02.07.2021 - 08:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

LEO trifft: Josie Paulus über Kampfansagen und dem Traum vom Rockstar-Leben

Josie Paulus lebt das Rock-Leben. Die 24-Jährige ist Teil der Hamburger Musikszene, spielt auf Open Stages, tourt mit ihrer Band. Im Interview erzählt die gebürtige Luhe-Wildenauerin, warum es nur einen Plan gibt: Rockstar zu werden.

Rockig, selbstsicher, talentiert: Josie Paulus lebt für ihre Musik.
von Julia Hammer Kontakt Profil

ONETZ: Tattoos, Bars, klare Statements: Deine Musik und deine Videos sind Rock pur. Wie bist du privat?

Josie Paulus: Leider lebe ich das auch privat aus (lacht). Es gibt keinen großen Unterschied zwischen der Kunstfigur Josie Paulus und der Privaten. Allerdings kann ich mich durch meine Musik noch mehr ausleben, als ich es manchmal im Alltag kann. Ich bin im „echten Leben“ auch keine leise Person, spreche Dinge klar an. Aber man hat mehr Hemmungen als in der Musik. Ich habe mich privat auch noch nie so sexy gezeigt wie in meinem neuen Video „Good for you“. Für mich ein Befreiungsschlag. Früher habe ich mir oft Gedanken gemacht, wie ich wirken könnte – aber in diesem Video bin ich komplett ich selbst. Und ja – auch von den Zigaretten und dem Alkohol komme ich nicht los.

ONETZ: Woher kommt deine Liebe zur Musik?

Josie Paulus: Ich komme aus einem absolut unmusikalischen Elternhaus. Aber ich habe schon immer gern gesungen. Meine Mutter erzählt oft, dass ich damals gerne in die Kirche gegangen bin, um die Lieder lauthals mitzusingen. Ab der 5. Klasse war ich Teil des chors. Dann habe ich die Musik von Taylor Swift – das „Fearless“-Album – gehört und meine Liebe zur Musik entdeckt. Durch diese Songs habe ich verstanden, dass man durch Texte und Musik Emotionen vermitteln kann. Das wollte ich auch. Ich habe mir selbst das Gitarre-Spielen beigebracht und mit 13 angefangen, eigene Songs zu schreiben.

ONETZ: Hast du deine rockige Ader in der Oberpfalz ausgelebt?

Josie Paulus: Ich hatte keine Freunde, die Musik gemacht haben. Ich war die einzige, was aber auch mein Steckenpferd wurde. Sport, Malen – ich war immer Mittelmaß. Bis ich die Musik entdeckte. Ich hatte dann direkt Auftritte im Juz, habe auf Schulfesten gespielt, bin mit 15 Jahren bei „Weiden tobt“ aufgetreten. Ich habe mich schon ausgelebt. Aber so richtig reingepasst habe ich natürlich nicht.

ONETZ: Wie hat sich dein Leben verändert, als du mit 17 nach Hamburg gezogen bist?

Josie Paulus: Der Umzug hatte erst einmal nichts mit meiner Musik zu tun. Ich habe in Hamburg mein Abi fertiggemacht und bin dann für ein Jahr in die USA. Eine turbulente Zeit. Ich war dort verlobt – da war ich 19. Die Beziehung ist in die Brüche gegangen, also bin ich zurück nach Hamburg, habe angefangen zu studieren … aber ich hatte den Boden unter den Füßen verloren. Nachdem ich schnell gemerkt habe, dass das Studium nichts für mich ist, habe ich beschlossen: Musik war schon immer mein Leben, jetzt will ich das professionell machen. Ich bin in Hamburg zu Open Stages gegangen, bin in Bars aufgetreten und habe mein erstes Album „Green“ geschrieben, in dem ich die Trennung verarbeitet habe.

ONETZ: Das Album hast du 2018 veröffentlicht ...

Josie Paulus: … diese elf Songs waren wie ein Tagebuch aus einem bestimmten Lebensabschnitt. Die Trennung, meine Selbstfindung, die Liebe zu mir selbst. Ein Bekannter aus Hamburg hatte ein Homestudio, er war ein Ex-Punk-Rocker. Ich habe das Album über Monate hinweg aufgenommen. Noch heute bin ich stolz auf meine Texte, das Album bedeutet mir viel. Allerdings würde ich es nicht mehr so machen. Ich hatte damals kein Geld und keine Ahnung, wie man sowas angeht. Ich war erst ein Jahr aktiv in der Musikszene. Aber man lernt aus Fehlern.

ONETZ: Wie viel aus deinem Leben verarbeitest du in deinen Songs?

Josie Paulus: Alles ist aus meinem Leben. Natürlich übertreibt man in seiner Musik manchmal. Ich nehme Situationen, die mich beschäftigen, und verarbeite sie. Ich habe hunderte Seiten in Notizbüchern vollgeschrieben. Viele Einzeiler, aus denen meine Songs entstehen. Den Song „Green“ habe ich in einer halben Stunde geschrieben. Ich hatte die Idee und musste sie einfach umsetzen. Manchmal sitze ich auch 8 oder 9 Stunden und schreibe, bis ein Text perfekt ist.

ONETZ: Wie hast du dich und wie hat sich deine Musik seit "Green" verändert?

Josie Paulus: Ich habe seither hunderte Konzerte gespielt: Wohnzimmerkonzerte, in clubs, einige Auftritte in den USA. Meine Musik hat einen Genre-Wechsel durchlebt – von country-Pop zu Rock. Auch ich habe mich noch mehr in diese Richtung hin entwickelt. Als Musikerin gibt es keine Trennung zwischen Kunstfigur und Privatperson. Die Musik ist mein Beruf, meine Berufung, mein Leben. Im Gegensatz zu damals spiele ich jetzt aber mit Band. Alles ist professioneller geworden. Wir nehmen unsere Songs in richtigen Tonstudios auf, lassen unsere Videos von Profis produzieren. Der Dreh zu „Good for you“ hat zwei Tage gedauert – mit einem Team von 15 Leuten. Und auch die Themen, über die ich schreibe, haben sich verändert. „Green“ war viel Herzschmerz, aber auch die Suche nach mir selbst. Jetzt verarbeite ich soziale Aspekte wie Feminismus und Wut. Ich kritisiere die Art, wie Frauen oft gesehen werden – und erzähle, welche Erfahrungen ich damit gemacht habe.

ONETZ: Diese Themen verarbeitest du auch in deinem Album "Loud and Bold", dass am 6. August erscheint ...

Josie Paulus: … ganz genau. Die EP wird eine einzige feministische Kampfansage sein. Sechs Songs – direkt auf die Fresse. Danach wird es keine Fragen mehr geben, welche Themen mich gerade beschäftigen. Deutliche Worte, klare Ansagen. Es ist doch so: Wir Frauen wollen genau das Gleiche dürfen wie Männer. Kerle sind oft selbstverliebt, arrogant – vor allem Rapper und Musiker. Frauen dürfen sich aber so nicht präsentieren. Sollten sie aber. In meinem neuen Video textet mich ein Typ zu und hört nicht auf – bis ich ihm eine reinhaue. Klar kann man sagen: Das ist gewaltverherrlichend. Aber meine Botschaft ist eine andere: Lass dir als Frau nichts gefallen. Wir müssen uns emanzipieren und uns das Recht nehmen, das uns zusteht.

ONETZ: In deinen Songs kritisierst du Rollenklischees, singst davon, deine "eigene Nummer eins" zu sein ... eckst du damit an?

Josie Paulus: Natürlich ecke ich damit an. In meinem Song „Running Free“ singe ich davon, dass ich keinen Mann brauche, der mir sagt, wer ich bin oder was ich kann. Und dass ich eben meine eigene Nummer eins bin und nur ich mich glücklich machen kann. Daraufhin haben einige Leute zu mir gesagt: Kein Wunder, dass du Single bist, wenn du solche Songs veröffentlichst. Überraschung, das waren alles Männer. Doch die haben nichts verstanden. Ich hasse Männer ja auch nicht, ganz im Gegenteil: natürlich hätte ich irgendwann gerne mal einen Partner, aber solange bin ich auch glücklich und erfüllt ohne. Ich ecke aber nicht nur mit den Texten an. Ich habe von ein paar konservativen Frauen gehört: „Die zieht sich im neuen Video an wie eine Nutte.“ Unglaublich. Gerade wir als Frauen müssen doch zusammenhalten. Interessant ist: Die ältere Generation findet meine Musik super, kann aber mit der Attitüde nichts anfangen. Bei den Jüngeren ist es umgekehrt.

ONETZ: Die Musikbranche ist hart. Wie gelingt es dir, so selbstsicher zu bleiben?

Josie Paulus: Gerade, weil es als Frau in der Branche schwer ist, ernst genommen zu werden, muss ich selbstsicher sein. Viele Bosse, die dich voranbringen können, sind Männer. Sie lassen dich abtropfen, bevor sie dich überhaupt hören oder behandeln dich wie ein kleines Mädchen. Du musst dich ständig beweisen und als Frau so laut sein, dass sie dich nicht überhören können. Das Business ist männerdominiert. Es fehlt an Frauen in Produzentenrollen, hinter der Kamera, in chefetagen. Gleichzeitig ist die Konkurrenz groß. Vor allem zwischen den Geschlechtern. Es gibt viele mittelmäßige Männerbands, die erfolgreich sind. Frauen haben es schwerer, weil sie einzigartig und perfekt sein müssen, gleichzeitig aber kein Mainstream.

ONETZ: Warst du schon immer so direkt und selbstbewusst?

Josie Paulus: Ich war früher sehr unsicher. Ich habe nie dem klassischen, zierlichen Frauenbild entsprochen, war nie die süße Person, die Männer beschützen wollten. Ich war unzufrieden, bis ich mich gefragt habe: Will ich die ganze Zeit unglücklich sein oder mich so akzeptieren und wertschätzen, wie ich bin? Genau das mache ich jetzt. So, wie ich bin, bin ich richtig – wie jede andere Frau auch. Ich lasse mich nicht mehr von Angst bestimmen. Vor ein paar Jahren bin ich alleine ein paar Monate durch die USA gereist. Die pure Freiheit. Einen großen Plan hatte ich nicht. Ich erinnere mich, dass ich eines Abends mit meinem Gepäck am Times Square gestanden bin und nicht gewusst habe, wo ich schlafen soll. Also bin ich zur nächsten Open Stage gegangen, habe bis 2 Uhr morgens auf der Bühne gespielt und dann ins Mikro gesagt: Kann ich heute bei jemandem schlafen? Es hat funktioniert. Bei dieser Reise habe ich gelernt, dass alles immer irgendwie funktioniert. Man darf nur nicht aufgeben.

ONETZ: Dein Song "Good to you" hat mehr als 23.000 Aufrufe bei Youtube. Was hast du für Ziele?

Josie Paulus: Ganz klar: Ich will Rockstar werden. Wenn ich sagen würde, ich mache das nur für mich, Erfolg ist mir egal, wäre das falsch. Klar ist Musik mein Leben, aber natürlich will ich, dass meine Songs im Radio laufen. Ich will in großen Arenen vor tausenden Menschen spielen. Ich will ein Rockstar sein. Sonst könnte ich auch alleine unter der Dusche singen.

ONETZ: Planst du Auftritte in der Oberpfalz?

Josie Paulus: Ich will mit meiner Band bald ein „Homecoming-Konzert“ in Weiden machen. Wir haben ein neues Programm, veröffentlichen viele neue Songs – und die würde ich wahnsinnig gerne in Weiden spielen. Vielleicht verbinden wir das gleich mit einer Tour durch die Oberpfalz oder Bayern.

LEO trifft: Michael Weiß über Vielfalt, Lieblingsprojekte und eine Schüssel Müsli

Oberpfalz

Josie Paulus - Good To You

Josie Paulus - All I Hear Is

Josie Paulus :

Hier geht es zur offiziellen Webseite der Musikerin

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.