Weiden in der Oberpfalz
13.03.2019 - 19:09 Uhr

Nockherberg: Uli Grötsch würde sich über Darstellung im Singspiel freuen

Das Politikerderblecken am Nockherberg lockt wieder Millionen Menschen vor den TV. Den meisten Verspotteten gefallen Fastenpredigt und Singspiel, auch Uli Grötsch. Kritik kommt trotzdem, aus dem Internet - und von Markus Söder.

Stephan Zinner als Ministerpräsident Markus Söder hängt im Singspiel ein Bild von Horst Seehofer ab. Nach der Show kritisierte der echte Söder, dass sein Vorgänger als verwirrter Mann dargestellt wurde. Bild: Tobias Hase/dpa
Stephan Zinner als Ministerpräsident Markus Söder hängt im Singspiel ein Bild von Horst Seehofer ab. Nach der Show kritisierte der echte Söder, dass sein Vorgänger als verwirrter Mann dargestellt wurde.

Trotz gemischter Reaktionen ist eins klar: Die Übertragung des Politikerderbleckens am Münchener Nockherberg war - betrachtet man allein die Einschaltquoten - ein Erfolg. Deutschlandweit schauten 2,72 Millionen Menschen die BR-Sendung. Ob die aber auch wirklich gelungen war, darüber stritten die Leute bereits während der Live-Show.

Die Fastenpredigt von Debütant Maxi Schafroth kam nämlich nicht bei allen Zuschauern gut an. Viel zu weichgespült, viel zu harmlos seien die Witze gewesen, hieß es im Internet. Das könnte aber ein Grund sein, warum der Auftritt den meisten Politikern gut gefiel. Die Rede war "großartig, witzig, fair und wirklich extrem unterhaltsam", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder dem BR. "Das war eine der besten Premieren, die jemand gemacht hat."

"Bemerkenswerter Appell"

Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter lobte Schafroths Auftritt, selbst Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigte sich am Ende zufrieden, auch wenn er einigen Spott abbekam und noch während der Predigt twitterte: "Nockherberg kannt schlechda sei."

Uli Grötsch, Generalsekretär der Bayern-SPD, war am Dienstag zum zweiten Mal am Nockherberg - und ist am Mittwoch noch immer begeistert. "Der Nockherberg ist immer schön und ein gutes Stück Bavaria", sagt der Weidener Bundestagsabgeordneter. Die Fastenpredigt sei richtig gut gewesen, witzig und sehr intelligent. "Bemerkenswert fand ich auch, dass er am Schluss einen Appell ans Miteinander gehalten hat." Insgesamt: "Ein starker Auftritt."

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München12.03.2019

Auch das Singspiel überzeugte ihn, vor allem die Schauspieler. "Die Figuren kann man gar nicht schöner überzeichnen." Das sei genau seine Art von Humor. Besonders die Voll-auf-die-Fresse-Darstellung der Andrea Nahles kam gut an. Dieter Reiter sagte nach dem Auftritt im BR: "Sie war sehr gut dargestellt, ganz ehrlich." Parteikollege Grötsch stimmt zu: "Da schließe ich mich an. Es war natürlich überzeichnet, aber wenn man da eine Blondine hingestellt hätte, und die hätte genauso agiert, hätte man auch gewusst, dass es Andrea Nahles ist."

Dass Horst Seehofer im Singspiel als verwirrter Mann dargestellt wurde, passte - ausgerechnet - dem ewigen Seehofer-Rivalen Söder nicht. "Ich habe kein Mitleid, das ist ein falsches Wort. Aber Respekt vor der Lebensleistung. Und die Darstellung war ein bisschen too much, da sollte man einfach nicht nachtreten", sagte Söder im BR. Grötsch sieht das anders: "Seehofer war hier über so viele Jahre so präsent, da hat er sich ein dickes Fell angelegt, das er gebraucht hätte, wenn er da gewesen wäre."

Grötsch wäre gern dabei

Der SPD-Generalsekretär würde sich übrigens freuen, wenn er auch mal im Singspiel vorkommen sollte. "Wäre lustig, zu schauen, wie Künstler mich sehen und überzeichnen würden", sagt Grötsch. "Aber so weit bin ich noch nicht. So wichtig sehe ich mich nicht." Wichtig, aber ebenfalls nicht im Singspiel dargestellt wurde Bayerns Finanzminister Albert Füracker aus Neumarkt. Der CSU-Politiker war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar, er stellte an dem Tag Bayerns Haushaltsentwurf vor. Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag, kam auch nicht vor - wähnte sich aber trotzdem drin, zumindest glaubte er das noch in der Gesprächsrunde nach der Show. "Der Bademeister in kurzen Hosen auf der Bühne, ich dachte, das war ich", erklärte er später.

Der übertragende BR durfte sich derweil über sehr hohe Einschaltquoten freuen. Die 2,72 Millionen Zuschauer bedeuteten einen bundesweiten Marktanteil von 9,1 Prozent, wie der BR in einer Pressemitteilung bekannt gab. Zum Vergleich: In den vergangenen zwölf Monaten lag dieser Anteil des bayerischen Senders bei durchschnittlich 1,8 Prozent, wie der Branchendienst Meedia berichtet. Im Freistaat hatte der Nockherberg sogar einen Marktanteil von 40,7 Prozent. Zudem wurde die Sendung in der Mediathek des Senders mehr als 136 000 Mal angeschaut. Dort ist die Show auch weiterhin zu sehen. Im BR-Fernsehen wird der Abend am Samstag, 16. März, ab 20.15 Uhr noch einmal gezeigt.

 
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