16.08.2019 - 15:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Landgericht Weiden schickt Drogenschmuggler hinter Gitter

Ein im Auto gefundener Wurfstern und ein Messer machen aus einem Drogenschmuggel eine "bewaffnete Drogeneinfuhr". Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts verhängt gegen zwei Männer mehrjährige Haftstrafen.

von Autor hczProfil

Nach fünf langen Verhandlungstagen endete ein Prozess gegen zwei Rauschgiftschmuggler aus der Nähe von Schweinfurt vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts mit Freiheitsstrafen von drei Jahren und neun Monaten bzw. von vier Jahren und vier Monaten.

Ein 24-Jähriger und ein 35-Jähriger waren angeklagt, im Oktober 2018 über den ehemaligen Grenzübergang Waldsassen mit über 60 Gramm Methamphetamin ins Bundesgebiet eingereist zu sein. Bei dem Jüngeren war zudem ein Wurfstern gefunden worden. Dem Älteren rechneten die Polizeibeamten ein so genanntes „Cuttermesser“ zu, wie es zur Fußbodenverlegung benutzt wird. Dieses hatten sie allerdings nicht sofort bemerkt, sondern erst später bei der Durchsuchung in der Griffmulde der Fahrzeugtüre des Autos des 35-Jährigen gefunden. Bei der polizeilichen Vernehmung hatten die beiden Täter angegeben, das Rauschgift gehöre ihnen beiden je zur Hälfte.

In der Verhandlung dagegen wollte Rechtsanwalt Juri Goldstein glaubhaft machen, sein Mandant, der Ältere, habe nichts von dem Rauschgift gewusst. Er habe sich von seinem Freund nur bequatschen lassen, der damals gesagt haben soll: „Wenn wir sagen, dass es uns zusammen gehört, ist es für jeden eine kleine Menge und wir können nach Hause gehen“. Zudem stellte Goldstein in den Raum, dass das kleine Messer seinem Mandanten untergeschoben worden war. Wenn es in der Fahrzeugtür gewesen wäre und nicht im Werkzeugkasten im Laderaum des Fahrzeugs, wieso haben es die Beamten dann erst so spät entdeckt?

Während der gesamten Prozessdauer bombardierten die Verteidiger das Gericht mit zahllosen Anträgen, die fast durchweg als unbegründet oder unzulässig abgelehnt wurden. So etwa auf Einsicht der Original- Lichtbild-Dateien, die beweisen sollten, dass die Fotos von dem sichergestellten Messer erst lange Zeit nach der Tat gefertigt wurden. Weiter forderte Goldstein sogar eine Übersetzung der handschriftlichen Aufzeichnungen, die sein eigener Mandant, ein Lette, als Gedankenstütze bei seiner Aussage gebraucht hatte. Auch Anträge auf nochmalige Vernehmung bereits gehörter Zeugen mussten Landgerichtsdirektor Gerhard Heindl und Richter Wolfgang Voit abschmettern.

Im Plädoyer beantragte Staatsanwältin Sandra Dechant schließlich vier Jahre für den Beifahrer, der den Wurfstern dabei gehabt hatte. Der 35-Jährige, in dessen Wohnung die Polizei zudem 600 Gramm Marihuana sicherstellte, sollte für acht Jahre wegen Rauschgifteinfuhr, -handels und -besitzes in Haft. Verteidiger Goldstein forderte dagegen Freispruch für den Anklagepunkt der Einfuhr und für den Besitz des zu Hause aufgefundenen Marihuanas maximal ein Jahr. Rechtsanwältin Anika Klein, die zweite Verteidigerin des verheirateten Letten, fragte, wozu sich der große, kräftige Mann mit einem winzigen Messerchen bewaffnen sollte, wenn er sich wirklich hätte damit verteidigen wollen.

Für Rechtsanwalt Michael Radek war es wichtig, dass sein 24-jähriger Mandant so schnell wie möglich in eine Entziehungsanstalt kommt. Dass dieser in der sechsmonatigen Untersuchungshaft 27 Kilo zugenommen habe, zeige, wie drogenabhängig er sei. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder hatte die langjährige Sucht attestiert. Dem entsprachen die Richter Heindl und Voit sowie die beiden Schöffen in ihrem Urteil.

Sie verurteilten den ledigen Jüngeren wegen bewaffneter Rauschgifteinfuhr und -handels zu drei Jahren und neuen Monaten und wiesen in in eine geschlossene Therapieeinrichtung ein. Den Älteren sprachen sie „nur“ der Einfuhr von Rauschgift schuldig, nicht der „bewaffneten“, weil das "Cuttermesser" ihm nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte.

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