Im Amsterdamer Konzerthaus Concertgebouw hätte am Donnerstag und am Samstag das "Jerusalem Quartet" auftreten sollen – kurzfristig wurden nun allerdings beide Konzerte abgesagt. Die Entscheidung sei dem Haus nicht leichtgefallen, sagte ein Sprecher des Konzerthauses zur Begründung. Man sei über zwei Demonstrationen informiert worden und habe auch auf die Vorfälle der vergangenen Tage an der Universität reagiert. Dort eskalierte eine Demo gegen Israels Vorgehen in Gaza: Studierende hatten Barrikaden in der Aula errichtet und Säle verwüstet, die Polizei räumte die Uni schließlich. Bis Mittwoch ruhte der Lehrbetrieb deshalb. Vonseiten der Concertgebouw heißt es nun, man wolle die Sicherheit von Mitarbeitern, Besuchern und Musikern gewährleisten – und zum aktuellen Zeitpunkt sei dies nicht möglich. Schon zu Beginn des Jahres hatten laut BR-Klassik pro-palästinensische Demonstranten Konzerte des Quartetts in den Niederlanden gestört.
Die Musiker hätten an beiden Abenden in Amsterdam Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Claude Debussy und Werke des bekanntesten israelischen Komponisten der Neuzeit, Paul Ben-Haim, gespielt. Mit diesem Programm waren die Musiker erst kürzlich auch auf der Bühne der Weidener Max-Reger-Halle gestanden. In Weiden verlief das Konzert ohne Zwischenfälle.
Seit über 29 Jahren touren Alexander Pavlovsky (Violine), Sergei Bresler (Violine), Ori Kam (Viola) und Kyril Zlotnikov (Violoncello) als "Jerusalem Quartet" rund um den Globus. Die Musiker sind jüdisch – und werden dafür angegriffen. Sie beziehen keine politische Position, in einem Interview mit Oberpfalz-Medien vor dem Auftritt in Weiden sagte Pavlovsky, angesprochen auf den Krieg in der Ukraine und Gaza: „Als in Kiew geborener israelischer Bürger finde ich, dass Worte wie ‚Aggression‘ oder ‚Krieg‘ aus unseren Leben und der menschlichen DNA gelöscht werden sollten.“
Nun wächst die Kritik an der Konzertabsage: Gegen die Entscheidung des Amsterdamer Konzerthauses gab es eine Online-Petition, die mittlerweile über 250 Musikerinnen und Musiker – darunter Marta Argerich, Evgeni Kissin und Avi Avital – unterstützen. Mit der Absage würde man sich "der Herrschaft des Mobs" unterwerfen, heißt es in der Petition. Und weiter: "Wir müssen nicht weit in die europäische Geschichte zurückblicken, um zu sehen, was passiert, wenn Menschen genau die Verhaltensweisen akzeptieren, die ihren eigenen Untergang herbeiführen." Auch die jüdische Organisation CJO nannte die Entscheidung "unglaublich".
In einem Statement auf der Internet-Seite des Konzerthauses heißt es nun, dass selbstverständlich alle Musiker im Amsterdamer Konzerthaus willkommen seien und dass man versuche, einen Ersatz-Termin zu finden, an dem man die Sicherheit gewährleisten könne.















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