05.08.2019 - 14:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Leserbrief von Philipp Kaufmann zu "Weiden träumt": Zeit, aufzuwachen

Philipp Kaufmann, Geschäftsführer des City-Centers in Weiden, ist sauer: In einem Leserbrief an die Redaktion von Oberpfalz-Medien übt er Kritik an "Weiden träumt". Er sieht den Einzelhandel benachteiligt.

Philipp Kaufmann sagt: „Gegen ein ,Bürgerfest bei Nacht‘ ist überhaupt nichts auszusetzen. [...] Aber dazu braucht es den Handel nicht.“
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Leserbrief von Philipp Kaufmann:

Glückwunsch an die Macher von „Weiden träumt“: Besucher ohne Ende, Stimmung hervorragend, Lob von allen Seiten, kaum Ärger – Organisatorenherz, was willst du mehr?!

Weiden in der Oberpfalz

Archiv: So war "Weiden träumt" 2019

Weiden in der Oberpfalz

Klingt wahnsinnig toll und erfolgreich – aber leider nur auf den ersten Blick. „Weiden träumt“ ist ein Synonym für eine „lange Shopping- oder Einkaufsnacht“, bei der der Einzelhandel in einer Stadt unterstützt werden soll und bei der Kunden in besonderer Atmosphäre und ohne Stress die Angebote der Händler entdecken und nutzen können. Viele Händler bereiten sich auf diesen Abend mit besonderen Angeboten oder Aktionen vor – der Kunde soll ja schließlich hofiert werden, und man hofft darauf, das eigene Geschäft durch Attraktivität zu stärken – gerade in so schweren Zeiten, wie wir sie gerade erleben.

Ob der Termin – Monatsende, Ferienbeginn („war schon immer so“) – glücklich gewählt ist, darüber lässt sich diskutieren. Worüber man aber definitiv nicht mehr streiten kann, ist, dass sich diese Veranstaltung in den letzten Jahren zu einem „Bürgerfest bei Nacht“ oder „Bürgerfest 2.0“ entwickelt hat. Stolz wird über eine große Anzahl an Bands, „kulinarischen Genüssen“, Getränkeständen, Kunsthandwerkermarkt, Flohmarkt und so weiter berichtet. Auch, dass ein „Wöhrl“ mit seiner Größe starke Umsätze macht, ist toll. Wo aber sind die Kommentare derer, die nicht erfolgreich waren?

Man wirbt mit „Shoppen bis Mitternacht“ – einige Geschäfte haben weit vorher schon die Türen geschlossen oder erst gar nicht mehr am Abend aufgesperrt. Wer von den Organisatoren stellt sich die entsprechenden Fragen dazu? „,Weiden träumt‘ ist eher was für die Gastronomie“ lautet ein Zitat vom Stadtmarketing: Warum braucht es dann den Einzelhandel?

Seit Jahren lesen wir aus Presse und Internetforen, wie schlecht in Weiden der Einzelhandel aufgestellt ist. Ein neues, großes Center ist die Antwort auf diese Probleme. Ein Center bei dem man ein paar Wochen vor Eröffnung nicht weiß, was eigentlich kommt. Doch damit werden die Probleme im hiesigen Handel nicht kleiner, im Gegenteil – der bestehende Markt wird neu aufgeteilt, es wird neue Geschäfte geben, alte werden verschwinden.

Der „Traum vieler Kunden“ von Zara, Mango, P&C, KFC, Starbucks, um nur einige zu nennen, wird einer bleiben. Marken und Geschäfte, die zweifelsohne eine große Anzahl an Kunden generiert hätten. Man trauert immer noch dem guten, alten „Hertie“ hinterher, ohne zu realisieren, was sich seitdem alles getan und verändert hat. Der Kunde hat seine Erwartungen mittlerweile so hochgeschraubt, dass er meint, dass hier alles so schlecht ist und man sein Glück nur im Internet oder in anderen Städten findet.

Was Weiden wirklich alles zu bieten hat – wohl bemerkt auf die Größe dieser Stadt – haben viele vergessen oder schätzen es nicht mehr. Das werden viele wahrscheinlich erst realisieren, wenn es zu spät ist und die tollen, teilweise eigentümergeführten Läden dicht sind. Dass geschlossene Geschäfte nicht dazu beitragen, dass beim Kunden die Lust am Einkaufen in seiner Stadt steigt, ist klar. Aber natürlich gibt es dazu Hintergründe – und hier gilt es endlich anzusetzen.

Gegen ein „Bürgerfest bei Nacht“ ist überhaupt nichts auszusetzen, im Gegenteil, die Stadt kann stolz darauf sein, dass die Bürger friedlich miteinander feiern. Aber dazu braucht es den Handel nicht. Jetzt gilt es gemeinsam ein Format zu entwickeln, das dem Weidener Einzelhandel mit all den bevorstehenden Aufgaben weiterhilft und ihn stärkt. Dabei hilft es nicht, wenn sich kleine Gruppen und Organisationen bilden und jede in eine andere Richtung galoppiert. Hier sind die Stadt Weiden und der Stadtrat gefordert, ein Stadtmarketing in der Verwaltung zu implementieren, mit ausreichend Mitarbeitern und Budget, das dann von Gastronomie und Einzelhandel entsprechend unterstützt wird. Wie überall anderswo, geht es auch hier nur gemeinsam.

Gute Parkmöglichkeiten, ein großes Händlerangebot, südeuropäisches Flair am Oberen und Unteren Markt sowie eine tolle Gastronomie- und Kneipenauswahl sind ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Wir müssen aufpassen, dass wir uns gegen andere Städte und Gemeinden behaupten und durch gezieltes und abgestimmtes Marketing positionieren, nur so werden wir noch viele tolle (Einkaufs-)Nächte in Weiden feiern können.

Philipp Kaufmann

Geschäftsführer City-Center Weiden Management GmbH

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