04.04.2022 - 12:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mobiles Arbeiten aus dem Ausland: Der Trend "Workation"

Mit den Füßen im Pool, mit dem Kopf in der Besprechung: Eine "Workation" klingt äußerst verlockend. Und mit genügend Vorbereitung und der Unterstützung des Umfelds ist es durchaus möglich, gleichzeitig zu arbeiten und Urlaub zu machen.

von Kira Lorenz Kontakt Profil

Bei nass-kaltem deutschen Wetter zieht es viele an den Strand, unter Palmen, in die Sonne – wenn die Arbeit da nicht im Weg stehen würde. Sandra Löw hat sich den Traum vom Platz an der Sonne erfüllt und mehr als einen Monat auf Fuerteventura verbracht. "Für mich ist das einfach so erfüllend, eine längere Zeit im Ausland zu verbringen." Aber: Sie ist nicht ausgewandert. Sie war auf "Workation".

Der Begriff "Workation" besteht aus den Wörtern "Work", Arbeiten, und "Vacation", Urlaub. Anders als "Work and Travel" sucht man sich dabei keine Aushilfsjobs in seinem Zielland, sondern kann dank mobilem Arbeiten seinen Beruf weiter ausüben, während man einige Zeit im Ausland verbringt. Löw wagte den Versuch: Zusammen mit anderen Gleichgesinnten lebte sie in einer WG auf der Kanarischen Insel und arbeitete von dort aus in ihrem normalen Job in der Personalabteilung von Oberpfalz-Medien.

Nur unter Bedingungen

Die erste Bedingung erfüllt ihr Beruf: "Es muss auf jeden Fall möglich sein, remote zu arbeiten." Wer zwingend an seinem Arbeitsplatz anwesend sein muss, kann von der anderen Seite der Welt aus natürlich nicht die gleiche Leistung bringen. Je digitaler der Beruf ist, desto besser. Auch in Löws Abteilung sind noch nicht alle Arbeitsschritte digitalisiert, Krankmeldungen und Verträge zum Beispiel werden weiterhin in Papierform ausgetauscht. Ohne die Unterstützung ihrer Kolleginnen, die in Weiden im Büro sitzen und gewisse Dinge ausdrucken und verschicken können, wäre Löws Projekt sofort gescheitert. Denn eine "Workation" hängt nicht nur von der Genehmigung des Arbeitgebers ab, auch das ganze Umfeld muss da an einem Strang ziehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Internetanbindung vor Ort. "Darüber sollte man sich vor der Buchung wirklich gründlich informieren." Letztendlich ist der Arbeitsplatz aber auch in Deutschland von der Internetgeschwindigkeit abhängig. Eine schlechte Verbindung im mobilen Arbeiten ist immer unpraktisch, ob nun in Weiden oder auf den Kanarischen Inseln.

Gut für die Arbeitgebermarke

Da Löws Vorgesetztem, dem kaufmännischen Leiter von Oberpfalz-Medien, Johannes Zettl, das Konzept "Workation" schon bekannt war, musste sie an dieser Stelle nicht allzu viel Überzeugungsarbeit leisten, als sie im November 2021 die Idee für das Projekt hatte. Zettls einzige Bedenken waren: "Sind wir im Unternehmen weit genug für so ein Angebot?" Da aber bei Oberpfalz-Medien gerade ein Employer-Branding-Projekt läuft und das Angebot "Workation" zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens passt, konnte er überzeugt werden. Denn um junge, spezialisierte Arbeitskräfte anzulocken, muss man sich auch auf kreative Ideen einlassen. Unter gewissen Rahmenbedingungen bekam Löw schließlich Zettls Genehmigung. Etwa, dass sie im Notfall innerhalb von 48 Stunden wieder in Weiden vor Ort sein können und regelmäßig für dringende Termine in Präsenz verfügbar sein muss. Nachdem alles ausgehandelt war, stand ihr nichts mehr im Weg nach Fuerteventura.

Letztendlich poliert das Angebot einer "Workation" das Image eines Unternehmens auf und stellt es als Arbeitgeber dar, der mit der Zeit geht. "Heutzutage ist Flexibilität das A und O", findet Löw. Während das Konzept unter Selbstständigen und Freelancern schon länger beliebt ist und auch Start-Ups und große Firmen ihren Angestellten eine "Workation" ermöglichen, ist unter kleinen und mittelständischen Unternehmen noch wenig bekannt, was unter dem Überbegriff "New Work" alles möglich ist. Nicht zuletzt hat die Pandemie gezeigt, dass man tatsächlich effektiv mobil arbeiten kann.

Hoher Aufwand, großer Gewinn

Und das tat Löw, auch aus der Ferienwohnung. Zwar fing sie wegen der Zeitverschiebung eine Stunde eher an als ihre Kolleginnen in Weiden, die Arbeitslast wurde aber nicht reduziert. "Wenn überhaupt, dann habe ich dort mehr gearbeitet als im Büro, schon alleine, um zu beweisen, dass eine ,Workation' an der Arbeitsleistung nichts ändert." Auch zahlte sie ihren Aufenthalt komplett aus eigener Tasche und hat die Organisation selbst übernommen. Der Aufwand dafür war tatsächlich größer, als sie dachte. "Der Gesetzgeber hängt in diesem Bereich leider noch ein bisschen nach, es gibt keine einheitlichen Regelungen für so einen Fall." Mühsam hatte sich Löw in den letzten Monaten Informationen über internationales Arbeitsrecht, Sozialversicherungs- und Steuerrecht zusammengetragen und sich über Visa und Arbeitserlaubnisse schlau gemacht.

Außerdem war es nicht einfach, eine Unterkunft zu finden, denn gerade im Winter ist Fuerteventura bei "Workationern" beliebt. "Als das alles organisiert und Wohnung und Flug gebucht waren, habe ich drei Kreuze gemacht." Trotz aller Schwierigkeiten ist Löw aber überglücklich, sich ihren Traum erfüllt zu haben. Denn am Ende eines langen Arbeitstags konnte sie sich einfach aufs Fahrrad setzen, zum Strand fahren und den Sonnenuntergang anschauen.

Info:

Was ist der Nutzen einer "Workation"?

  • Kreativität: Inspiration durch neue Eindrücke, besonders in kreativen Berufen
  • Austausch: Kennenlernen von Kollegen aus anderen Unternehmen und Austausch über Arbeitsmethoden
  • Teambuilding: Stärken des Teamgeists, wenn in Gruppen verreist wird
  • Erweitern des Horizonts: Ausbruch aus dem Alltag
  • Als Bonus: Wertet Arbeitgebermarke auf, zieht junge Mitarbeiter an
 
 

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