09.10.2018 - 15:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Landgericht Weiden: 38-Jähriger gesteht sexuellen Missbrauch von Minderjährigen

Knapp 70 Kinder- und jugendpornografische Bilder und Videos sowie schwerer sexueller Missbrauch: Als pädagogische Hilfskraft sollte der Angeklagte benachteiligte Familien unterstützen. Nun muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

Ein 38-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Weiden wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verantworten.
von Julia Hammer Kontakt Profil

(juh) Regungslos sitzt der 38-Jährige neben seiner Verteidigerin, während Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf die Anklage verliest. Und diese wiegt schwer: Sieben Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern unter 14 Jahren und "des sexuellen Missbrauchs an Personen unter 16 Jahren von Schutzbefohlenen" - zum Teil gegen Entgelt. Zudem soll der 38-Jährige kinder- und jugendpornografische Schriften erworben, besessen, verbreitet und selbst hergestellt haben.

"Auf seinem PC-Tower fanden sich 69 Bildaufnahmen, die Jungen und Mädchen unter 14 Jahren bei der Vornahme sexueller Handlungen bis zum Oral- und Geschlechtsverkehr zeigen", sagt Schnappauf vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Weiden unter Vorsitz von Landtagspräsidenten Gerhard Heindl. Die Taten soll der Mann aus dem Landkreis Neustadt/WN zwischen 2011 und 2016 begangen haben. In dieser Zeit arbeitet er als pädagogische Hilfskraft bei der von seiner Mutter geleiteten Organisation, die sich für benachteiligte Familien einsetzt. Zu seinen Aufgaben zählt auch die Betreuung der Kinder, die zum Teil sehr intensiv gewesen sei, betont der Angeklagte. Dabei habe er auch die späteren Opfer kennengelernt, begleitete sie zum Teil seit Jahren, kannte sie seit ihrer frühen Kindheit. Es sind immer Mädchen.

"Der Angeklagte war frühzeitig geständig", betont dessen Rechtsanwältin Mayumi Weinmann. Bereits im Vorfeld des ersten Verhandlungstages habe man zudem einen Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von 5000 Euro vereinbart. Da der ledige Mann nicht über ein eigenes Vermögen verfüge, habe er sich das Geld von seinen Eltern geliehen. 3500 Euro seien vom Angeklagten an eines der Mädchen, eine zum Tatzeitpunkt 14-Jährige, gezahlt worden sein. Mindestens vier Mal soll es zwischen November 2012 und November 2014 in der Wohnung des Angeklagten sowie in dessen Auto zum Geschlechtsverkehr zwischen ihm und der Minderjährigen gekommen sein.

Ein weiteres Mädchen, bei der ersten Tat gerade 14 Jahre alt, soll er in vier Fällen sexuell übergriffig geworden sein - erst Nacktfotos, für die er dem Mädchen jeweils etwa 50 Euro bezahlt hat, dann sexuelle Handlungen. Während einer gemeinsamen Autofahrt soll er die Minderjährige aufgefordert haben, ihre Hose zu öffnen.

Auch das soziale Netzwerk Facebook habe er genutzt, um an entsprechende Bilder zu kommen. Zwischen September 2014 und September 2015 habe er eine weitere Geschädigte, eine damals 14-Jährige, mehrfach aufgefordert, ihm Nacktbilder und Videos von "sexuellen Handlungen" zu schicken. Das Mädchen, das den Angeklagten ebenfalls von der Familienbetreuung kannte, kam der Forderung nach, schickte ihm die Dateien. Auch eine damals 13-Jährige drängte er über Facebook so lange, bis auch sie ihm Bilder von sich in Unterwäsche schickte.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung des heute 38-Jährigen am 12. Oktober 2016 fanden die Beamten "auf elektronischen Speichermedien kinder- und jugendpornographische Bilddateien und Videos" - darunter 69 Bilder, die Jungen und Mädchen unter 14 Jahren bei sexuellen Handlungen zeigten. Auf den Videoaufnahmen waren unter anderem zwei junge Mädchen unter 14 Jahren während des Oralverkehrs zu sehen. "Den Angeschuldigten war bewusst, im Besitz der genannten Bildaufnahmen zu sein. Der Angeschuldigte wusste, dass es sich bei den abgebildeten Personen um Kinder unter 14 Jahren und Jugendliche unter 18 Jahren handelt", betont der Staatsanwalt. Unter dem Material befanden sich auch Bilder und Videoaufnahmen, die der Angeklagte bei den sexuellen Übergriffen selbst angefertigt und zum Teil verbreitet hatte.

Zeugen hört die Strafkammer an diesem Tag nicht. Persönlich werden die Opfer nicht aussagen. Die Verhandlung wird am Montag, 29. Oktober, fortgesetzt. Bis dahin machen sich die Schöffen sowie die Vertreterin der Nebenklage "im Selbstleseverfahren" ein Bild von den polizeilichen Vernehmungen der Geschädigten sowie der Sachverständigen.

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