10.12.2020 - 15:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neue Jugendpsychiatrie in Weiden: Im Frühjahr soll der Bau losgehen

Obwohl die Ursache bedauerlich ist, sind es gute Nachrichten für Weiden: Der Bezirk Oberpfalz baut in der Stadt eine komplett neue Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie wird fast so groß wie die am Hauptstandort Regensburg.

Der Parkplatz gegenüber dem senffarbenen Augustiner-Gebäude soll für den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie weichen. Links unten ist der Patientengarten der Palliativstation des Klinikums zu sehen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Da war er wieder, der millionenfach zitierte "Meilenstein". Oberbürgermeister Jens Meyer erwähnte ihn bei der Einreichung des Bauantrags für den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Gelände des Klinikums Weiden. Dort soll ein Haus mit 32 Betten sowie 6 zusätzlichen tagesklinischen Plätzen entstehen. Ende 2024 soll es fertig sein.

Die Pläne dafür übergab Marco Hutzler am Mittwochnachmittag persönlich an Baudezernent Oliver Seidel und OB Meyer. Hutzler ist der Bauchef der Medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz), die in das Gebäude 27 Millionen Euro investieren will. Das soll 130 bis 150 neue Arbeitsplätze bescheren. Über den Bauantrag freut sich Zweiter Bürgermeister Lothar Höher auch in seiner Funktion als Bezirkstagsvizepräsident. Er dürfte sich in dem Gremium stark dafür eingesetzt haben, dass Weiden neben Regensburg die zweite bettenführende Jugendpsychiatrie-Klinik der Oberpfalz bekommt.

Neubau statt Erweiterung

Bis es so weit war, seien sechs Jahre Planung vergangen, berichtet Höher. Denn ursprünglich war vorgesehen, die bestehenden Einrichtungen in Cham, Amberg und der Weidener Sebastianstraße zu erweitern. Doch dann habe sich der Bezirkstag dazu durchgerungen, in Weiden neu zu bauen. Erstens, weil der Bedarf wächst, zweitens, um die Anfahrtswege für Angehörige und Betroffene kürzer zu gestalten.

Der Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern von August 2020 bezeichnet die mittlere und nördliche Oberpfalz als unterversorgt. So betreuen 20 Kinder- und Jugendpsychiater rund 200 000 Heranwachsende in der gesamten Oberpfalz mit einem deutlichen Überhang im Süden des Bezirks. Ferner sage die Studienlage, dass etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen im Laufe ihrer Entwicklung psychisch auffällig sei.

Bislang gibt es außer in Regensburg nur tagesklinische Plätze für junge Menschen mit psychischen Problemen. Das soll sich mit dem neuen Projekt ändern. Da fügte es sich gut, dass mit dem zunächst bedauerlichen Weggang der Augustiner-Patres plötzlich neuer Platz auf dem Areal rund ums Krankenhaus entstand, erklärte Meyer. Daher war die Standortfrage bald entschieden: Die neue Psychiatrie soll auf dem ehemaligen Fußballplatz der Augustiner-Seminaristen entstehen.

Hutzler erläuterte, wie sie aussehen soll. Vorgesehen sind neben dem Erdgeschoss drei weitere Stockwerke. Im obersten soll eine geschlossene Station mit acht Betten für Suchtkranke einziehen. Zugleich soll dort eine Schule mit acht Klassenzimmern für die Patienten entstehen. Die Erweiterung der Tagesklinik um sechs Plätze soll das bislang fehlende Therapieangebot für Klein-und Vorschulkinder abdecken. Damit werden 18 Plätze in der Tagesklinik zur Verfügung stehen.

Neue Außenstelle von Wöllershof

Die übrigen 24 Betten werden über die anderen Stockwerke verteilt. Die Ausgänge werden gesichert, über Lichthöfe soll ein offener und durchlässiger Charakter vermittelt werden. Ende des ersten, Anfang des zweiten Quartals sollen die Bagger anrollen. Erschließung und Zufahrt erfolgen über die Gabelsberger Straße. Die bisherigen Räume der Jugendpsychiatrie in der Sebastianstraße, wo 2019 fast 1200 Kinder behandelt wurden, will der Bezirk nicht aufgeben, sagte Höher. Sie sollen eine Außenstelle des Klinikums Wöllershof werden, sprich der Erwachsenenpsychiatrie. Die dortigen 15 Plätze seien dann in erster Linie für Patienten gedacht, die neben der psychischen Behandlung auch eine physische brauchen. Dafür eigne sich das Klinikum Weiden in unmittelbarer Nachbarschaft. Voraussetzung dafür ist die Baugenehmigung aus dem Rathaus. Baudezernent Seidel wagte sich gegenüber Marco Hutzler schon mal so weit aus dem Fenster: "Ich sehe auf den ersten Blick nichts, was Ihre Zuversicht mindern könnte."

Ein Blick ins Bezirksklinikum Wöllershof

Wöllershof bei Störnstein
Hintergrund:

Medizinische Einrichtungen des Bezirks

  • Größte Standorte: Bezirksklinikum Regensburg (rund 2400 Mitarbeiter), Bezirksklinikum Wöllershof (rund 400), Bezirkskrankenhaus Parsberg (knapp 300).
  • Außenstandorte für Erwachsenen- sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie in Amberg, Cham und Weiden
  • Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität am Bezirksklinikum Regensburg
  • Institut für Neuroradiologie am Bezirksklinikum Regensburg
  • Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Regensburg und Parsberg
  • Klinik für Lungen- und Bronchialheilkunde am Bezirkskrankenhaus Parsberg
  • Pflegeheime: für Psychiatrie und Neurologie in Regensburg, für Psychiatrie in Wöllershof
Es hat was von einem weihnachtlichen Geschenk. Medbo-Baudirektor Marco Hutzler (Zweiter von links) übergibt die Unterlagen für den Bauantrag der neuen Jugendpsychiatrie an Weidens Baudezernenten Oliver Seidel. OB Jens Meyer (links) Und Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher sehen das gerne.

 

 

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