Ein Alleinunterhalter werde er nicht sein, kündigt Rainer Sindersberger im Gespräch mit Oberpfalz-Medien an. Vor kurzem ist der 73-Jährige zum neuen Vorsitzenden des Vereins Tafel Weiden-Neustadt gewählt worden. Damit geht für den Verein und seine Kunden eine lange Zeit der Unsicherheit zu Ende. Die Zukunft der Tafel, sie schien noch im Frühjahr ungewiss.
Josef Gebhardt, der fast zehn Jahre lang als Vorsitzender viel Engagement an den Tag gelegt hatte, hatte sich im Frühjahr ebenso wie der damalige zweite Vorsitzende Engelbert Mayer nicht mehr zu Wahl gestellt. Jahrelang hatte Gebhardt dies schon angekündigt, aus gesundheitlichen Gründen. Doch ein neuer Vorsitzender ließ sich partout nicht finden. Übergangsweise hatte Ernst Cornel Anfang diesen Jahres als zweiter Vorsitzender die Tafel geleitet. Er hatte jedoch von Anfang an erklärt, dies nicht dauerhaft tun zu wollen. Er sei nun wieder normales Mitglied, sagt er gegenüber Oberpfalz-Medien.
Persönliche Motivation
Josef Gebhardt hatte auch jahrelang mehr Engagement aus der Weidener Lokalpolitik für die Tafel gefordert. Ein Wunsch, der jetzt quasi automatisch in Erfüllung geht. Denn neben Sindersberger, der sich seit 1986 politisch im Stadtrat engagiert (heute bei Die Freien) und gut vernetzt ist, wurde der fraktionslose Stadtrat Ali Zant (53) zum zweiten Vorsitzenden der Tafel gewählt. Bereits seit 2011 ist Diana Hermann bei der Tafel fest angestellt. Sie bleibt deren Geschäftsführerin, Schatzmeister bleibt Gerhard Landgraf.
Sindersberger und Zant nennen persönliche Gründe als Motivation für ihre Beteiligung. Er habe während einer persönlichen und beruflichen Krise 2021 als Fahrer und bei der Ausgabe geholfen, was wiederum ihm geholfen habe, so Zant. "Das ist mein persönlicher Dank jetzt", sagt er.
Sindersberger – Bäckermeister, zweifacher Vater, mehrfacher Großvater und Urgroßvater – wurde in Weiden geboren. Er hat seine Jugend in der DJK und im Jugend-Rotkreuz sowie bei den Pfadfindern verbracht und erzählt heute noch gerne von dieser Zeit. Auch seine Bäckereien hatte er in der Stadt. Im City-Center betreibt sein Sohn Markus heute ein Café-Bistrot. "Wenn man so viel kriegt aus einer Region, sehe ich es jetzt als meine Aufgabe, etwas zurückzugeben", erklärt der 73-Jährige seine Motivation. Er wohne ganz in der Nähe der Tafel und beliefere sie schon länger selbst mit Lebensmitteln.
"Wirklich eine Mannschaft"
Alleine allerdings könne er die Aufgaben bei der Tafel nicht leisten, betont der neue Vorsitzende. "Wir sind ein Team und vertrauen einander. Das ist hier wirklich eine Mannschaft", sagt er über das Vorstandsteam und die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Besonders erwähnt er zwei Ehrenamtliche: eine junge Frau, die an den Ausgabetagen ihr Kind in den Kindergarten bringt und dann bei der Tafel hilft, und einen Mann, der sich in seinem Resturlaub als Ehrenamtlicher bei der Tafel einbringt.
"Davor kann man nur den Hut ziehen", so Sindersberger. Von rund 60 Ehrenamtlichen seien zudem 11 schon von Anfang an dabei. "Wir werden die strukturelle Armut nicht beseitigen können, aber wir können manches abfedern und Teilhabe ermöglichen", fasst Sindersberger die Ziele zusammen.
Kulturtafel und Umbau
Deshalb wolle das Team bald die Kulturtafel wiederbeleben: Gegen einen kleinen Obolus will die Tafel Tickets für Veranstaltungen – von Klassik bis zu moderner Musik – anbieten. Als wichtiger Kontakt helfe schon jetzt Wolfgang Göldner, der die MuT-Konzerte ins Leben gerufen hat und organisiert. So kündigt Sindersberger im Gespräch bereits ein MuT-Konzert am 21. September 2025 bei der Tafel an, auch wenn das Programm noch nicht feststehe. Bis Mitte nächsten Jahres solle die Kulturtafel stehen, schätzt Sindersberger. Deshalb werde der Verein nun Kontakt zu weiteren Kulturschaffenden aufnehmen.
Ab Januar wird zudem in der Fichtestraße umgebaut. Der Eingangsbereich und Aufgang zum Flohmarkt muss an Brandschutzvorgaben angepasst werden und lädt zudem derzeit nicht gerade zum Betreten ein. Die Kosten für den Umbau sind laut Sindersberger noch nicht klar, derzeit würden Angebote eingeholt. Nach ein paar Monaten soll der Umbau dem Flohmarkt dann wesentlich mehr Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit verschaffen. Wobei Sindersberger der Begriff Flohmarkt ein Dorn im Auge ist. "Es ist kein Flohmarkt, es ist ein Sozialkaufhaus der Tafel", und so solle es auch künftig heißen. Angeboten werden auf beeindruckenden rund 400 Quadratmetern über zwei Stockwerke Kleidung, Porzellan, Kinder- und Spielsachen sowie Alltagsgegenstände. Jutta Dietz, Beirätin der Tafel, habe die Sachen mühsam sortiert und beschriftet und so dafür gesorgt, dass das Angebot übersichtlicher ist und besser zur Geltung kommt. Nur wüssten zu wenige Tafel-Kunden überhaupt davon, so Sindersberger. Das soll sich ändern.
Mietzuschuss fällt 2025 weg
Während viele Tafeln in Deutschland in Not sind, geht es der Weidener Tafel gut. Sindersberger lobt die Spendenbereitschaft der Menschen und Unternehmen. Und er zeigt sich sogar trotz einer besonderen finanziellen Herausforderung optimistisch. Denn die Stadt Weiden, die gemeinsam mit dem Landkreis Neustadt jährlich rund 48.000 Euro Mietzuschuss für die Räume in der Fichtestraße an die Tafel zahlt (Kaltmiete 4000 Euro monatlich), kann dies im kommenden Jahr nicht tun, weil es sich um eine freiwillige Leistung handelt und die Stadt selbst mit finanziellen Nöten kämpft. Rainer Sindersberger scheint dies nicht zu verunsichern, auch wenn diese Mittel sicher fehlen werden. "Wir schaffen's", sagt er dazu kurz und knapp.
Einen kleinen Hilferuf lässt das Vorstandsteam dann aber doch los. Es werden Ehrenamtliche gesucht, die sich beim Sortieren der Lebensmittel, bei der Ausgabe oder als Fahrer einbringen wollen. Diese können sich per Telefon unter 0961 / 4707161 melden oder per E-Mail an info[at]tafel-weiden-neustadt[dot]de.
Verein Tafel Weiden-Neustadt
- Erster Vorsitzender: Rainer Sindersberger
- Zweiter Vorsitzender: Ali Zant
- Schatzmeister: Gerhard Landgraf
- Geschäftsführerin: Diana Hermann
- Beiräte: Heidemarie Baumann, Jutta Dietz, Norbert Griesbacher, Engelbert Mayer, Hedwig Reger, Richard Popp, Diana Hermann, Martin Höhne, Herbert Baumann
- Vereinsmitglieder: 210; in letzter Zeit vermehrt Eintritte
- Abholer: gut 1600 Abholer in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN; versorgen über 2400 Erwachsene und fast 1300 Kinder vor allem mit Lebensmitteln (Stand Ende 2023)
Quelle: Tafel Weiden-Neustadt























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