06.11.2018 - 18:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mission erfüllt, gesund zurück

Weidener Soldaten waren ein halbes Jahr im Kosovo, um das Feldlager in Prizren abzubauen. Bei der Bevölkerung sind sie auf große Wertschätzung gestoßen. Am Mittwoch danken Sie den Weidenern für die Unterstützung.

"Sechs Monate sind genug." Rund 380 Weidener Soldaten waren in der ersten Jahreshälfte 2018 im Kosovo. Am Mittwoch werden Sie am Oberen Markt begrüßt und wollen den Weidenern für die Unterstützung danken. Von links: Jan Schuchart, Daniel Rätz, Christian Kiesel
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Das Wichtigste zuerst: "Alle sind gesund wiedergekommen", betont Oberstleutnant Christian Kiesel, Kommandeur des 49. und 50. Einsatzkontingents Kfor. Ein halbes Jahr waren rund 380 Weidener Soldaten im Kosovo, davon 320 in der Stadt Prizren an der Grenze zu Albanien. Dort soll das Feldlager der Bundeswehr geschlossen und Ende Dezember "an das kosovarische Volk" übergeben werden. "Um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Wirtschaft zu fördern", solle nun ein "Innovations- und Trainingspark" entstehen. Der Auftrag der Truppe lautete zu prüfen, welche Gebäude übergeben werden können und welche abgerissen werden müssen. Etwa "170 Tonnen Material" habe sie nach Deutschland zurückgeschickt.

Die Mission sei erfolgreich beendet, betont Kiesel, der Abzug "sicherheitstechnisch kein Problem". Während im Norden des Kosovo der Hass noch tief sitze, sei Prizren im Vergleich zu 1999 heute wie eine "mediterrane Urlaubsstadt". Bei sogenannten Walkouts in die Stadt und monatlichen Betreuungsfahrten ins Umland habe die Truppe Gelegenheit gehabt, Gegend und Bevölkerung genauer kennenzulernen, erklärt Oberstabsfeldwebel Jan Schuchart von der Stabs- und Versorgungskompanie. Für die Soldaten sei es wichtig gewesen, "einmal rauszukommen und mal was anderes zu sehen als immer nur Soldaten".

"Die Wertschätzung im Kosovo für unsere Tätigkeit ist sehr hoch", betont Stabsfeldwebel Daniel Rätz. "Menschen in Uniform gelten als normaler Teil der Gesellschaft, die Bundeswehr als wesentliches Element der Sicherheit." Die Kosovaren seien dankbar für jede Hilfe. Der Kontakt mit den Menschen vor Ort sei "überwältigend" gewesen, vor allem die "Dankbarkeit für die kleinen Dinge, die man in Deutschland als Selbstverständlichkeit hinnimmt", wie etwa Sicherheit.

Einladungen zum Kaffee mussten die Soldaten jedoch ausschlagen, weil sie an das Gebot der Neutralität gebunden waren. Deshalb hätten sie persönliche Beziehungen zu Einheimischen "nur bedingt" aufbauen können. Kiesel hat jedoch zahlreiche Gespräche mit religiösen und politischen Vertretern und der Polizei geführt und dabei von allen Seiten "große Dankbarkeit" erfahren.

Für die Soldaten sei ein Auslandseinsatz "nicht immer einfach", erklärt Schuchart. Er war vor Ort unter anderem für die Sorgen und Nöte der Soldaten zuständig. Es sei wichtig, dass es jemanden gebe, mit dem sie reden können und der ihnen zuhöre. Am meisten habe den Soldaten die Familie gefehlt. Viele hätten ein "schlechtes Gewissen, weil sie sechs Monate nicht für Frau und Kinder da sein können". Dank moderner Kommunikationsmittel wie Skype sei es aber immerhin möglich gewesen, "mit der Familie zu kommunizieren".

Am 1. August war Abreisetag. Das sei "sehr emotional" gewesen, sagt Kiesel, aber die "Vorfreude auf die Familie" habe überwogen: "Sechs Monate sind genug." Nach der Rückkehr machen viele Urlaub. Die Bundeswehr biete zudem spezielle "Familienseminare" und ein "Einsatznachbereitungsseminar". Dort können Soldaten unter Gleichgesinnten "psychische Dinge" ansprechen. Die Familie wollen die meisten "nicht mit solchen Themen belasten", erklärt Schuchart. Stattdessen kehrten die Soldaten schnell in ihren Alltag zurück: "Das Leben muss weitergehen."

Die Soldaten freuen sich über den Rückhalt und das öffentliche Interesse in Weiden. Kurt Seggewiß (links) hatte die Truppe im Frühjahr im Kosovo besucht.
Info:

Weidener Soldaten im Kosovo

Seit 1999 ist die Bundeswehr im Kosovo im Einsatz. Rund zwei Jahrzehnte, in denen die Soldaten ein sicheres Umfeld in einer zwischen Serben und Albanern umstrittenen Balkan-Region schaffen sollten. Der sogenannte Kfor-Einsatz ist der bislang längste Einsatz der Truppe. Und er begründete den Wandel der Bundeswehr zur Einsatzarmee im Ausland. Das Weidener Artilleriebataillon 131 ist im Rahmen multinationaler Einsätze an zahlreichen Einsätzen beteiligt und war Leitverband für das 49. und 50. Kontingent KFOR im ersten Halbjahr 2018. In diesem Zeitraum waren insgesamt etwa 380 Weidener Soldaten im Kosovo: 60 in Pristina, 320 in Prizren an der Grenze zu Albanien. Im August sind sie zurückgekehrt.

Wie die Weidener Soldaten Ostern in Kosovo gefeiert haben

Der Bundeswehr-Einsatz in Kosovo

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