04.11.2021 - 11:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

LEO trifft: Lukas Höllerer über alternative Kultur, den nötigen Funken „Craziness“ und sündhaft gute Musik

Lukas Höllerer stand jahrelang selbst mit „William’s Orbit“ auf der Bühne. Heute bringt er als Booker des Vereins „Das Sündikat“ alternative Kultur und außergewöhnliche Künstler nach Weiden.

Lukas Höllerer ist Chef-Booker des Vereins "Das Sündikat".
von Julia Hammer Kontakt Profil

Im Interview erzählt er, was sich hinter dem Pop-up-Konzept „Die Sünde“ verbirgt, warum das Ring-Kino die bisher abgefahrenste Location ist und warum gute Ideen manchmal bei ein, zwei kalten „Pivos“ entstehen.

ONETZ: Das 6. Mal Sünde: Pop-up-Club, Party, außergewöhnliche Konzerte. Warum liegt dir das Projekt so am Herzen?

Lukas Höllerer: Weil‘s sein muss! Oder ganz egoistisch ausgedrückt: Weil ich glaube, dass eine Stadt wie Weiden solch einen Ort für alternative Kultur gut gebrauchen kann. So viel sei ergänzt: Partys im klassischen Sinn ziehen wir immer an anderen Orten als in der Sünde auf.

ONETZ: Was hat dir, bevor ihr "Das Sündikat" gegründet habt, am kulturellen Angebot in Weiden gefehlt?

Lukas Höllerer: Musikalische Abwechslung. Der Fokus auf Veranstaltungen, die einem das Gefühl geben, dass man die Sache mit Liebe für die Musik, mit Respekt vor Künstler*innen und dem Publikum sowie mit einer spürbaren Freude angeht. Und ab und an ein Funken Craziness.

Mehr von Lukas Höllerer und Christian Gold im Podcast "Mein Soundtrack"

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ONETZ: "Das Sündikat" ist eine Gruppe aus 20 jungen Erwachsenen. Wie ist die Idee entstanden?

Lukas Höllerer: Das war tatsächlich ein Prozess und es ist auch bis heute einer. Begonnen haben wir 2014 mit einem Konzert, bei dem wir quasi noch keine Ahnung davon hatten, was es bedeutet, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, Künstler*innen zu buchen und was sonst noch alles daran hängt. Mit jedem Jahr tut sich etwas bei uns. Wir alle lernen immer noch dazu. Eines muss man aber zugeben: Viele der Dinge, die wir uns so ausdenken, starten mit ein, zwei kalten Pivos in der besten Kneipe der Welt, dem Neuen Linda in Weiden.

ONETZ: Laden auf der Allee, Josefshaus, 2021 das Ring-Kino als bisher größte Sünde-Location. Welche Möglichkeiten bietet sie euch?

Lukas Höllerer: Sie bietet uns ein Ambiente, das uns zu Beginn echt mit einem ganz ordentlichen Batzen Respekt und Ehrfurcht erfüllt hat. Es ist einfach ein massiv toller Ort, um das aufzuziehen, was uns so am Herzen liegt: Besondere kulturelle Veranstaltungen, gepaart mit allem, was dazu gehört: Dickes Licht, dicker Sound, schrecklich gute Künstler*innen, Bands und ein mega offenes Publikum.

ONETZ: Was muss alles gemacht werden, bis die erste Band auf der Sünde-Bühne stehen kann?

Lukas Höllerer: Puh, das kann man schwer auf die Schnelle zusammenfassen. Was man aber an erster Stelle braucht: Ein Team, in dem viele Menschen, die von vielen Dingen verdammt viel Ahnung haben, genau wissen, was wann, wo und wie gemacht werden muss. Es ist für uns jedes Mal wieder erstaunlich, wie jede*r von uns das neben der normalen Arbeit, der Family und anderen Verpflichtungen wuppt.

ONETZ: Kultur in Pop-up-Form. Was ist die Idee dahinter?

Lukas Höllerer: Wie vieles bei uns war die Idee eigentlich aus der Not heraus geboren. Wir haben einen Ort für ein Konzert gesucht. Allerdings hat uns in der Weidener Innenstadt nichts so richtig überzeugt. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, aus Leerständen Orte zu entwickeln, die einem das Gefühl geben, gerade einen amtlichen LiveClub zu besuchen. Uns geht es darum, Leerstände wieder zu beleben, unser Publikum immer wieder aufs Neue zu überraschen und ihnen gleichzeitig aber einen Live-Club vor die Nase zu setzen, dass es raucht (lacht). Das gibt dem Ganzen einen gänzlich anderen Charakter, als wenn wir auf nur einen Ort zurückgegriffen hätten, den es so schon gibt.

ONETZ: Ihr habt mehr als 100 Künstlern eine Bühne geboten. Wie wählt ihr die Musiker aus?

Lukas Höllerer: Das ist ganz einfach: Die Musik muss gut sein. Genauso wie die Menschen, die sie machen. Aber diese Künstler und Bands zu finden – das ergibt sich eigentlich immer von selbst.

ONETZ: Gibt es Erlebnisse, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Lukas Höllerer: Wenn ich aus all den Geschichten und besonderen Momenten einen rauspicken müsste, dann definitiv das Konzert mit Giant Rooks im Jahr 2017. Es war Montagabend, das Konzert war ausverkauft, aber kaum jemand kannte die Jungs, die in Indie-Kreisen bereits die absoluten Überflieger waren. Mit viel Glück konnten wir die Band an diesem Tag auf ihrer Tour – sie waren gerade als Vorband von „Von Wegen Lisbeth“ unterwegs – für einen Abend bei uns gewinnen. Es war einfach magisch. So eine verdammt gute Band, die mittlerweile mit wahnsinnig viel Erfolg belohnt wurde. Mega, dass sie bei uns waren. Und ich finde es mega, dass sie jetzt so erfolgreich sind.

ONETZ: Welchen Künstler wünschst du dir für die Sünde-Bühne?

Lukas Höllerer: Ich würde mir The Notwist und Sophie Hunger wünschen. Im Moment ist das zwar utopisch, aber ich hoffe sehr, dass wir das irgendwann hinbekommen und sie auf unserer Bühne stehen werden.

ONETZ: Drei Monate Sünde pro Jahr. Gibt es Überlegungen, dass es ein dauerhaftes Format wird?

Lukas Höllerer: Langfristig ist es definitiv für uns als Verein ein lang gehegter Traum, dass es irgendwann einen festen Ort für die Sünde gibt. Dazu braucht es aber wahnsinnig viele Faktoren, die zusammenwirken müssen. Auch mit viel Schöngerede ist Weiden kein Ort, der für Big-City-Life steht. Das macht einen Ort, wie er uns vorschwebt, nicht unmöglich, aber das muss letztendlich alles wirklich gut aufgezogen sein. Das ist keine leichte Sache, aber let’s see. Wir werden unser Bestes geben.

ONETZ: Wie bist du damals zur Musik gekommen?

Lukas Höllerer: Ich wollte einfach trommeln! Mein Papa hat die musikalische Infizierung dann noch mit einer ordentlichen Packung Led Zeppelin und Deep Purple weiter befeuert und irgendwann durfte ich mit Freunden am Gymi anfangen, Jazz zu spielen. Zack, fertig!

ONETZ: Reizt es dich, selbst wieder auf der Bühne zu stehen?

Lukas Höllerer: Aktuell darf ich hin und wieder mit meinen Friends vom Strompost Kollektiv ein bisschen Musik machen, das ist eine nice Sache. Ansonsten mal sehen.

ONETZ: Was wünschst du dir für die Sünde?

Lukas Höllerer: Ich wünsche mir viele Besucher*innen in der nun anlaufenden Saison der Sünde. Es ist ein Ort, den man manchmal erst für sich entdecken muss, weil es doch mitunter ziemlich crazy ist, was wir den Menschen vor die Nase setzen. Aber bisher wurde – lehne mich mal aus dem Fenster – jede*r belohnt für sein Interesse an unserem alternativen Ansatz von Kulturarbeit in Weiden.

ONETZ: Die Sünde zeigt auch, dass die Heimat kulturell mehr kann als Standard-Partys. Wie kommt das an?

Lukas Höllerer: Da wir alle für dieses Projekt ehrenamtlich arbeiten, ist es eine der schönsten Belohnungen, wenn wir Feedback für unsere Arbeit erhalten. Und da ist uns schon so viel Schönes zu Ohren gekommen, dass uns immer wieder daran erinnert, warum wir das alles machen.

ONETZ: Wie wertest du das kulturelle Angebot in anderen Städten?

Lukas Höllerer: Ganz knapp: Schwandorf bietet ein in meinen Augen angenehm frisches Kulturprogramm von Seiten der Stadt, was wir hier in Weiden manchmal ein bisschen vermissen. Das ist auch ein super Team dort im Kulturamt, das ich in diesem Sommer kennenlernen durfte. Good vibes! Was ich auch feiere: Das Zwickl-Festival, good stuff! In Amberg taugt mir, dass dort elektronische Musik abseits der Vodka-Boot-Fraktion regelmäßig an Orten wie dem Casino-Saal präsentiert wird, was mir hier total fehlt. Einfach mal auf dicke Bässe dancen (lacht). Und manchmal braucht’s gar keine Stadt, da düst man einfach zum Schafferhof in Neuhaus, top.

ONETZ: Auf was dürfen sich die Sünde-Fans in diesem Jahr freuen?

Lukas Höllerer: Auf ein maximal abwechslungsreiches Programm, einen der abgefahrensten Drummer Deutschlands, alte Bekannte, auf das wohlige Gefühl, Musik zusammen mit wunderbaren Menschen erleben zu dürfen und einen super abgefahrenen Ort, an dem wir das alles aufziehen.

LEO trifft ... Musikerin Josie Paulus

Weiden in der Oberpfalz

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