29.10.2018 - 15:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Milde Strafe nach mehrfachem sexuellen Missbrauch

Landgerichtspräsident Gerhard Heindl spricht von „abscheulichen Vorfällen“. Mehrfach hat sich der 38-jährige Angeklagte an Kindern und Jugendlichen vergangen. Doch der Mann kommt mit einem „blauen Auge“ davon.

Zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt die Erste Strafkammer des Landgerichts Weiden den 38-Jährigen, der sich wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen verantworten musste.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Bei der Durchsuchung der Wohnung habe der Angeklagte einen ruhigen Eindruck gemacht, "so, als sei er sich sicher, wir würden mit unseren Ermittlungen nicht zum Erfolg kommen." Das erzählt der ermittelnde Beamte von der Kriminalpolizei am zweiten Verhandlungstag vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Landgerichtspräsidenten Gerhard Heindl.

Durch den Hinweis eines Kollegen sei er auf die Spur des 38-jährigen Landkreisbewohners gekommen. Wegen sechs Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, zwei Fällen, in denen er jugendpornographische Schriften hergestellt haben soll, sowie der Beschaffung von kinder- und jugendpornographischer Schriften sitzt er nun auf der Anklagebank. Die Taten soll der Mann zwischen 2011 und 2016 begangen haben. Zu dieser Zeit arbeitete er als pädagogische Hilfskraft bei einer von seiner Mutter geleiteten Organisation, die sich für benachteiligte Familien einsetzt. Zu seinen Aufgaben zählte die Betreuung der Kinder.

Opfer nicht im Gerichtssaal

Dabei habe er die Opfer - alle zwischen 12 und 14 Jahren - kennengelernt, begleitete sie zum Teil seit Jahren. Neben "sexuellen Übergriffen und Geschlechtsverkehr" habe der Angeklagte Nacktfotos von einem der Mädchen gegen Bezahlung gemacht. Auch bei Facebook soll er junge Mädchen unter einem Nicknamen angeschrieben und Nacktfotos von ihnen verlangt haben.

"Nachdem ich mit zwei der Opfer gesprochen und eines mir von Videoaufnahmen erzählt hat, haben wir nach richterlichem Beschluss das Zimmer des Angeklagten in der elterlichen Wohnung durchsucht. Dabei haben wir neben zahlreichen kinder- und jugendpornographischen Dateien auch Sexspielzeug gefunden." Diese Tatsache decke sich mit den Aussagen der Opfer, die angegeben hatten, der Angeklagte habe auch das bei den sexuellen Übergriffen eingesetzt, betont der Beamte, der als einziger Zeuge in dieser Verhandlung aussagt. Die Opfer sind nicht geladen. Man wolle ihnen die Strapazen der Verhandlung ersparen. Ihre Aussagen liegen den Anwälten und den Schöffen vor. "Er hat meiner Mandantin Alkopops gegeben, ihr gesagt, sie hätten eine Beziehung. Durch das Abhängigkeitsverhältnis hat er meine Mandantin gezwungen, Sachen über sich ergehen zu lassen, die sie nicht wollte", schildert die Vertreterin der Nebenklage die Situation der damals 14-Jährigen, mit der der Angeklagte mehrfach Geschlechtsverkehr hatte.

"Harte Beweise"

Keine Vorstrafen, das Geständnis, der gezahlte Täter-Opfer-Ausgleich und die Tatsache, dass der Angeklagte bereits drei Monate in Untersuchungshaft verbracht habe - all das wertet Staatsanwalt Bernhard Voit in seinem Plädoyer positiv für den 38-Jährigen. Die vorgeworfenen Taten seien nicht nur durch Zeugenaussagen und dem Geständnis nachgewiesen, sondern auch durch "harte Beweise": das Bild- und Videomaterial, das bei dem Angeklagten gefunden wurde. Voit fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und die Zahlung von 3000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen in der Region. "Mein Mandant hat den Mädchen durch sein Geständnis erspart, vor Gericht erscheinen zu müssen", betont Verteidigerin Mayumi Weinmann. Auch sie fordert eine Bewährungsstrafe, "wie bereits vor der Hauptverhandlung während des Verständigungsgesprächs vereinbart". Das letzte Wort gehört dem Angeklagten. Er schweigt. Es sei "schon alles gesagt".

Nach kurzer Beratung fällt die Erste Strafkammer das Urteil: Zwei Jahre auf Bewährung. "Das war keine leichte Entscheidung. Es war eine Gratwanderung, bei der Sie gerade noch mit einem blauen Auge davon gekommen sind." Der Grund: Man habe die Opfer nicht den Strapazen der Hauptverhandlung aussetzen wollen, sie nicht noch einmal jedes Detail erzählen lassen müssen, erklärt Heindl das Urteil. Zu den "gravierendsten Vorfällen zählt der Landgerichtsvorsitzende die vier Male, in denen der Angeklagte Geschlechtsverkehr mit einer damals 14-Jährigen sowohl in seiner Wohnung als auch in seinem Auto gehabt habe. Während der Bewährungszeit von drei Jahren muss der 38-Jährige jeden Wohnortswechsel melden.

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