(sbü) "Bisher sind wir gut hingekommen, aber wir werden demnächst eine Grundsatzentscheidung brauchen", sagt der Ärztliche Direktor der Kliniken Nordoberpfalz, Dr. Thomas Egginger, beim Kaminabend Medizintechnik an der OTH. Die Ausgangssituation formuliert OTH-Dekan Professor Clemens Bulitta: "Die Lage ländlicher Krankenhäuser ist prekär: Viele Kliniken kämpfen mit roten Zahlen oder müssen sogar schließen."
Keine Lösung ohne Leid
Die Ursachen der Probleme skizziert Prof. Dr. Andreas Schmid, Gesundheitsökonom an der Universität Bayreuth. Immer mehr ambulante Behandlungen, Kostendruck und Personalmangel stehen auf der einen Seite. Druck auf Krankenhäuser entstehe auch durch zahlreiche Qualitätsvorgaben. Staatliche Investitionszuschüsse gebe es im Durchschnitt pro Krankenhaus in Bayern gerade einmal in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Dennoch sei die Erwartungshaltung der Bevölkerung und der regionalen Politik auf die Erhaltung der vorhandenen Krankenhausstruktur ausgerichtet. "Handlungsbedarf besteht", stellt der Gesundheitsökonom fest. Lösungen gibt es für ihn nicht, "ohne dass jemand leidet". Er sieht "gegenwärtig sehr wenig proaktive Gesundheitspolitik". Die Selbstverwaltung sei dazu nicht in der Lage. "Und der Politik fehlt der Mut für Entscheidungen", kritisiert er.
Oberbürgermeister Kurt Seggewiß widerspricht und verweist auf die strukturellen Veränderungen der letzten Jahre im Klinikverbund Nordoberpfalz mit den Spezialisierungen in den früheren kleineren Häusern wie zum Beispiel der "Demenzstation" in Eschenbach. Für Seggewiß gehört das Krankenhaus "in kommunale Hand". Er sagt deutlich: "Wir haben es nicht an das Rhön-Klinikum verscherbelt". Für ihn bietet ein Krankenhaus "soziale Sicherheit im Krankheitsfalle".
Schritt für Schritt nähert sich die Diskussion den Lösungsvorschlägen. Seggewiß erinnert an die Ergebnisse des kürzlich durch geführten Hackathons zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Telemedizin, elektronische Akte und neue Kommunikationsformen mit den Ärzten wurden als Beispiele angeführt. Das Gegenargument "Datenschutz" könne jeder Patient durch eine einfache Erklärung entkräften.
"Schnauze voll"
Schmid schlägt für ländliche Regionen "vernetzte ambulante Leistungszentren mit Übernachtungsmöglichkeiten für den Patienten" vor. Für schwierige Fälle sollte es spezielle Fachkliniken geben. Längere Fahrzeiten will er dafür in Kauf nehmen. Lösen solle man sich vom "Krankenhaus im gebäudlichen Sinne". Auch für Bulitta ist der Begriff Krankenhaus "zu kurz gegriffen". Besser sei es von "Versorgungsstrukturen" zu sprechen. Auch Landrat Andreas Meier wendet sich aus dem Publikum heraus gegen die Vorstellung, das Gebäude des Krankenhauses als Symbol für die Gesundheitsversorgung zu betrachten "Menschen brauchen ein Sicherheitsgefühl", sagt Meier und verweist auf das Notarztsystem. Im zweiten Schritt brauche man "ein niederschwelliges dezentrales Angebot".
Überlegungen über neue Berufsstrukturen spricht Bulitta an und erwähnt den "Arztassistenten". Dass tatsächlich weitere Differenzierungen erforderlich seien, fordert Egginger: "Für einfache Krankheiten brauche ich nicht den Experten". Auch hätten die Pflegekräfte "die Schnauze voll von der Dokumentiererei". Dass in der neuen Gesundheitsregion plus Nordoberpfalz die passenden Lösungsvorschläge entwickelt werden, darauf vertraut der Gesundheitsökonom Prof. Steffen Hamm von der OTH Amberg-Weiden. Hamm arbeitet ab sofort als Geschäftsführer dieser Einrichtung.














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