22.08.2021 - 14:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nitrat und fehlender Regen: Das Oberpfälzer Grundwasser bereitet Sorgen

Die Grünen nehmen mit einer schriftlichen Anfrage die Grundwasser-Situation in der Region in den Fokus. Das Ergebnis finden sie „höchst alarmierend“. Gibt es nun wirklich Grund zur Panik? Wir haben bei einem Experten nachgefragt.

Ein Landwirt verteilt Gülle auf einem Feld. Nitrat ist die Hauptbelastungsquelle für das Oberpfälzer Grundwasser.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Die Grünen schlagen Alarm. Das Grundwasser in der Oberpfalz sei in keinem guten Zustand. „Die gemessenen Werte bei uns in der Oberpfalz sind höchst alarmierend“, heißt es sogar in einer Pressemitteilung der Partei. Grund der Aufregung ist eine Anfrage der bayerischen Landtagsabgeordneten Patrick Friedl, Anna Schwamberger, Jürgen Mistol, Christian Hierneis und Rosi Steinberger – Thema: Die Situation des Grundwassers in der Oberpfalz.

Aus der Anfrage der grünen Landtagsfraktion geht unter anderem hervor, dass in der Oberpfalz die Landkreise Regensburg und Schwandorf am stärksten mit Nitrat belastet sind. Der Spitzenwert wurde bei Klardorf im Landkreis Schwandorf gemessen. Er liegt bei 120 Milligramm pro Liter und damit mehr als doppelt so hoch wie der Grenzwert. „Bei der Pestizidbelastung spielt in der Oberpfalz immer noch das längst verbotene Herbizid Atrazin und sein Abbauprodukt eine große Rolle“, legen die Grünen außerdem nach.

Hauptbelastungsquelle Nitrat

Müssen sich die Oberpfälzerinnen und Oberpfälzer nun ernsthafte Sorgen um ihr Grundwasser machen? „Ich denke, dass wir sowohl in quantitativer, als auch in qualitativer Hinsicht noch sehr gut dastehen“, beruhigt Jürgen Festbaum, der sich beim Wasserwirtschaftsamt Weiden um die Gewässerkunde kümmert, auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Es gebe aktuell keinen Grund für Panik. „Die Landwirtschaft hat hier aber ihre Spuren hinterlassen“, erklärt er. Nitrat sei die Hauptbelastungsquelle für das Oberpfälzer Grundwasser.

Auch Johann Mayer ist sich dem Problem mit der Nitrat-Belastung durchaus bewusst. Er ist Kreisobmann des bayerischen Bauernverbandes und Sprecher der Interessensgemeinschaft „Rote Gebiete Malm/Burglengenfeld“ – einem Gebiet, in dem die Menschen gegen Nitrat- und Pflanzenschutzmittelbelastungen kämpfen. „Nitrat spielt die größte Rolle. Die größte Quelle ist hier auch die Landwirtschaft, ganz klar“, sagt er. Die Landwirtschaft gehe sehr sensibel mit dem Thema um, dennoch müssten sich manche auch von ihren Wunschgedanken lösen, erklärt er.

Zu komplexe Düngeverordnung

Die Düngeverordnung, welche die Nitrat-Belastung eindämmen soll, sei sehr komplex. „Es gibt immer wieder neue Daten, wann ich was machen darf“, sagt Mayer. Viele Landwirte würden die unübersichtliche Düngeverordnung nicht mehr verstehen, springt ihm die grüne Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger bei: „Was oft auf der einen Straßenseite erlaubt ist, ist auf der anderen Straßenseite schon verboten.“ Sie fordert mehr Klarheit bei der Düngeverordnung und außerdem, dass die Landwirte mehr messen sollen. Es fehle immer noch an weiteren Daten, um einen besseren Gesamtüberblick zu haben.

An was es in der Oberpfalz aber vor allem oft mangelt, ist der Niederschlag. Das weiß auch der grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol. Er erklärt: „Der fehlende Niederschlag in der Oberpfalz verschärft das Problem der jahrzehntelangen Überdüngung, denn bei geringem Niederschlag werden Pestizide nicht ausreichend verdünnt.“

Die klimatische Entwicklung der vergangenen, extrem trockenen Jahre hätte ein Problem in den Vordergrund gedrängt, welches vielleicht schon in ein paar Jahren zu einer größeren Baustelle werden könnte, stellt Jürgen Festbaum vom Wasserwirtschaftsamt Weiden fest. „Zumindest gilt dies für den Fall, wenn es in regelmäßiger Abfolge weitere dieser Dürrejahre geben sollte.“

Es ist ein Trend, der schon länger erkennbar ist: Die Defizite bei der Grundwasserneubildung haben den Grundwasserspiegel im oberen Stockwerk deutlich absinken lassen. Für die Trinkwasserversorgung stelle das zwar noch kein Problem dar, weil die Versorger in der Regel tiefere Horizonte nutzen. „Wenn aber von oben über viele Jahre hinweg nichts nachkommt, wird sich das irgendwann auch in den tieferen Grundwasserstockwerken bemerkbar machen“, erklärt Festbaum.

Das Messstellennetz soll wachsen

Die Grünen fordern: „Der Ökolandbau muss endlich ausreichend unterstützt werden, um die Qualität unseres Grundwassers zu verbessern.“ Ob eine baldige Verbesserung aber auch wirklich eintritt, ist unklar. Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger blickt jedenfalls pessimistisch in die Zukunft: „Ich glaube nicht, dass sich bald etwas ändern wird.“ Jürgen Festbaum aber arbeitet derweil weiter, um die Grundwasserwerte in der Oberpfalz zu verbessern.

Um das zu erreichen, setzt er auch auf die Verdichtung des bereits bestehenden Messstellennetzes. „Ambitioniertes Ziel ist es, das bereits bestehende Messnetz bis spätestens 2024 auf insgesamt 1500 Messstellen zu erweitern. Damit sind zwar noch keine Probleme behoben, es wird danach aber möglich sein, Belastungen besser einzugrenzen, zu beobachten und im Anschluss daran mögliche Ursachen gezielter anzugehen.“

Streit um Wasser-Verschmutzung bei US-Stützpunkt

Deutschland & Welt
Grundwasserkörper in der Oberpfalz, bei denen nach der Bestandsaufnahme 2019 das Risiko besteht, dass sie den guten chemischen und/oder mengenmäßigen Zustand bis 2027 nicht erreichen.
Kommentar:

Das Wasser zeigt uns jetzt die Grenzen auf

Im Westen Deutschlands und auch in Bayern traten die Flüsse und Bäche historisch über die Ufer, wurden für viele Menschen sogar zur Todesfalle. Gleichzeitig wird es aber auch immer trockener. Die Niederschläge nehmen ab, der Grundwasserspiegel sinkt und Pestizide werden nicht mehr so stark verdünnt wir früher. Zwei Extreme, eine Ursache: der Klimawandel, an dem wir Menschen schuld sind. Das Element Wasser zeigt uns die Grenzen auf. Heißt: Wir müssen unbedingt achtsamer mit diesem Element umgehen.

Mit einer nahezu unverschämten Selbstverständlichkeit sind wir in der Oberpfalz an eine gute Wasserqualität gewöhnt. Wir lassen beispielsweise die Hähne länger laufen als nötig und pumpen im Sommer täglich unsere Plastikschwimmbecken in den Gärten voll.

Man soll und kann nicht alles verbieten. Aber es geht jetzt vor allem darum, zu verstehen, dass die fetten Jahre der Verschwendung, der Überdüngung und der Ignoranz vorbei sein müssen. Auch diese sind schuld, dass wir jetzt die Folgen des Klimawandels spüren. Denn gute Wasserqualität ist schon längst nicht mehr selbstverständlich.

Von Sebastian Böhm

 

 

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