03.05.2021 - 18:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mobilfunk: Trotz des Ausbaus von 5G gibt es weiter Lücken in der Oberpfalz

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In München wird bereits am Mobilfunkstandard 6G geforscht, dabei ist noch nicht einmal der neue Standard 5G überall in Bayern verfügbar. Besonders düster sieht es in der Oberpfalz aus.

Ein Sendemast für Mobilfunk vor blauem Himmel. In der Oberpfalz gibt es noch viele "graue Flecken", weil es weiter Mobilfunklücken gibt..
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die Zahl klingt vielversprechen. Mehr als 55 Millionen Menschen hätten die Möglichkeit die Mobilfunktechnologie 5G zu nutzen, schreibt die Bundesregierung. Dabei beruft sie sich auf die Mobilfunknetzbetreiber. Das hilft den Menschen und der Wirtschaft in der Oberpfalz wenig. Hier klaffen sogar noch Lücken im 4G-Netz. Der Regierungsbezirk ist schlechter versorgt als der Bundesdurchschnitt, hat die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz schon mehrfach vorgerechnet.

Dabei gilt: Infrastruktur, vor allem eine schnelle und leistungsfähige digitale Infrastruktur, ist das Rückgrat von Regionen. „Unsere Handwerker sind auf durchgängige Sprach- und Datenkommunikation angewiesen, weil sie einen Großteil ihrer Arbeit auf Baustellen oder beim Kunden verrichten. Sie müssen von unterwegs mit dem Büro, den Kunden und Geschäftspartnern kommunizieren können“, sagt Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Ähnlich ergeht es den Bauern: Immer mehr Traktoren und Arbeitsgeräte in der Landwirtschaft sind mit automatischer Spurführung, Datenerfassung und Sensortechnik für mehr Ressourceneffizienz ausgestattet. "Für die optimale Anwendung dieser umweltschonenden Technik brauchen wir ein leistungsfähiges Mobilfunknetz in der Fläche", sagt Gerhard Stadler, Bezirkspräsident des Bauernverbandes in Niederbayern. Josef Wutz, Bezirkspräsident des Bauernverbandes in der Oberpfalz, fordert, dass Mobilfunkbetreiber zu lokalem Roaming verpflichtet werden, um Mobilfunk- und Internetlöcher für Kunden anderer Anbieter zu vermeiden.

Weiße und grauen Flecken bremsen Handwerk und Bauern

Die "weißen Flecken", wo es keine Mobilfunkverbindung gibt, oder die "grauen Flecken", wo "Mobilfunk nicht für jeden Handynutzer verfügbar ist und regelmäßige Verbindungsabbrüche besonders ärgerlich sind“, wie Kammerpräsident Georg Haber sagt, lassen sich auf den Karten der Bundesnetzagentur besichtigen. Sie gibt es entlang der Grenze zur tschechischen Republik oder immer wieder zwischen Pfreimd (Kreis Schwandorf) und Tännesberg sowie Eslarn (beide Kreis Neustadt/WN). Auch östlich von Plößberg (Kreis Tirschenreuth) finden sich weiße Flecken oder zwischen Tirschenreuth und Neualbenreuth (Kreis Tirschenreuth), um einige weitere Gebiete ohne Mobilfunkanbindung zu nennen.

Ob und wann sich diese und andere Lücken schließen, ist nicht abzusehen. Auch der Ausbau der Mobilfunktechnologie 5G wird dazu zunächst nicht wesentlich beitragen. Zwar nimmt etwa die Telekom für sich in Anspruch, 80 Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik mit 5G zu versorgen. Zugleich betont Sprecher Markus Jodl auf Anfrage, dass noch nirgendwo in Deutschland der Ausbau mit 5G abgeschlossen ist. Das gilt auch im ländlichen Räumen wie der Oberpfalz. Selbst vom Platzhirsch heißt es: "In der Fläche müssen wir noch zulegen."

5G zusätzlich zu 4G-Technologie

Andere Mobilfunkbetreiber liegen weiter zurück. So bietet etwa Telefonica Deutschland/O2 in der Oberpfalz noch kein 5G an. Seit Oktober 2020 läuft es in der Landeshauptstadt München. Bis Ende des Jahres will O2 bundesweit 30 Prozent der Bevölkerung erreichen. Immerhin treibt O2 nach eigener Aussage den 4G-Netzausbau voran. Mitte Januar hatte die Bundesnetzagentur mitgeteilt, dass jetzt auch O2 in die Kooperation von Telekom und Vodafone zum Abbau von "grauen Flecken" einsteigen wolle. Auch davon gibt es noch einige in der Oberpfalz, wie nicht nur die Handwerkskammer beklagt.

Auch Vodafone baut sein 4G-Netz in der Oberpfalz noch weiter aus, auch um die vorhandene Infrastruktur für 5G mit nutzen zu können. "Aus netzwerktechnischer Sicht ist 5G kein komplett neues Netz, sondern ein ,add on' zum vorhandenen Netz", sagt Konzernsprecher Volker Petendorf. Die bestehenden Mobilfunkstationen würden nach und nach aufgewertet. Mittelfristiges Ziel sei es "möglichst die gesamte Bevölkerung (also alle besiedelten Gebiete) an das 5G-Netz anzubinden".

Derzeit sind 99,6 Prozent der Bevölkerung in der Oberpfalz an das Vodafone-Mobilfunknetz (GSM) angeschlossen, teilt Petendorf mit. Mit dem LTE-Netz, das dem 4G-Netz entspricht, erreiche Vodofone mehr als 96,6 Prozent der Bevölkerung. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben in Amberg acht Mobilfunkstandorte, bis Sommer sei eine Erweiterung auf 5G geplant. Im Kreis Amberg-Sulzbach sind es 38 Mobilfunkstandorte, davon 35 mit LTE. Sechs Standorte sind mit 5G ausgerüstet. Sie befinden sich in Birgland, Weigendorf, Auerbach, Kümmersbruck, Vilseck und Rieden. In Weiden sind es zehn Standorte. Einer ist mit 5G ausgerüstet. Im Kreis Neustadt/WN betreibt Vodafone 38 Standorte, davon 34 mit LTE. Zudem gibt es drei 5G-Standorte, einen in Leuchtenberg und zwei in Grafenwöhr.

Fünf 5G-Standorte betreibt Vodafone im Kreis Schwandorf – in den Orten Maxhütte-Haidhof, Wernberg-Köblitz, Pfreimd, Neunburg vorm Wald und Nabburg. Insgesamt gibt es im Landkreis 40 Vodafone-Mobilfunkstandorte, davon 37 mit LTE. Im Landkreis Tirschenreuth sind es 19 Mobilfunkstandorte, davon 17 mit LTE. 5G gibt es bisher nicht. Ein erster Ausbau sei im Sommer in Wiesau geplant, heißt es vom Unternehmen. Vodafone betont zudem dass es sich am staatlich geförderten Programm zur Verringerung der Funklöcher beteiligt: "An etwa 50 dieser Förderprojekte ist auch Vodafone beteiligt."

Telekom will Netz weiter verdichten

Telekomsprecher Jodl verweist darauf, dass die Nutzung von Mobilfunkdiensten generell weiter stark zunehme, weshalb das bestehende Netz "immer weiter verdichtet werden" müsse. Die Kriterien dafür: "Wenn wir Lücken sehen oder feststellen, dass die Kapazitäten erweitert werden müssen, gehen wir in die Planung und Umsetzung der notwendigen Maßnahmen", sagt der Unternehmenssprecher. Beim Ausbau nutzt die Telekom dabei einen technischen Kniff: Sie betreibt zwei Mobilfunkstandards in einem Frequenzband. Dazu wird das Spektrum je nach Bedarf zwischen LTE- und 5G-Anwendern verteilt.

Inn Amberg betreibt die Telekom 20 Standorte, davon 19 mit der 5G-Technologie. Im Kreis Amberg-Sulzbach sind es 58, davon 35 mit 5G. In Weiden sind es 30 Standorte, davon 24 mit 5G. Im Landkreis Neustadt/WN hat die Telekom 54 Standorte, davon 39 mit 5G. Im Kreis Tirschenreuth sind es 37 Standorte, davon 23 mit 5G und im Kreis Schwandorf sind es 74 Standorte, davon 53 mit 5G. Über alle diese Landkreise und Städte hinweg würde die Telekom bis Ende des Jahres 2023 gerne noch etwas über 50 Standorte bauen. "Das hängt aber entscheidend davon ab, ob wir geeignete Standorte finden", sagt Jodl. Die Telekom sei grundsätzlich auf der Suche nach geeigneten Dachstandort oder Flächen für Masten. Zwischenzeitlich hat sich aus Sicht der Telekom etwas geändert. "Wir müssen heute nicht mehr um jeden Mobilfunk-Standort diskutieren." Der Mobilfunk habe die Gesellschaft sowohl privat als auch beruflich komplett durchdrungen. "Der Nutzen wird nicht mehr in Frage gestellt – nicht mal von den Mobilfunkgegnern", sagt Jodl.

Hintergrund:

Die Mobilfunktechnologie 5G

  • Die Mobilfunktechnologie 5G bezeichnet die 5. Generation des Mobilfunks. Sie ist nach Nachfolger von 4G (LTE).
  • 5G soll Kommunikation in Echtzeit ermöglichen, weil damit zehnmal schnellere Datenübertragung als mit LTE möglich sein soll.
  • Die Technik ermöglich die Vernetzung von Maschinen in der Industrie und von intelligenten Geräten. Zudem unterstützt die Technik die Digitalisierung vieler Lebensbereiche.

5G im Gesundheitswesen

Weiden in der Oberpfalz
5G-fähige Smartphones gibt es schon, wie hier das Moto X 5G von Motorola. Allerdings können nicht alle Modelle auch alle in Deutschland genutzten 5G-Modi realisieren.

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