24.01.2019 - 10:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Nachhaltig die Euphorie nutzen"

Ernst Werner, Vizepräsident „Bildung“ des Bayerischen Handball-Verbandes (BHV), freut sich über den Erfolg Deutschlands bei der Handball-WM. Er glaubt, dass dieses Ereignis auch positive Auswirkungen auf die Vereine haben kann.

Daumen hoch: Ernst Werner (rechts), hier beim DHB-Verbandstag in München mit Nationalmannschafts-Torhüter Andreas Wollf.
von Autor LSTProfil

Vergangenen Montagabend beim Spiel Deutschland gegen Kroatien über 19000 frenetische Fans in der Kölner Lanxess-Arena, fast zehn Millionen vor den Fernsehgeräten und im Weidener Jugendzentrum ein Public Viewing des HC Weiden – die Handball-Weltmeisterschaft 2019, die aktuell in Deutschland und Dänemark über die Bühne geht, fasziniert nicht zuletzt wegen der Erfolge der deutschen Nationalmannschaft die Massen. Auch Ernst Werner, Vizepräsident „Bildung“ des Bayerischen Handball-Verbandes (BHV), fiebert mit. Sein Name ist mit dem Handballsport in Weiden und in Bayern in den vergangenen Jahrzehnten eng verknüpft.

Egal ob als Trainer beim HC Weiden, bei der Haspo Bayreuth, bei der auch seine Söhne Matthias und Michael hochklassig gespielt haben, oder als Funktionär im Verein und auf Verbandsebene hat sich der Neunkirchener um seinen Lieblingssport verdient gemacht. Fast logisch, dass Werner im Mai 2016 beim Bayerischen Verbandstag in Rain am Lech nicht nur erneut im Präsidium in seinem Amt als Vizepräsident „Bildung“ bestätigt worden war, sondern ihm zudem vom Bayerischen Handball-Verband (BHV) zwei hochkarätige Ehrungen zu Teil wurden.

Seit fast 30 Jahren engagiert sich der Neunkirchener, der auch mit Handball-Fernseh-Experte Dominik Klein eng befreundet ist und mit ihm immer wieder Trainingseinheiten für Grundschulkinder anbietet, im Bezirk Oberpfalz und in Ostbayern im Nachwuchsleistungssport in der „schönsten Hallensportart der Welt“ als Kreis- beziehungsweise Bezirksauswahl- oder als Stützpunkttrainer. Viele Initiativen tragen seine Handschrift, wie etwa die Ausbildungsseminare im Schulbereich – sowohl für Grundschullehrkräfte wie auch für jene in den 5./6. Klassen aller weiterführenden Schulen, die neue fachspezifische Mentoren-Ausbildung, die Fortentwicklung der Übungs- und Trainerausbildung im Hinblick auf den Einsatz von E-Learning-Aspekten, die Neuinstallation des Kinder- und Jugendzertifikats und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit bayerischen Hochschulen im Bereich Handball.

Vor diesem Hintergrund kommen die derzeitigen Erfolge des deutschen Nationalteams zur rechten Zeit. „Ich war 2007 bei der WM in Köln, als wir Weltmeister geworden sind, live vor Ort. Die Euphorie damals und die jetzige sind unglaublich“, weiß Werner, der zugleich Kreisvorsitzender des Bayerischen Landessport-Verbandes (BLSV) ist. Allerdings habe man 2007 diese nicht wirklich nutzen können. „Bis 2009 hatten wir in den Vereinen große Zuläufe“, erinnert sich der BHV-Vizepräsident. Allerdings habe es an Nachhaltigkeit gefehlt. Es sei alles wieder schnell abgeebbt – ein Fehler, der nicht wieder gemacht werden soll.

„Wir müssen das Ganze jetzt langfristig nutzen“, blickt der Neunkirchener in die Zukunft. Denn Werte wie „Fair Play“, „Teamgeist“ und „Glaube an sich“, wie sie Deutschlands Handballer derzeit vorleben, hätten ungemeinen Vorbildcharakter für die Jugendlichen. „BHV und Deutscher Handball-Bund (DHB) müssen jetzt diese Euphorie nur weiterführen. Bestrebungen, den Handballsport zu fördern, gibt es seitens der Verbände schon seit längerem.“ Werner nennt in diesem Zusammenhang unter anderem die am 23. März in Stuttgart stattfindende Multiplikatoren-Tagung des DHB, in der die Möglichkeiten, welche die WM für die Zukunft bietet, besprochen werden, oder das Kinder- und Jugendzertifikat, mit dem sich beispielsweise in den Kinder-Handball „hineinschnuppern“ lässt, ohne dass eine vollständige Lizenzausbildung abgelegt werden müsste.

Mit diesem Zertifikat würden das nötige Basiswissen und die Umsetzung eines abwechslungsreichen Kinderhandball-Trainings vermittelt, um Kindern möglichst interessante Übungseinheiten bieten können. „Ein gutes Training, egal in welcher Sportart, wird immer mit Interesse und Zulauf von Spielerinnen und Spielern honoriert. Dazu möchte der BHV den Kinder- und Jugendtrainern zu einem einfacheren Einstieg ins Trainerleben verhelfen und sie mit dem Kinder- und Jugendzertifikat optimal darauf vorbereiten und anleiten“, erklärt Werner.

Mit diesem Baustein der Zertifikationsebene würden diejenigen Kinder- und Jugendhandball-Trainer angesprochen, die im Bereich des Basistrainings tätig sind und aktuell noch keine Lizenz erwerben wollen. Die Inhalte der Ausbildung halten sich dabei an die Inhalte der ersten beiden Teile in der C-Trainerausbildung, die neu strukturiert worden waren.

Das Angebot erstreckt sich von Trainingslehre und Technikvermittlung über Aufsichtspflichten eines Trainers und pädagogische Grundlagen und gibt einen Überblick über die Rahmentrainingskonzeption des DHB. Auch Einblicke in kindgerechte Spielformen, Spielfestorganisation, handballtechnische Grundlagen und das Koordinationstraining gehören dazu.

Damit aber nicht genug: Der BHV-Vizepräsident nimmt auch die Handball-Vereine in der Region in die Pflicht. „Die müssen offen sein und mit ihren Angeboten an die Schulen und Kindergärten gehen“, hofft er. So könnte der Handball in der Region weiter vorangebracht werden.

Das ist für Werner, der am Montag vor einer Woche in der Münchener Olympiahalle nach einem Handball-Symposium die Spiele der Vorrunden-Gruppe B angesehen hatte, auch das Stichwort: „Was Deutschland bislang bei der WM gezeigt hat, ist aller Ehren wert."

Zusammen mit dem ehemaligen Nationalspieler und dem aktuellen WM-TV-Experten Dominik Klein (rechts im Hintergrund) veranstaltet Ernst Werner immer wieder Handball-Schnupper-Trainings an Grundschulen.
Gemeinsam für den Handballsport: Ex-Nationalspieler Dominik Klein (links) und BHV-Vizepräsident Ernst Werner (rechts) sind auch privat gut befreundet.
BHV-Präsident Georg Clarke (links) zeichnete Ernst Werner (rechts) im Mai 2016 mit der Großen Verbandsehrennadel in Gold mit Lorbeerblatt aus.
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