10.11.2021 - 18:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kunst oder Krempel? Ein Weidener Antiquitätenhändler gibt Tipps

Am Sonntag haben die Bürger Weidens und der Region die Gelegenheit, Geschichte und Wert ihrer Kellerfunde herauszufinden. Was man wissen muss, um Antiquitäten zu bewerten und wie man sie am besten verkauft, erklärt Händler Georg Strehl.

Antiquitätenhändler Georg Strehl bewertet als Experte am Sonntag Antiquitäten aller Art.
von Kira LorenzProfil

Orangenschälmesser, Silberdosen für Vanillesoße, handgeschnitzte Weihnachtskrippen - für den Weidener Antiquitätenhändler Georg Strehl ist alles interessant, was man heute kaum mehr bekommt. Als Experte hat Strehl immer wieder mit "tollen, einmaligen Teilen" zu tun, besonders auch mit regionalem Bezug. Etwa erinnere er sich gerne an eine Reihe Porzellan-Service der Weidener Firma Bauscher, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Angehörigen der Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt gestaltet wurden. Weil die Stücke nur Entwürfe waren und nie in Produktion gingen, sind sie einzigartig, deshalb besonders wertvoll und jetzt im Besitz der Neuen Sammlung München. Ein anderes Mal bekam Strehl ein metallenes Siegel von einem Müllwerker vorgelegt, der es bei der Arbeit in einer Mülltonne gefunden hatte. Bei näherer Betrachtung fand der Händler heraus, dass das Stück aus reinem Silber bestand und auf die Zeit um 1470 zurückdatierte.

Jagd nach Raritäten

Antiquitäten aufgestöbert und weiterverkauft hatte Strehl schon während seines Architekturstudiums. "Andere Studenten haben bedient, ich bin auf Flohmärkte gegangen und habe Omas Hausrat versilbert", erzählt der Händler. Nachdem ihm das so viel Erfolg einbrachte, beschloss er mit 22 Jahren, das Studium abzubrechen und stattdessen eine Antiquitätenhandlung zu eröffnen. Seit 28 Jahren verkauft Strehl nun bürgerliche Antiquitäten von Büchern aus dem 14. Jahrhundert über die Barock-Kommode bis hin zu Netzhandschuhen aus den 1920er Jahren. Die jüngsten Stücke stammen aus dem Zweiten Weltkrieg, die ältesten sind bis zu 800 Jahre alt. Seine Kunden kämen aus ganz Deutschland, vor allem Sammler, die auf der Jagd nach der Rarität sind. "Die nehmen dann auch mal dreieinhalb Stunden Fahrt auf sich." Doch auch als Verkäufer plädiert Strehl fürs Behalten. Gerade das Fernsehformat "Bares für Rares" sieht er kritisch. Die Leute würden durch den Fokus auf den Verkauf dazu animiert, auch geliebte Erbstücke wegzugeben. Alternativ empfiehlt er deshalb die BR-Sendung "Kunst und Krempel".

Erfahrung und Einfühlungsvermögen

Das Wertvollste in seinem Betrieb ist aber keine Ware, sondern Strehls Erfahrung. Über Kontakte zu Museen und Sammlern hat sich der Händler über die Jahre ein umfassendes Repertoire angeeignet. An Schätztagen, die er zwei- bis dreimal im Jahr ehrenamtlich betreut, kann er so bis zu 95 Prozent der Objekte hinsichtlich Alter, Wert und auch Echtheit einschätzen. In seinem Beruf sei auch das Wissen über Kunst und Geschichte entscheidend, findet Strehl, "man muss wissen, was man verkauft". Gut mit Menschen umgehen zu können, sei ein zusätzlicher Vorteil und besonders im Kontakt mit Angehörigen vor kurzem Verstorbener wichtig. Von zwei Berufsgruppen grenzt sich der Händler aber ab: Er sei kein Trödler, sondern lege Wert auf die Geschichte der Stücke. Und er biete keine Restaurationen an, dafür gebe es spezialisierte Fachleute.

"Es ist nur teuer, was einen Käufer hat"

Von seinen teuersten Stücken will Strehl nicht erzählen, um potenzielle Kunden nicht zu verschrecken. Denn Antiquitäten gebe es auch für den kleinen Geldbeutel, betont er, Schnäppchen mache man nicht nur auf Flohmärkten. Grundsätzlich gelte jedoch: der Markt regelt den Preis, sowohl im An- als auch Verkauf - "Es ist nur teuer, was einen Käufer hat." Viele Stücke wären in der Theorie wertvoll, finden aber keinen Abnehmer. Deshalb könne man als Laie schlecht selbst recherchieren, wie viel Geld seine Schätze am Ende wert sind. Die Händler kaufen generell nur Stücke, für die sie einen Kundenstamm hätten. Wenn Strehl aber schon einen Interessenten im Hinterkopf hat, ist er auch bereit, mehr zu zahlen. Für den Verkauf gibt er deshalb den Tipp, bei verschiedenen Händlern anzufragen, um den Höchstbietenden zu finden.

Für den Schätztag am Sonntag hat Veranstalterin Petra Vorsatz leider keine Zuschauerplätze mehr zu vergeben. Auch die Warteliste für zu schätzende Objekte ist bereits lang. Deshalb freut sich Strehl auf Stücke mit regionaler Geschichte. "In jeder Gegend gab es reiche Leute", erklärt er und zählt auf, was er erwartet: Porzellan, regionale Maler, große Diamanten. Das Wichtigste an einem Schätztag sei ihm jedoch nicht, herauszufinden, wie viel Geld eine Antiquität kostet, sondern die Geschichte dahinter zu erfahren. Denn die sei mit Geld nicht aufzuwiegen.

Antiquitätenhändler Lucki Hofmaier in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Wie viel ist mein Erbstück wert?

  • Generell gilt: Je seltener, desto teurer
  • Ohne Käufer ist ein Objekt aber nichts wert
  • Händler können an Sammler vermitteln, die bestimmte Stücke suchen
  • Markt für Antiquitäten wächst derzeit, deshalb sinken die Preise
  • Wertvolles mit Beschädigung kann trotzdem wertvoll sein
  • Bei Unsicherheit: an Händler oder Restauratoren wenden

 

 

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