31.07.2019 - 09:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Leidenschaft Rettungsschwimmer

Früh übt sich, wer eine gute Rettungsschwimmerin werden will. Grace Storm schwimmt, seit sie drei ist. „Es macht mir Spaß, im Wasser zu sein“, sagt die Zehnjährige, die 2018 bei den Bayerischen Meisterschaften Gold und 2019 Silber holte.

Grace Storm weiß, was sie will. Sie will Leben retten - und so viel Zeit wie möglich in ihrem Element verbringen: dem Wasser.
von Autor EWAProfil

„Das lag aber nur daran, dass sie nun in der höheren Altersstufe antreten musste, wo sie zu den Jüngsten gehört“, erklärt Trainerin Andrea Glaubitz. „So war es auch eine Wahnsinnsleistung, dass sie Zweite geworden ist. Ich bin mir sicher: Nächstes Jahr holt sie wieder Gold.“ Grace nickt selbstbewusst, während sie ihre Schwimmbrille zurechtrückt. „Und dann will ich endlich zu den Deutschen Meisterschaften.“

Nachmittags im Weidener Schätzlerbad. Das Thermometer mit der Digitalanzeige zeigt 25 Grad an, im See ziehen einige ältere Damen gemächlich ihre Schwimmrunden. Grace Storm freut sich schon darauf, endlich wieder ins Wasser zu kommen. Gutgelaunt und voller Energie packt sie ihre Flossen und ihre Schwimmbrille aus, schnappt sich dann den Gurtretter. „Mit den Flossen schwimmen ist ein bisschen wie Fliegen“, sagt die Nachwuchs-Rettungs- schwimmerin und lacht. „Das ist krass, was man da für eine Geschwindigkeit draufbekommt.“ Wer mit Grace spricht, ist erst einmal erstaunt, dass er es tat- sächlich mit einer Zehnjährigen zu tun hat. Wenn sie hingebungsvoll von ihrer Leidenschaft erzählt, wirkt sie fast schon ein bisschen erwachsen. Und sie weiß ganz genau, was sie will: den nächsten Meistertitel. Viermal die Woche geht Grace zum Schwimmtraining, zweimal zum Schwimmverein und zweimal zur Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Ein Leben ohne Wasser kann sie sich nicht vorstellen. „Grace ist ein echtes Schwimmtalent“, sagt Trainerin Andrea Glaubitz, die zugleich Vorsitzende der DLRG Weiden ist. „Man sieht sofort, welchen Spaß sie im Wasser hat. An der Technik kann man immer arbeiten. Wichtig ist, dass jemand die- sen Fleiß und diese Ausdauer mitbringt und sich in dem Element wohlfühlt.“ „Wir haben Grace schon mit in die Schwimmhalle genommen, als sie noch ganz klein war“, erzählt Mama Claudia, die selbst mit der Damenstaffel bei den Bayerischen Meisterschaften im Rettungsschwimmen gestartet ist und auf dem dritten Platz landete.

Für ihren großen Traum vom Rettungsschwimmen trainiert die 10-Jährige hart.

„Es war uns als Eltern wichtig, dass sie frühzeitig Schwimmen lernt. Denn spätestens mit sechs Jahren sollte jedes Kind schwimmen können.“ Als Grundschullehrerin weiß Claudia: Nur noch rund ein Drittel der Schüler in der vierten Klasse kann tatsächlich schwimmen. „Ich habe Kinder, die waren mit neun Jahren noch nie in ihrem Leben im Wasser. Das ist unfassbar.“ Grace hört zu, schüttelt den Kopf und kann es gar nicht glauben. Schließlich gehört das Schwimmen für sie zu ihren absoluten Lieblingsbeschäftigungen. „Es gibt doch nichts Schöneres, als im Wasser zu sein“, sagt sie – und ist einige Sekunden später auch schon drin. Sie zieht zunächst einige Bahnen, um sich aufzuwärmen. Die Geschwindigkeit beeindruckt nicht nur die älteren Damen, die nebenan gemütlich vor sich hin schwimmen. „Grace hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst“, sagt Andrea. „Bei den Bayerischen Meisterschaften in diesem Jahr ist sie gegen Schwimmer angetreten, die waren zwei Jahre älter als sie. Und dennoch ist sie auf dem zweiten Platz gelandet, eine tolle Leistung.“ Die Trainerin hofft, dass Grace auch mit Silber genügend Punkte sammeln konnte, um sich für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. „Es ist nun wichtig für sie, dass sie Wettkampferfahrung sammelt. So kann sie nächstes Jahr, wenn es drauf ankommt, viel lockerer an das Ganze rangehen.“ Doch zunächst trainiert Grace fröhlich weiter. Dass sie einen Riesenspaß daran hat, die mit Wasser gefüllte Puppe hinter sich herzuschleppen, ist nicht zu übersehen. Trainerin Andrea beobachtet sie lächelnd. Sie weiß nur zu gut, was die Faszination am Rettungsschwimmen ausmacht. Schließlich ist sie selbst seit ihrer frühen Jugend aktiv. „Hier verbinden sich Sport und Humanität“ sagt sie. „Dazu kommt die wunderbare Gemeinschaft in der DLRG, auch diese ist immer wieder eine große Motivation.“ „Andrea“, ruft Grace von hinten aus dem Wasser. „Machen wir nun endlich weiter?“

Harte Arbeit zahlt sich aus. Nicht nur ein Mal ist Grace Storm bei der Bayerischen Meisterschaft erfolgreich.
Die Rettungssport-Disziplinen :

In Europa – mit seinen vielen Frei- und Hallenbädern – werden Wettkämpfe der Rettungsschwimmer meistens in der Schwimmhalle ausgetragen. Wie bei reinen Schwimmwettkämpfen messen sich die Athleten bei diesen sogenannten Hallendisziplinen oder Pool-Events untereinander im Wettlauf gegen die Zeit. Wichtigste Hilfsmittel: die eigenen schwimmerischen Fähigkeiten und eine genormte Puppe, die die zu rettende Person simuliert. Bei einigen Disziplinen kommen Flossen und der Gurtretter, ein spezielles Rettungsgerät, als Ergänzung hinzu. Zu den Einzeldisziplinen gehören Hindernis- schwimmen, Retten einer Puppe, Kombinierte Rettungsübung, Retten mit Flossen, Retten mit Flossen und Gurtretter oder Super Livesafer. Hier wird eine auf dem Beckenboden liegende Puppe an die Wasseroberfläche gebracht und zum Beckenrand geschleppt.

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