenstadt. Das Leben kehrte zurück in die Fußgängerzone. Viele Kunden ließen sich vom winterlichen Wetter ebenso wenig schrecken wie von den weiter strengen Auflagen und brachen zum Start der zweiten Ferienwoche zum Einkaufsbummel auf. Früher eine Selbstverständlichkeit für Familien. Jetzt die Ausnahme. Eine Attraktion.

Kurz vor der Entscheidung über Modellregionen

Weiden in der Oberpfalz

Auch gleich deutlich wurde am Dienstag, dass sie am seidenen Faden hängt. Möglich wurden die Lockerungen ja nur, nachdem die Inzidenz über Ostern für mehrere Tage unter 100 rutschte. Just zum Wochenanfang liegt sie wieder drüber. Jetzt noch zwei weitere "Ü-100-Tage", und diese Lockerungen sind auch schon wieder passé. Betonung auf "diese". Denn diesen Mittwoch könnte Weiden die frohe Kunde erreichen, dass andere, noch umfassendere Lockerungen folgen.

In den Mittagsstunden steht fest, ob die Staatsregierung die Stadt zur Modellregion à la Tübingen erhebt. Eine besondere Schnelltest- und Schutzstrategie würde dann Geschäfts- und beispielsweise auch Lokalöffnungen ermöglichen. Fragt sich aber, ob Markus Söder dieses Experiment noch wagen will, nachdem nun sogar sein mutmaßlicher Kanzler-Konkurrent Laschet den Bundes-Lockdown fordert. Die politische Großwetterlage spricht dagegen. An den Voraussetzungen freilich hat sich überhaupt nichts geändert: zum Beispiel an der Absicht, die Folgen kontrollierter Öffnungen während der Pandemie zu erforschen. Der Aufwand, finanziell und logistisch, wäre enorm. Eine zusätzliche Belastung käme auf alle Beteiligten vor Ort zu, von den Mitarbeitern im Gesundheitsamt bis hin zum Ladeninhaber. Den Kunden wird viel Disziplin abverlangt.

Es geht nicht darum, an ein paar Städte "Geschenke" zu verteilen, ihren Geschäften etwas Gutes zu tun. Oder ihre Bürger und Kunden als Versuchskaninchen zu missbrauchen. Es geht um schlicht um die Frage, inwieweit mit den richtigen Maßnahmen einigermaßen normales Leben und Arbeiten wieder möglich sind. Ein Leben mit dem Virus. Das Warten auf das "Nach dem Virus" könnte für zahlreiche Geschäftsleute zu lange dauern. Ausnehmend viele Arbeitsplätze in der Max-Reger-Stadt – mehr als 80 Prozent – sind im Sektor Handel und Dienstleistungen angesiedelt. Heißt auch: Die Stadt leidet besonders unter dem langen Lockdown. Falls es also speziell in Weiden früher als anderswo zu einer relativ sicheren Lösung für schnelle Lockerungen kommen kann: Her damit!

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