14.03.2019 - 14:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Aus Liebe zu Berg und Natur

1869 wird der Deutsche Alpenverein (DAV) gegründet. Seit 1901 gibt es eine Sektion Weiden. Sie unterhält zwei Hütten und eine Kletterwand. Dort wird am 31. März auch der 150. Geburtstag gefeiert.

Vergangenheit und Gegenwart: DAV-Mitglieder wurden zum Jubiläum Teil von historischen Postkarten. Bild: DAV
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(exb) Aus einer Vereinigung zur Erforschung und touristischen Erschließung der Alpen wurde einer der größten Sportverbände Deutschlands, der sich ebenso für die Erhaltung der Natur verantwortlich fühlt. In diesem Jahr feiert der Deutsche Alpenverein (DAV) seinen 150. Geburtstag. In all den Jahren war und ist er Spiegel gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen. Das Jubiläum ist für den DAV Anlass, einen Blick zurück zu werfen und daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Im Jahre 1869 gründeten deutsche und österreicherische Bergsteiger den Deutschen Alpenverein als "bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein". Bis heute wuchs der DAV zum größten Bergsportverein der Welt und einem der großen Sport- und Naturschutzverbände Deutschlands mit rund einer Million Mitgliedern in 355 selbstständigen Sektionen. Hier finden Sportkletterer, Naturschützer, Hüttenwirte, Familiengruppen, Skibergsteiger, Expeditionsteilnehmer und Kulturliebhaber Gleichgesinnte. Sie verbindet das gemeinsame Ziel, die Bergwelt für kommende Generationen zu erhalten. Beim DAV zählt neben politischer und ideologischer Unabhängigkeit vor allem die Fachkompetenz in allen Bereichen des Alpinismus.

Erleben und erforschen

Der 1869 gegründete Alpenverein war beispielhaft für ein neues Selbstverständnis von Bürgern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die ihre Ziele verstärkt durch die Organisation in Vereinen umsetzten. Anfänglich stand für die Mitglieder vor allem das Erleben und Erforschen der Alpenwelt im Vordergrund, für das sie unter anderem ein umfangreiches Hütten- und Wegenetz einrichteten. Seit dem Ersten Weltkrieg wendete sich der Verein verstärkt dem leistungsbezogenen Bergsteigen zu, während er heute zusätzliche Schwerpunkte im Sport- und Wettkampfklettern sowie im Breitensport setzt. Der Alpenverein setzte sich von Beginn an auch für den Naturschutz im Alpenraum ein, wobei die Schwerpunkte unter anderem mit seinen veränderten bergsportlichen Interessen korrelierten.

Der von Beginn an alle deutschen Staaten übergreifende Verband radikalisierte sich nach dem Ersten Weltkrieg und richtete sich zunehmend deutschvölkisch aus, was sich unter anderem in der Ausgrenzung jüdischer Bergsteiger manifestierte. Nach 1933 arbeitete der Alpenverein im Deutschen Reich eng mit dem nationalsozialistischen Regime zusammen. Seit Mitte der 1990er Jahre begann er, sich intensiv mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Heute ist der Alpenverein mit seinen 1,2 Millionen Mitgliedern, 356 Sektionen in ganz Deutschland und einem großen Betätigungsspektrum ein moderner Verband, der sich neben bergsportlichen Angeboten auch zu gesellschaftspolitischem Engagement bekennt.

Der DAV vertritt als "Anwalt der Alpen" den Lebensraum vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Wichtige Ziele der Naturschutzpolitik des DAV sind daher umweltverträglicher Transitverkehr, eine sozialverträgliche Raumplanung und die Verhinderung weiterer Erschließungen von Skigebieten. Seit 2005 ist der DAV bundesweit anerkannter Naturschutzverband, so dass er zu naturschutzrechtlichen Verfahren Stellung beziehen kann. Der Alpenverein leistet einen Beitrag zur naturnahen und umweltfreundlichen Erholung in den Alpen und Mittelgebirgen Deutschlands, indem er ein Netz von 322 öffentlich zugänglichen Hütten mit über 20 400 Schlafplätzen unterhält. Die Pflege, Sanierung und Markierung des insgesamt rund 30 000 Kilometer langen Wanderwegenetzes ermöglicht allen Bergsportlern Naturerlebnisse ohne Gefahren und ohne unnötige Belastungen für die Natur.

Gründung im "Hotel Post"

Am 15. März 1901 fanden sich zehn bergbegeisterte Männer und Frauen im "Hotel Post" am Oberen Markt in Weiden (heute Schuhhaus Weiß) zusammen, um die Sektion Weiden e.V. des Deutschen Alpenvereins aus der Taufe zu heben. Als Gründer und erster Vorsitzender gilt der Brauereibesitzer Christian Aichinger. In der über 100-jährigen Geschichte der Weidener Sektion standen bisher neun verschiedene Personen als Vorsitzende an der Spitze. Darunter befanden sich unter anderem ein Hauptlehrer, ein Reichsbahnoberinspektor, ein Regierungsdirektor, verschiedene Professoren, ein Rechtsanwalt und ein Richter. Seit 2010 bekleidet der Weidener Stefan Schönberger das Amt bei der Weidener DAV-Sektion, die aktuell knapp 2500 Mitglieder zählt.

Hüttenkirwa

Der Verein unterhält die Steinwaldhütte (Selbstversorgerhütte) in Pfaben bei Erbendorf, deren Nutzung den Vereinsmitgliedern zur Verfügung steht. Einmal jährlich findet dort eine Hüttenkirwa statt. Auftakt bildet ein Feldgottesdienst, anschließend gibt es Grillspezialitäten und Brotzeiten. Die Hüttenkirwa wird genutzt, um sich mit Bergfreunden oder alten Freunden zu treffen oder um neue Bekanntschaften zu schließen. Auch für den Nachwuchs ist dabei einiges geboten: Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit, an einem der nahe gelegenen Felsen im Naturpark Steinwald mit Bergseil und Gurt zu klettern. Die Ausrüstung kann direkt vor Ort ausgeliehen werden. Die Sicherung übernehmen ausgebildete Alpenvereins-Mitglieder. Jüngere Alpinisten können sich bei Spielen die Zeit vertreiben. Die Hüttenkirwa findet in diesem Jahr am 15. September statt. Interessierte sind dazu eingeladen.

Hütte im Karwendel

Der Weidener Alpenverein verfügt auch über eine richtige Berghütte in den Alpen: Die Weidener Hütte in der Silberregion Karwendel liegt auf einer Höhe von knapp 1800 Metern und ist eine Schutzhütte, die ihren ursprünglichen Charakter als Stützpunkt für den Bergsteiger und Bergwanderer bewahren muss. Die zuletzt 2008 grundlegend sanierte Hütte bietet angenehmen Komfort, verfügt über insgesamt 56 Schlafplätze (30 Bettenlager und 26 Matratzenlager) und eine gemütliche Gaststube. Eine großzügige Terrasse lädt zum Verweilen und Genießen ein.

Der Stützpunkt erfreut sich sowohl im Winter, als auch im Sommer großer Beliebtheit. In der kalten Jahreszeit ist die Hütte ein idealer Stützpunkt für Skitouren oder für Schneeschuhwanderungen. Zwischen Juni und Oktober finden sich Wanderer und Mountainbiker ein. Höchst gelegenes und reizvolles Gipfelziel mit 2762 Metern ist der Rastkogel, für den geübte Berggeher etwa dreieinhalb Stunden unterwegs sind. Am Geiseljoch (2292 Meter) entlohnt ein grandioses Panorama auf die schneebedeckten Zillertaler Alpen im Süden.

Zudem bildet die Weidener Hütte eine Station des Inntaler Höhenweges, einer Genusstour, die in sechs Etappen 16 Gipfel und acht Jöcher zwischen Innsbruck und Schwaz miteinander verbindet. Mountainbiker nächtigen vor Ort auf ihrer Transalp-Route aus dem Inntal heraus über das Geiseljoch ins Tuxer Tal nach Mayrhofen und schätzen den Komfort mit Trockenraum und Duschen.

Darüber hinaus betreibt die Sektion Weiden eine künstliche Kletteranlage in der Weidener Berufsschulturnhalle mit Kletterrouten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Ob Einsteiger, Könner oder Profi, hier ist für jeden etwas dabei. Die Kletterwandbetreuer sorgen regelmäßig für Abwechslung und kreieren neue Routen. Auch Ausbildungskurse werden mehrmals jährlich angeboten. Termine und Ansprechpartner für Öffnungszeiten und Kurse sind auf der Homepage www.dav-weiden.de nachzulesen.

Ehrenamtliche Arbeit

Rund 40 Aktive stellen das Funktionieren der Sektion ehrenamtlich in ihrer Freizeit sicher: in der Vorstandschaft, im Beirat, als Übungsleiter, Tourenführer, Trainer und Jugendreferent. Das Jahresprogramm bietet eine Fülle vielfältiger Unternehmungen. Im Winter stehen beispielsweise Ausbildungskurse und Touren zum Skibergsteigen auf dem Programm, in der warmen Jahreszeit gibt es geführte Wanderungen, Hochtouren (in Kooperation mit der Sektion Karlsbad aus Tirschenreuth), Kletterkurse in der Halle und am Fels, Kletter-Ausflüge in die Fränkische Schweiz, Klettersteigtouren, Mountainbike-Touren oder Kanadiertouren auf heimischen Flüssen.

Zur Förderung des Zusammenhalts findet monatlich ein zwangloses Treffen Interessierter im Postkellersaal statt. Dabei wird über zurückliegende Aktivitäten informiert und ein Ausblick auf anstehende Unternehmungen gewährt. Der Schwerpunkt aber liegt im Austausch der Anwesenden.

Weitere Informationen mit Terminen, Ansprechpartnern und Teilnahmevoraussetzungen gibt es ebenfalls auf www.dav-weiden.de. Wer Lust und Interesse hat, sich für den Verein zu engagieren, beispielsweise für den Aufbau einer Familiengruppe oder für andere Aufgaben, findet auf der Internetseite ebenfalls entsprechende Informationen.

150 Jahre Deutscher Alpenverein :

Sektion Weiden feiert

Den Auftakt bildet ein bunter Aktionstag in der Weidener Berufsschulturnhalle am 31. März. Von 10 bis 18 Uhr stellt der Verein sein Angebot vor und bietet interessierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, sich an einer künstlichen Kletterwand zu versuchen. Die notwendige Ausrüstung wird kostenfrei zur Verfügung gestellt, die Sicherung stellen Übungsleiter sicher. Die Jüngsten können sich an einer Bastelstation vergnügen oder sich in einem Spielparcours austoben. Voranmeldungen sind nicht erforderlich. „Bergsportler, die sich spontan für eine Mitgliedschaft beim Weidener Alpenverein entscheiden, sparen sich an diesem Tag die Aufnahmegebühr. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, dem Verein beizutreten, sollte nicht länger zögern und sich die vielfältigen Vorteile einer Mitgliedschaft sichern“, empfiehlt erster Vereinsvorsitzender Stefan Schönberger. (exb)

Die Weidener Hütte in der Silberregion Karwendel liegt auf einer Höhe von knapp 1800 Metern und ist eine Schutzhütte, die ihren ursprünglichen Charakter als Stützpunkt für den Bergsteiger und Bergwanderer bewahren muss.
Die Sektion Weiden betreibt eine künstliche Kletteranlage in der Berufsschulturnhalle mit Kletterrouten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
Der Verein unterhält die Steinwaldhütte (Selbstversorgerhütte) in Pfaben bei Erbendorf, deren Nutzung den Vereinsmitgliedern zur Verfügung steht. Die Hüttenkirwa findet in diesem Jahr am 15. September statt. Interessierte sind dazu eingeladen.

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