05.06.2018 - 15:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

In Latsch gelandet

Der Rettungszweckverband hat sich das lange gewünscht: Zwei neue Rettungsflieger sind seit 1. Juni in Latsch einsatzbereit, um mit dem Hubschrauber schnell zur Stelle zu sein, wenn es um Leben oder Tod geht. Einer davon ist ein Heimkehrer.

Peter Flor und Martin Anz sitzen entspannt vor ihrem Arbeitsgerät names Christoph 80.Doch gleich im nächsten Moment können sie zu einem Autounfall, einem Schlaganfall oder einem Knochenbruch abheben. Maximal sind sie an einem Tag bis zu fünfzehneinhalb Stunden im Dienst.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

(phs) "Das ist für uns ganz wichtig, wir hatten zuletzt keinen festen Piloten mehr", sagt Alfred Rast, der Geschäftsführer des Zweckverbands. Das gilt besonders seit dem tragischen Unfalltod von Stationsleiter Jochen Huber Ende Januar. Luftretter aus anderen Teilen der Oberpfalz sprangen ein. Auch dabei gibt es Hindernisse: Sind die Helfer erstmal 60 oder älter, funkt die EU mit Vorschriften und Gesundheitstests dazwischen. Nun aber sind zwei erfahrene Männer dauerhaft vor Ort: Peter Flor und Martin Anz.

Für Flor, der im Weidener Osten aufgewachsen ist und mit Frau und zwei Kindern in Neustadt lebt, ist es nach vielen beruflichen Wanderjahren eine Rückkehr zu den Wurzeln. Der 48-Jährige war Berufssoldat und flog bereits Einsätze in Afghanistan und Bosnien.

Als Oberleutnant schied er aus und fing vor viereinhalb Jahren bei der DRF Luftrettung in Dresden an. Der Standort Latsch ist für ihn kein Neuland: "Zu der Zeit gehörte Weiden mit zu unserem Stationsverbund, daher bin ich auch ab und an mal in Latsch eingesprungen", erklärt er. Zuvor war er in Bückeburg bei Münster, Itzehoe und Laubheim bei Ulm stationiert.

Nach einer einmonatigen Einarbeitung ist Martin Anz sein Kompagnon in Latsch. Der 39-jährige Münchner fliegt seit 2002 und absolvierte eine Privatausbildung. 14 Jahre lang unternahm er Arbeitsflüge. Damit sind Kontrollen und Montagearbeit aus der Luft gemeint. Anz' Spezialgebiet war der Hochspannungbau. "Das kommt aus den USA und heißt dort Line Cowboys. Ich bin an die Leitung herangeflogen, ein Kollege hat sich auf die Kufen gesetzt und montiert."

Bei seinen Kontrollflügen lernte der mit einer Grundschullehrerin verheiratete Vater von zwei Kindern auch die Oberpfalz kennen. "Ich habe einmal wöchentlich die Gas-Pipeline bei Waidhaus abgeflogen." Dabei galt es, zu schauen, ob dort nicht zu nahe gebaggert oder gebraben wird. Nach einem Jahr bei der Johanniter-Luftrettung ist Anz nun in Weiden und genießt ebenfalls Heimatgefühle. "Auch wenn die Sprache anders ist, ist die bayerische Mentalität doch ähnlich." Dazu kommt die räumliche Nähe zur Familie. Anz arbeitete zuletzt in Rostock und Bochum.

Der Vorgesetzte von Flor und Anz ist Günter Eigenbrodt. Er ist Stationsleiter in Friedrichshafen, zu dessen Stationsverbund auch Weiden gehört, das er kommissarisch mitbetreut. Die Stationsleiterstelle in Weiden ist seit Jochen Hubers Tod verwaist. Sie ist ausgeschrieben und soll im Sommer besetzt werden.

Die beiden neuen Piloten werden von Andreas Spiering aus Neumarkt unterstützt. Die drei betreuen einen 60-Kilometer-Radius. Richtig Stress hatten sie seit Anfang Juni noch nicht. Ein schwerer Autounfall bei Roding oder ein zu tollkühner Skateboardfahrer bei Marktredwitz waren bislang die spektakulärsten Einsätze. Flor kennt es aber auch anders: "Es gibt Zeiten, da hebst du sieben Mal am Tag ab." Wird einem da mulmig? "Angst fliegt nicht mit, aber Respekt. Lieber heißt es sicher ankommen als schnell."

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