Von Lisa Sebald
Die nördliche Oberpfalz hat einen neuen Gewaltschutzkoordinator. Dieser wurde am Mittwoch vom Integrationsbeirat im Rathaus in Weiden vorgestellt. Als neue spezialisierte Fachkraft der Regierung der Oberpfalz mit Sitz in Regensburg entwickelt er in Unterkünften für geflüchtete Menschen in enger Abstimmung mit der Unterkunftsleitung Schutzkonzepte gegen Gewalt, ist Ansprechpartner für Bewohner und Mitarbeitende, sensibilisiert Mitarbeiter, führt Schulungen durch und will dadurch eine sichere Umgebung für alle schaffen.
Beispielsweise konnten mit seiner Hilfe in Weiden Gemeinschaftsräume entstehen oder auch Bereiche für ausschließlich Frauen und Kinder. „Der Bedarf danach ist dringlicher geworden“, sagt er, möchte aber anonym bleiben. „Einerseits bin ich Sozialarbeiter, andererseits Unterkunftsverwalter und Vermittler. Jetzt, da ich nicht mehr für die gesamte Oberpfalz zuständig bin, habe ich mehr Zeit und Kapazitäten, mich mit den einzelnen Fällen zu beschäftigen. Denn jede Unterkunft ist anders. Alle Menschen dort sind gleichwertig, aber nicht gleich.“
Schwerpunkte setzt der Gewaltschutzkoordinator auf den Schutz von Frauen und Kindern. Beispielsweise informiert er alle Bewohnerinnen darüber, welche Rechte und Möglichkeiten sie in Fällen von Gewalt haben und an wen sie sich wenden können. Dasselbe gilt für Kinder und Jugendliche sowie für Minderheiten wie queere Menschen oder Menschen mit Behinderung. „Meine Aufgabe ist es aber auch, einen neuen, geeigneten Unterkunftsplatz für eine Person zu finden, wenn es in der aktuellen nicht mehr passt.“ Ziel sei es nachhaltig zu arbeiten, ergänzt er. Das heißt, dass die Schutzkonzepte etwas von Dauer sein und auch präventiv wirken sollen. Ob häusliche Gewalt, Kindeswohlgefährdung oder Suizidgefahr – „der Frieden in der Unterkunft muss gewährleistet sein“, erklärt er.
Mehr Zuwanderer in Weiden
Am Jahresende (Stichtag 28. November 2025) lebten insgesamt 7785 Einwohner ohne deutschen Pass in Weiden. Das macht einen Anteil von 17 Prozent an allen Einwohnern aus. Das teilte Michael Maier von der Stadtverwaltung ebenfalls am Mittwoch in der Sitzung des Integrationsbeirats mit. Im vergangenen Jahr waren es noch etwas weniger ausländische Staatsangehörige. Unter den Nicht-Deutschen ist der Anteil der Ukrainer mit 1058 und Syrer mit 827 mit Abstand am höchsten. Es folgen die Länder Rumänien, Türkei, Tschechien, Kroatien, Irak und Polen. „Bei den polnischen oder kroatischen Staatsangehörigkeiten merken wir, dass immer mehr zurück in ihr Heimatland gehen, weil dort die Lebensbedingungen sehr viel besser geworden sind“, erklärt Maier. „Politische Entwicklungen schlagen sich immer in den Statistiken nieder.“
Das zeigt sich auch an den Einbürgerungen in Weiden. Die Flüchtlingswelle 2015 sei der Auslöser gewesen, dass sich im vergangenen Jahr insgesamt 375 Menschen einbürgern konnten, erklärt Maier. Im Jahr 2023 waren es 233 Einbürgerungen. In den Jahren 2018 bis 2022 fielen die Zahlen hingegen nur zweistellig aus. „Eine vollständige Einbürgerung dauert mehrere Jahre.“
Unterstützung für geflüchtete Frauen
Am Anfang der Sitzung stellten Simone Eiler und Nadine Kriebel aus München noch ihre Arbeit im Bayerischen Flüchtlingsrat vor. Als Menschenrechtsorganisation setzt sich dieser für die Rechte von Geflüchteten und Migranten ein. „Wo individuelles Engagement nicht mehr ausreicht, machen wir auf Missstände aufmerksam und prangern unwürdige Lebensbedingungen an, mit dem Ziel, Verbesserungen für alle Geflüchteten zu erreichen“, heißt es auf der Internetseite. „Wir sind überzeugt, dass Menschenrechte immer Vorrang vor einer Politik der Abschottung und Abschreckung haben müssen. Unser Ziel ist ein echtes und dauerhaftes Bleiberecht für alle.“
Eiler und Kriebel machten im Zuge dessen auf ihr aktuelles Projekt „Let's talk about your rights“, zu Deutsch „Lass uns über deine Rechte sprechen“, aufmerksam. „In den nächsten Jahren wollen wir jeden bayerischen Regierungsbezirk besuchen und dort für geflüchtete Frauen Workshops zu den Themen Asyl- und Aufenthaltsrecht sowie Gewaltschutz und Prävention anbieten“, erklären die beiden. Denn: Frauen und Kinder seien überwiegend von Gewalt betroffen. Viele der geflüchteten Frauen hätten in ihrem Herkunftsland und/oder auf ihrer Flucht sexualisierte Gewalt erlebt. Auch in den Unterkünften seien Frauen mit Gewalt seitens ihrer Familie oder Bewohnern konfrontiert. „Wir brauchen mehr Informations- und Unterstützungsangebote für geflüchtete Frauen, insbesondere im ländlichen Raum.“

























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