12.10.2021 - 10:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Microsoft"-Nutzer aufgepasst: So schlagen Betrüger derzeit in Weiden zu

Völlig aufgelöst ruft ein Weidener Rentner in der Redaktion von Oberpfalz-Medien an. Sein Wunsch: Er will andere Menschen warnen, denn er ist Opfer eines Hacker-Angriffs geworden. Dabei ging er doch nur ans Telefon.

Blindlings folgt ein Weidener den Anweisungen eines Unbekannten am Telefon, der sich als "Microsoft"-Mitarbeiter ausgibt. Doch dieser will nur eines: Zugriff auf den Computer, um Daten abzufangen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Seit Tagen hadert ein 65-jähriger Rentner aus Weiden, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, mit sich. Wie konnte ihm das nur passieren? Am Freitag wurde der Mann Opfer eines Hackerangriffs, wie er es sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Er ist gerade daheim ziemlich beschäftigt, als er am Festnetztelefon einen Anruf erhält. Ein angeblicher "Microsoft"-Mitarbeiter erklärt ihm in gebrochenem Deutsch, dass sein Computer langsamer arbeite als er sollte und er außerdem Schadsoftware an Bekannte verbreite, die sich bereits beschweren würden. Um dem Ganzen ein Ende zu setzen, bietet der Anrufer seine Hilfe an. Der 65-Jährige, mit den Gedanken ganz woanders, folgt den Anweisungen des Anrufers blindlings. Eine Stunde lang dauert das Gespräch circa, erinnert sich der Weidener, der gar nicht mehr genau weiß, was er da alles auf Wunsch des Anrufers angeklickt hat. "Das ging alles so schnell."

Er habe der Stimme am anderen Ende der Leitung geglaubt, wollte niemandem schaden und merkt dabei erst zu spät, dass gerade ihm selbst geschadet werden soll. Er habe dabei zugeschaut, wie der Unbekannte seinen Cursor benutzt und etwas auf seinem Bildschirm getippt hat, obwohl er nicht da war, erzählt der 65-Jährige und kann es kaum glauben. "Für mich ist das Hexerei", klagt er. Hellhörig wird der Rentner erst, als der Unbekannte ihm die Telefonnummer seines Sohnes nennt. Da wird ihm bewusst, dass der Anrufer eigentlich nur sensible Daten abgreifen wolle, legt auf und zieht schließlich auch den Stecker seines Routers.

"Mein größter Fehler"

Was der Anrufer auf seinem Computer alles angestellt hat und über die IP-Adresse noch anstellen kann, mag sich der 65-Jährige im Nachhinein gar nicht ausmalen. "Ich habe meine E-Mail-Adresse raus gegeben. Das war mein größter Fehler." Deshalb hat er seit dem Vorfall auch nicht mehr richtig geschlafen. "Es ist zum Heulen. Das kann man sich nicht vorstellen, wie man sich da hinterher fühlt", sagt er. Denn nun geht der Ärger erst richtig los. Er muss Bank, Telefonanbieter, Polizei informieren und seinen Computer durchchecken lassen. Das übernimmt ein befreundeter Programmierer für den 65-Jährigen. Mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit will der Weidener nun aber auch andere Menschen warnen, denn eines weiß er jetzt: Das Beste ist, den Telefonhörer einfach sofort aufzulegen. Und noch etwas ist ihm bewusst geworden: "Microsoft ruft niemals an."

Viren meist per E-Mail

Jürgen Strauß von der Weidener Polizei kennt diese Masche zur Genüge. "Die gibt es schon jahrelang", sagt er und erzählt, dass es sogar schon in seinem Bekanntenkreis einen Vorfall gegeben habe. "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Daten abgegriffen werden", meint der Polizeisprecher. An die Hacker hinterher heranzukommen, sei meist schwierig, gesteht er, denn der Zugriff auf die Computer der Opfer erfolge oft über Server im Ausland.

Kevin Riedl, IT-Experte bei Oberpfalz-Medien, erklärt, wie so ein Hacker-Angriff oftmals funktioniert: Meistens würden Viren per E-Mail-Anhang an die Opfer verschickt. Über diese mit Viren befallenen Dateien, wie PDFs, Bilder, Excel-Dateien, könnten die Hacker dann Zugriff auf den Computer erhalten. Es können aber auch bekannte Webseiten wie die für E-Mail-Postfächer nachgebaut werden, um an sensible Daten zu gelangen, informiert er weiter. Haben sich die Hacker erst einmal Zugriff zum Computer verschafft, können sie allerlei anstellen, solange die Schadsoftware intakt ist. "Das läuft alles über die IP-Adresse", sagt er, die er mit einer Postadresse vergleicht. "Wenn einer deine Adresse weiß, kann er ja auch immer wieder zu dir heimfahren." Das Beste sei daher, alles auf dem Computer zu löschen und auch Windows neu zu installieren, rät der IT-Experte.

Datenklau per SMS: Eschenbacher Polizei warnt vor Betrugsmasche "Smishing"

Eschenbach
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Tipps von Polizei und IT-Experte bei Hackerangriffen

  • Unternehmen wie Microsoft nehmen nicht unaufgefordert Kontakt zu den Kunden auf
  • Bei seltsamen Anrufen gleich auflegen
  • Keine privaten Daten am Telefon herausgeben
  • Wer schon Daten herausgegeben hat, Computer herunterfahren und vom Internet trennen
  • Betroffene Passwörter ändern
  • Computer von einem Experten überprüfen lassen
  • Nach Vorfall öfter Bankdaten überprüfen
  • Anzeige bei der Polizei erstatten
  • Bei E-Mail-Adressen auf Rechtschreibfehler, Signatur und richtige Domäne achten

 

 

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