13.04.2021 - 18:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Hochschule Amberg-Weiden erforscht Zukunft der vernetzten digitalen Gesundheitsversorgung

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Die Corona-Pandemie zeigt, wie hilfreich Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung ist. Das Projekt 5G4Healthcare an der OTH Weiden-Amberg befasst sich mit dieser digitalen Zukunft – und muss wegen Corona umplanen.

Im Zuge des Projektes 5G4Healthcare wird an der OTH Amberg-Weiden auch der Einsatz von Virtual-Reality-Brillen und Augmented-Reality-Brillen in der Gesundheitsversorgung erprobt.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Mit der Mobilfunktechnologie der fünften Generation (5G) verbinden sich viele Versprechen und Hoffnungen. Welche Chancen 5G in der Gesundheitsversorgung eröffnet, lotet seit mehr als einem Jahr eine Forschergruppe um die Professoren Clemens Bulitta und Steffen Hamm von der OTH Amberg-Weiden aus. Das Ziel: Es sollen digitale Anwendungen für die ländlichen Gesundheitsversorgung entwickelt werden.

Ein Beispiel für moderne Telemedizin ist Mona (Mobile telemedizinische Assistenz). Das vom das Zentrum für Telemedizin (ZTM) in Bad Kissingenentwickelte System besteht aus einem Tablet mit integrierter Kamera und einer entsprechenden App, also Software. Mithilfe verschiedener Messgeräte, wie etwa EKG, Otoskop, Stethoskop oder Pulsoximeter, kann eine medizinische Assistenz bei einem Hausbesuch Daten wie den Blutdruck, den Blutzuckerwert oder ähnliches ermitteln. Notfalls können die Daten auf dem Tablet gespeichert werden. Besser ist es aber, wenn diese unmittelbar in die Praxis des betreuenden Arztes übermittelt werden können.

Daten werden in Arztpraxis übermittelt

Ein solches Konzept könnte es gerade im ländlichen Raum den Menschen erlauben, im Alter länger zu Hause zu leben. Zur Übertragung der Daten ist aber eine entsprechende Mobilfunkverbindung erforderlich. 5G bietet diese, da große Datenmengen in Echtzeit, also ohne Verzögerung, und zuverlässig übertragen werden können. Zur Wundversorgung nach einer Operation müsste sich dann ein Patient nicht mehrmals auf den Weg in die Arztpraxis machen oder der Arzt zu ihm kommen. Ein Helfer versorgt den Patienten zu Hause und der Arzt kontrolliert mittels Video den Heilungsfortschritt. "Wenn wir in der Zukunft eine bezahlbare und hochqualitative Medizin in der Fläche erhalten wollen, ist eine lückenlose Mobilfunkverbindung essenziell", sagt Hamm.

Aus dem Projekt "5G4Healthcare", etwa "5G für die Gesundheitsversorgung" soll ein integrierter Versorgungsansatz mit ambulanten und stationären Strukturen entstehen. Nach einem Jahr der Konzeption läuft nun im zweiten Jahr des Projekts die Umsetzung in der Praxis und die Evaluierung an, also die Überprüfung, ob die bisher entwickelten Ideen tragfähig und sinnvoll sind.

"5G4Healthcare" ist eines von bundesweit sechs 5G-Modellprojekten, die mit insgesamt 44 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert werden. Für die Forschung an der OTH Amberg-Weiden fließen rund 8,4 Millionen Euro. An der Hochschule ist auch das „Kompetenzzentrum für Gesundheit im ländlichen Raum“ angesiedelt, das die Arbeit des Medical Valley Centers Weiden, der Gesundheitsregion-Plus Nordoberpfalz, des Gesundheits- und Medizintechnikcampus der OTH Amberg-Weiden und der regionalen Gesundheitswirtschaft zusammenführt. Das Medical Valley Center ist wiederum die Verbindung zum Spitzencluster Medical Valley der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN).

Eigenes 5G-Netz an der OTH

Bisher hat die Forschergruppe um den Mediziner Bulitta und den Wirtschaftswissenschaftler Hamm Ideen entwickelt und Anwendungen konzipiert. Zudem hat die Gruppe Partner eingebunden, etwa das Zentrum für Telemedizin. Und: An der Hochschule entstand ein 5G-Campusnetz. Davon hat allerdings der private Mobilfunknutzer, der an den Hochschulgebäuden vorbeiläuft, nichts. Ein Campusnetz ist ein geografisch begrenztes, privates Netz für besondere Anforderungen. Solche Netze können in Hochschulen, in der Industrie oder auch in Kliniken betrieben werden.

Ein Campusnetz sei ursprünglich auch im Klinikum in Weiden geplant gewesen, berichtet Professor Hamm, der an der OTH Gesundheitswirtschaft unterrichtet. Doch die Corona-Pandemie hat auch hier die Zusammenarbeit verändert. Jetzt bringen die Forscher kurzerhand in die Klinik ihr eigenes, mobiles 5G-Netz mit. So wie bei anderen Praxistestläufen auch. Im Gepäck haben sie zudem 5G-fähige Geräte, wie etwa Smartphones oder Tablets.

Videobilder aus dem Rettungswagen

Die 5G-Technologie erlaubt es auch, aus einem Rettungswagen während der Fahrt medizinische Daten an die Notaufnahme im Krankenhaus zu übermitteln. Denn bei 5G gibt es auch bei hohen Bewegungsgeschwindigkeiten stabile Mobilfunkverbindungen. Bei Bedarf könnten sich Rettungssanitäter etwa über Videostreaming mit einem Notarzt verbinden. Und: 5G bietet die Möglichkeit der Teilung von Netzwerkfunktionen. So könnten etwa Rettungskräften immer Vorrang haben und müssen nicht mit anderen Mobilfunk-Nutzern um Bandbreiten konkurrieren.

Auch im Krankenhaus gibt es viele Ansatzpunkte, um 5G zu nutzen. So könne ein fahrerloses Fahrzeug Proben von der Station ins Labor bringen, sagt Hamm. Dazu muss das Roboterfahrzeug mit dem Aufzug kommunizieren, um diesen zu bedienen. Ein Beispiel, dass es Maschine-zu-Maschine-Kommunikation nicht nur in Fabrikhallen geben kann. Und: Ein 5G-Netz könnte im Krankenhaus W-Lan und Bluetooth-Low-Energy-Netze ablösen. Letzteres werden etwa zur Gebäudeautomatisierung oder zum Tracking von Gegenständen genutzt. Mit einem 5G-Netz, über das alle Funktionen realisiert werden können, sinke der Verwaltungsaufwand, erläutert Hamm.

Kommentar zum Projekt

Weiden in der Oberpfalz

Tagung zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum

Schönsee

Die Präsidentin der OTH Amberg-Weiden im Interview

Regensburg
Hintergrund:

Das Projekt „5G4Healthcare“

  • Mit dem Projekt „5G4Healthcare“ entsteht an der OTH Amberg-Weiden eine Plattform, auf der auf der Basis von 5G digitale Anwendungen für die ländlichen Gesundheitsversorgung entwickelt werden.
  • Unter dem Schlagwort „Integrierte Versorgung“ sollen ambulanten und stationären Strukturen im ländlichen Raum verbunden werden, etwa durch elektronische Akten und telemedizinische Verfahren.
  • Mit dem Konzept "häusliche Pflege in Verbindung mit Ambient Assisted Living (AAL)“ soll die Kommunikation aller Gesundheitsakteure im Umfeld des häuslichen Patienten verbessert werden.
Auch der Roboter Pepper ist beim Projekt "5G4Healtcare" der OTH Amberg-Weiden mit eingebunden.

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