Weiden in der Oberpfalz
10.02.2020 - 17:15 Uhr

Neue bayerische Sozialministerin Carolina Trautner besucht Weiden

Der Besuch beim Pflegedienst Sonnenschein in Weiden war schon länger vereinbart. Dass Carolina Trautner jedoch als frischgebackene bayerische Sozialministerin vorbeischaut, freute am Montag nicht nur die Riege der CSU-Vertreter.

Pflegedienstleiterin Sabine Kroy-Leci (von links) zeigt Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, Landtagsabgeordnetem Stephan Oetzinger, Stadtrat Hans Gmeiner, OB-Kandidat Benjamin Zeitler und Sozialministerin Carolina Trautner die Räume der Pflegeeinrichtung. Bild: Gabi Schönberger
Pflegedienstleiterin Sabine Kroy-Leci (von links) zeigt Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, Landtagsabgeordnetem Stephan Oetzinger, Stadtrat Hans Gmeiner, OB-Kandidat Benjamin Zeitler und Sozialministerin Carolina Trautner die Räume der Pflegeeinrichtung.

Das Thema Pflege im Alter ist der Ministerin „viel zu wichtig“, als dass sie hätte den Termin absagen wollen. Obwohl lange nicht klar gewesen sei, ob es klappt. Vor fünf Tagen war die bisherige CSU-Sozialstaatssekretärin als Ministerin in Söders Kabinett berufen worden. Seitdem sei ihr Terminkalender noch voller geworden, lacht Trautner. Auffallend viele Termine würden sich in diesen Tagen um die Altenpflege drehen. „Ein Bereich, der uns in den kommenden Jahren noch beschäftigen wird“, sagt Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger. Trautner nickt zustimmend.

In Weiden macht sich die Ministerin ein Bild von dem Angebot des Pflegedienstes Sonnenschein – vor 20 Jahren in Luhe-Wildenau gegründet. Ein Jubiläum, nämlich 10 Jahre, feiert die Tagespflege speziell für an Demenz erkrankte Menschen, wie die Geschäftsführerinnen Christine Späth und Sabine Kroy-Leci mit Stolz erzählen. Seit zwei Jahren gebe es auch die Wohngruppe für Demenzkranke am Standort in der Pressather Straße. Der Umbau ehemaliger Büros habe dafür ausreichend Platz geschaffen. „Insgesamt 400 Quadratmeter stehen uns zur Verfügung“, sagt Kroy-Leci. Die 10 Plätze in der Wohngruppe seien gut nachgefragt. Die Warteliste umfasse 7 Personen.

Der dritte Lebensabend

„Es war auch für uns schön zu sehen, dass das Angebot angenommen wird“, sagt die ausgebildete Heimleiterin Christine Späth. Nicht jedem sei es vergönnt, so seinen dritten Lebensabend zu verbringen. Manchem Angehörigen sei das Angebot nicht bekannt. „Dabei gebe es mittlerweile viele Einrichtungen und Möglichkeiten für an Demenz erkrankte Menschen.

In der Tagespflege werden insgesamt 30 Frauen und Männer betreut. Sie sitzen gerade beim Mittagessen, als die Ministerin vorbeischaut. Ein Händedruck, ein kurzes Wort, dann muss sie auch schon wieder weiter. Die Senioren beäugen neugierig den hohen Besuch, dankbar für die kleine Abwechslung. Trautner gefallen die freundlichen hellen Zimmer und die liebevoll gestalteten Aufenthaltsräume. Nebenbei erfährt sie, dass das Unternehmen mittlerweile 132 Mitarbeiter beschäftigt, in der ambulanten Pflege 300 Personen betreut werden und weitere 42 das betreute Wohnen in Altenstadt/WN in Anspruch nehmen.

Und natürlich hört sie auch von den Problemen der Branche. „Es ist mittlerweile Schwerstarbeit in der Pflege. Es gibt kein Fachpersonal, nicht mal Hilfskräfte“, sagt Kroy-Leci. Auch Angehörige müssten langfristig Abstriche machen, da mancher „Service“ nicht mehr geleistet werden könnte. Die jungen Pflegekräfte, wenn es denn welche gibt, brächten außerdem eine andere Berufsauffassung mit. Pflege sei jedoch ein Beruf, der Hingabe erfordere, so die Leiterinnen. Die Ministerin findet es schade, dass das Image des Pflegeberufs leidet. „In meinem Heimatwahlkreis Augsburg haben Altenpflegerinnen jetzt einen Imagefilm gedreht. Ich bin gespannt, wie der ankommt“, sagt sie hoffnungsvoll. Wie sieht es denn mit Praktikanten aus, will sie wissen. „Die gibt es schon“, sagt Kroy-Leci, „aber die wenigsten entscheiden sich schließlich für die Pflege.“ Zu unattraktiv.

Generalistik nicht optimal

Nicht optimal ist in den Augen der Leiterinnen die neue generalistische Pflegeausbildung, die seit Januar 2020 gilt. Sie sieht eine einheitliche Ausbildung für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege vor und lässt eine Spezialisierung erst sehr spät zu. „Zu spät“, wie Kroy-Leci findet. „Da entscheidet sich niemand mehr für die Altenpflege“. Und in Richtung Ministerin: „Diese Änderung der Ausbildung war wenig hilfreich.“

OB-Kandidat Benjamin Zeitler fragt nach, ob denn der Bedarf an Tagespflegeangeboten gedeckt sei. In Weiden nehme der Anteil der Senioren schließlich zu. Die Pflegedienstchefin bejaht, zumindest für den Moment. In Weiden gebe es auch Angebote in St. Konrad und von der Diakonie. Weiterhin ständig wachsenden Bedarf sehe man jedoch in der ambulanten Pflege.

Die Zeit drängt. Die Ministerin wird beim Seniorennachmittag der CSU in Parkstein erwartet. Dem Thema Pflege wird sie bestimmt auch hier begegnen.

 
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