05.04.2019 - 10:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Liebesbriefe-Aktion: Redakteure lesen Gewinner-Briefe vor

Gedichte, Erinnerungen, Treueschwüre: Das enthalten die Liebesbriefe, die uns unsere Leser im Zuge einer Valentinsaktion geschickt haben. Die Jury hat die besten Briefe ausgezeichnet. Sie hatte beim Lesen teils einen dicken Kloß im Hals.

von Sonja Kaute Kontakt Profil

Am Valentinstag vor 27 Jahren hat Christine Bauriedl aus Waidhaus von ihrem Mann Wolfgang mit einem Strauß Rosen in der Hand einen Heiratsantrag bekommen. „Auch heute nach all den Jahren würde ich wieder ja zu Dir sagen“, schreibt sie in ihrem Brief an ihn. „Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit miteinander, auch wenn nicht immer alles leicht für uns war. Bis zu jener Stunde, als plötzlich einen Tag vor unserer Silberhochzeit Dein Herz aufgehört hat zu schlagen. Für mich stand auf einmal die ganze Welt still. Nichts war mehr, wie es einmal war. Seitdem sind 283 Tage vergangen (...).“ Auf das Papier hat sie zwei weinende Herzen gemalt. Dieser Brief berührte die Jury besonders. Christine Bauriedl hat ihren Mann im Herbst 1990 in einer Diskothek in Eslarn kennengelernt, in der sich auch schon ihre Eltern zum ersten Mal getroffen hatten. Die 47-Jährige hat mit ihm zwei Söhne, 21 und 24 Jahre alt.

25 Liebesbriefe haben Leser an ihre Liebsten geschrieben und nach unserem Aufruf an Oberpfalz-Medien geschickt. Es sind Briefe von Ehemännern an ihre Frauen, von Frauen an ihre Männer, von Müttern an ihre Kinder. Mal sind sie gereimt, mal sind es dankbare Rückblicke, manche sind mit viel Humor geschrieben, und manchmal handelt es sich um kunstvoll formulierte Reflexionen.

"Du magst mich und ich bin verliebt in Dich, wie ich dachte, es könnten nur Teenager so empfinden", schrieb Karl-Heinz Puttke 1997 an seine Frau Waltraud. Zwei Jahre zuvor hatte er im Neuen Tag eine Partnerschaftsanzeige geschaltet. "Darauf habe ich mich beworben", erzählt die heute 62-jährige Ehefrau aus Weiden. "Es hat einfach gepasst."

Franz Kellner aus Vohenstrauß schrieb vor 35 Jahren an seine damalige Freundin Angela: "Mensch ich ho an Stern, ich ho nan a so gern. Ich ka schon nimmer gescheit denka, vom Autofohrn kaum meier lenkn, vom schaffa und vom ling, ziagts me zu meim Sterndal hin..." Er übersetzte den Text sogar ins Chinesische und rahmte ihn ein. Das Paar ist heuer 33 Jahre verheiratet, hat drei Kinder und zwei Enkelkinder.

"Heißgeliebte Rosemary"

Unter den eingeschickten Briefen finden sich auch historisch wertvolle Einblicke in eine längst vergangene Zeit. "Meine heißgeliebte Rosemary", steht zum Beispiel auf verblasstem Papier, das man nur vorsichtig anfassen möchte, damit es nicht zerfällt. "Rußland, den 15.6.44" steht am oberen rechten Rand, "Brief 34" am linken. Eine ganze handvoll dieser alten Briefe hat Monika Schubert (77) aus Weiden eingereicht. Gerichtet sind sie an ihre verstorbene Schwester Rosemary, Geborene Prem. Verehrer Karl gibt in einem dieser Briefe zu, dass ihm ebenso wie seinen Kameraden das Schreiben manchmal keine Freude bereitet. "Man schreibt doch nun schon jahrelang aus diesem gottverlassenen Lande nach Hause, statt selbst dort sein zu können, was manchmal direkt trostlos ist. Vielleicht kommt doch bald das Kriegsende - ob so oder so, und wir kehren nach Hause in die Arme unserer lieben Frauen und Bräute zurück. Das wäre noch das Gescheiteste und wunderschön, was, Liebling?" Als Geschenk schickt er seiner Verehrten von der Ostfront eine 25 Meter lange Wäscheleine, die ein Kamerad "aus gutem russischen Flachs für mich machte", und zwei Riegel Schokolade, die aber schnell verzehrt werden müssen, "damit sie nicht noch mehr verderben".

Sehnsüchtig schreibende Verehrer hatte Rosemary viele, wie ihre Schwester weiß. „Sie war eine sehr attraktive, lebenslustige Frau. Ich habe eine ganze Schachtel mit Liebesbriefen von Männern, die alle heiß verliebt in sie waren. Karl war ihr Klavierlehrer und somit sehr viel älter als meine damals 15-jährige Schwester“, so Monika Schubert. Geheiratet hat Rosemary erst Ende der 50er Jahre, aber nicht Karl, den Briefeschreiber.

Ihr Ehemann starb 1985 mit nur 55 Jahren, die gemeinsame Tochter war erst 39, als auch sie starb. Rosemary selbst lebte in München. Sie starb vor drei Jahren schwer demenzkrank in einem Pflegeheim in Plößberg, erzählt ihre Schwester. Diese weiß auch: Karl, Rosemarys Verehrer, kehrte nie von der Ostfront zurück.

Info:

Die Gewinner der Liebesbriefe-Aktion

Die Liebesbriefe-Aktion haben Oberpfalz-Medien zusammen mit der Deutschen Post ausgerufen. Die Jury setzte sich aus Mitgliedern der Redaktion sowie Erwin Nier, Pressesprecher der Deutschen Post, zusammen. Sie wählte folgende Gewinner, die jeweils ein von der Deutschen Post gesponsertes Candlelight-Dinner genießen dürfen.

Candlelight-Dinner im Wert von 111 Euro bei BHS Elements in Weiherhammer:

Christine Bauriedl, Waidhaus

Fanz und Angela Kellner, Vohenstrauß

Roswitha Kraus, Pressath

Monika Schubert, Weiden

Hans Kayser, Weiden

Candlelight-Dinner im Wert von 111 Euro bei „D’Wirtschaft“ in Altenstadt:

Monika Eckert

Waltraud Puttke, Weiden

Dagmar Zöphel

Joachim Maier, Weiden

Susanne Hösl, Oberviechtach

Renate und Berthold Nastvogel, Windischeschenbach

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