12.06.2019 - 17:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kritik an Campus-Festival der OTH

Südostwind und Bassgewummer: So heißen die beiden Störenfriede, die beim Campus-Festival der OTH am Freitag für Beschwerden sorgen. Zwei Beschwerden, um genau zu sein. Und nun steht die Veranstaltung in dieser Form im Feuer.

Rund 3000 Personen feierten am Campus-Festival 2019 zusammen auf dem Gelände der OTH in Weiden.
von Redaktion ONETZProfil

Die "Beschallung der ganzen Stadt", die vom Campus-Festival ausgegangen sei, gehe gar nicht. Das meint Irene Kassubek. Die 66-jährige Rentnerin, die im Ortsteil Rehbühl wohnt, fühlte sich am Freitagabend vom lauten "Wum Wum", das vom Gelände der OTH Weiden kam, gestört – und benachrichtigte das Ordnungsamt und die Polizei. Letztere rückte am besagten Abend nach zweimaliger Meldung einer Ruhestörung auch an. Die Beamten baten darum, das Wummern der Bässe etwas zu verringern. Dies sei auch erfolgt.

"Wir haben uns im näheren Umfeld umgehört, und konnten keine gravierenden Probleme feststellen", bestätigt der Sprecher der Weidener Polizei, Mario Schieder. "Es lag wahrscheinlich am Wind, der den Schall weiter getragen hat." Das bestätigt auch Nicole Hammerl, Leiterin des Rechtsdezernats der Stadt Weiden: "Hauptproblem war der Südostwind, der die laute, basslastige DJ-Musik in den Ortsteilen Hammerweg, Altstadt, Rehbühl und Mooslohe hörbar machte." Die Stadt Weiden genehmigte die Veranstaltung und auch die Musik im Freien bis 23 Uhr. "Dem Veranstalter kommt keine Schuld zu. Er hat alle Vorgaben eingehalten." Dem Ordnungsamt lag neben der Beschwerde von Irene Kassubek eine weitere vor. Das Amt reagierte darauf prompt. Ein Mitarbeiter teilte Kassubek mit: "Ich kann Ihnen versichern, dass die Veranstaltung in der Form wie am vergangenen Freitag im nächsten Jahr 2020 nicht mehr stattfindet."

Weiden in der Oberpfalz

Veranstalter entschuldigt sich

"Wir haben im Vergleich zum Vorjahr nichts an der Anlage verändert", sagt Karl Pairst, Veranstalter des Campus-Festivals. Er habe versucht, die Bassfrequenzen zu minimieren. "Ich entschuldige mich bei allen Bürgern, die sich gestört gefühlt haben." Nicole Hammerl vom Rechtsamt ergänzt: "Die Bevölkerung hat ab 22 Uhr ein Recht auf Ruhe. Wir müssen auch die Anwohnerseite berücksichtigen." Irene Kassubek hätte am Freitagabend lieber früher geschlafen. Die Rentnerin empfiehlt deshalb, das Campus-Festival 2020 doch direkt und nicht erst um 23 Uhr in die Räume der OTH zu verlegen.

"Beim Bürger- und Frühlingsfest haben wir die Lautstärke ab 22 Uhr reglementiert. Das wäre auch eine Möglichkeit für nächstes Jahr", deutet Nicole Hammerl von der Stadt einen Lösungsweg an. Das Ordnungsamt befände sich jedenfalls mit dem Veranstalter im Gespräch, um eine gemeinsame Lösung auszuarbeiten. Zugleich betont der Veranstalter "Das Fest war ein voller Erfolg. Die Stimmung war gut und es gab keinerlei Vorfälle." Deshalb und aus noch einem Grund appelliert er an das Wohlwollen der Bürger: "Mit den rund 3000 Besuchern ist das Campus-Festival die größte Veranstaltung für Jugendliche im Raum Weiden und daher eine Bereicherung für die Stadt."

Das sagt die OTH zur Party-Kritik:

"Stadt ins Boot holen"

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zeigt sich: Die OTH selbst stellt ihr Gelände bereitwillig für die Party zur Verfügung – und würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. "In Amberg ist das Campus-Fest der Auftakt zum Altstadtfest. Gern würden wir in Weiden die Stadt auch mit ins Boot holen und das Fest dann ohne Eintritt für die breite Öffentlichkeit zugänglich machen", sagt Andreas Heindl, Leiter des Referats für Hausverwaltung, Veranstaltungen, Liegenschaften und Hochschulsport der OTH.

Kommentar:

Feiern erlaubt

Weiden ist Hochschulstadt und stolz darauf. Doch nicht selten wird Kritik laut, dass es dennoch am urbanen Studentenleben fehle. Gerade ein gelungenes Campus-Festival so wie neulich sorgt hier für Abhilfe. Obendrein ist es bislang ziemlich die einzige Veranstaltung, die in Weiden direkt auf Studierende abzielt.
Doch nun gibt es zwei Beschwerden über das laute Festival bei Stadt und Polizei. Sie könnten die Feierstimmung der 3000 jungen Besucher direkt wieder eindämmen. Denn künftig müssen wohl Kompromisse eingegangen werden. Musik leiser drehen oder gleich nach Innen gehen, so lauten die ersten Vorschläge, die durchaus in Erwägung gezogen werden können.
In zwei Wochen aber geht es mit dem „CampusFest“ in Amberg erst einmal weiter. Dort feiern Studenten übrigens gemeinsam mit der Bevölkerung. Aber zurück nach Weiden – und mal ehrlich: Laute Musik an einem Freitag bis 23 Uhr? Das kann man doch ein Mal im Jahr aushalten. Die Studenten würden es zu schätzen wissen.

Sophie Menner

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Kommentare

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Alfred Bäumler

Als Festival-Oldie, und ich glaube mit 56 Jahren kann ich mich so bezeichnen, will ich mal berichten, wie ich die Situation live vor Ort erlebt habe:

Ein groß angelegtes Studentenfest, zu dem nicht nur Studenten kommen, sondern auch jede Menge andere junge Leute aus Weiden und Umgebung, in Summe waren mehr als 3.000 Gäste dabei. Wo gibt es das sonst: Eine große Bühne mit bekannten DJs, cooler Musik und großem Dancefloor im Freien. Dazu außen herum jede Menge Möglichkeiten Spaß zu haben, z.B. an den Bars, den Food Trucks, beim WipeOut oder der Shisha Lounge. Eine der wenigen Veranstaltungen, wo uns sogar unsere Nachbar-Hochschulstadt Amberg beneidet, da fällt das Campus Fest deutlich kleiner aus. Die Außenbeschallung beginnt ab 18:00 Uhr mit dem Start des Festivals und endet um 23:00 Uhr, also nach 5 Stunden. Anschließend wird im Innenbereich der OTH bei zwei After Partys weitergefeiert. Richtig voll auf der Außentanzfläche wurde es erst ab 21:30 Uhr, dann aber volle Partystimmung bis 23:00 Uhr. Ja die Musik war laut, ja der Bass hat gewummert aber bei unseren Studentenfeten, ja ich war auch mal jung, war die Musik mindestens genauso laut. Hut ab vor den direkten Nachbarn nebenan, von denen sich, nach meiner Kenntnis, aber auch keiner beschwert hat.

Damit kommen wir zum unangenehmen Teil: Den Beschwerden und den Umgang damit.
Es gab zwei Beschwerden wegen Ruhestörung und dreimal kam die Polizei vorbei, um sich einen Eindruck vor Ort zu verschaffen. Die Veranstaltung war, wie im letzten Jahr, so genehmigt und alle Auflagen wurden erfüllt, der Basspegel wurde etwas reduziert. Das kenne ich auch von anderen Festen, sei es das Feuerwehrfest mit „Pop nach 8“ auf dem Fußballplatz oder anderen Feiern im nahen Umfeld von Wohngebieten. Umso mehr war ich zum einen über die Berichterstattung verwundert, als auch über die Reaktionen von „offizieller Stelle“. Da waren plötzlich diese beiden Beschwerden das vorherrschende Thema, welches mit Prio 1 angegangen werden muss. Bei der Presse kann ich das ja noch verstehen, im Sommer ist halt nicht viel los. Aber Aussagen vom Ordnungsamt in der Form „Ich kann Ihnen versichern, dass die Veranstaltung in der Form… nicht mehr stattfinden wird.“ haben mich schon sehr verwundert. Da kann ich mich nur dem Kommentar von Sophie Menner anschließen: Was ist nur aus dem Titel "Hochschulstadt Weiden" geworden, auf den ich persönlich auch so stolz bin? Zum Studentenleben gehört Feiern dazu, vor allen Dingen auch dann, wenn es sich auf eine Großveranstaltung im Jahr beschränkt. Über 3000 Gäste haben die Veranstaltung besucht und hatten ihren Spaß. Zählt deren Stimme nicht? Ich kann mich noch gut an den alten Volksfestplatz in der Nachbarschaft erinnern. Das wäre heute scheinbar undenkbar. Warum lassen wir uns von wenigen Einzelnen ein "in dieser Größenordnung einmaliges Festival für die Weidner Jugend" kaputtmachen? Scheinbar zählt bei der Stadt nur das Wort der Beschwerdeführer. Ohne eine Prüfung und Abstimmung mit allen Beteiligten gegenüber diesen Personen Zusagen zu machen, bestätigt diese These. Und, ach ja, Wahl ist ja auch in Weiden bald wieder - 2020 - hoffentlich ein Jahr mit Campus Festival. Mal sehen wie die aktiven Regionalpolitiker das Thema für den Wahlkampf aufgreifen werden…

14.06.2019
Marie B.

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14.06.2019