08.07.2020 - 11:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nicht nur eine Frage der Optik

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Bei Fahrrädern ist erlaubt, was gefällt. Trotzdem sollten sich Käufer Gedanken machen, wo das neue Rad zum Einsatz kommen soll.

Horst Pschierer von der „Bike Station“ in Weiden rät übergewichtigen Kunden zur XXL-Version. Diese Räder geben Sicherheit mit verstärkten Rahmen und Speichen.
von Helmut KunzProfil

Die wichtigste Frage beim Kauf eines Fahrrads ist: Was erwarte ich? Bin ich der klassische Rennradfahrer? Bin ich der, der auf Geschwindigkeit fixiert, mit schmalen Reifen auf asphaltierten Straßen unterwegs ist? Dann kommt nur ein Rennrad infrage. Wer sich bergauf, bergab auf Waldwegen austoben will, favorisiert vermutlich ein Mountainbike. Wer im Urlaub gerne mal Strecken von 150 Kilometern "radwandern" will, muss sich ein Trekking- oder Tourenrad kaufen - ausgestattet mit Schutzblech, Gepäckträger und Lichtanlage. Der Radler könnte ja auch einmal in den späten Abendstunden unterwegs sein müssen. Im Grunde geht es aber immer nur darum, den eigenen Fahrspaß zu maximieren.

Sportlich unterwegs

"Ich verkaufe blanke Lebensfreude", sagt Fahrradhändler Peter Stadler aus Amberg deswegen auch. Für ihn sind die Übergänge oft fließend: "Ich kann mit einem Trekkingrad genauso nach Fichtelberg hochfahren, wie ich das mit einem Mountainbike könnte." Oft entscheide die Optik. Ist ein Rad mit Schutzblechen gewünscht oder eines ohne - wegen der sportlicheren Anmutung? Oder ein Rennrad, weil der Hobbysportler die Trittfrequenz bis zum Äußersten ausreizen will? "Oder genügt ein Citybike für die Fahrt zur Arbeit oder den täglichen Einkauf?"

Generell zu überlegen sei: E-Bike oder nicht? "Das elektrounterstützte Fahrrad erleichtert das Radlfahren, wie die moderne Technik das Autofahren erleichtert hat", sagt Stadler. "Konntest du früher Autofahren, als es noch keine Servolenkung gab? Ich sage: Ja. Konntest du früher die Autotüren absperren, als es noch keine Zentralverriegelung gab? Ich sage: Ja. Was hast du gemacht, als es noch keine Navigationsgeräte gab? Du hattest eine Landkarte bei der Hand." Man müsse ein E-Bike als Instrument der Bequemlichkeit betrachten. "Und das eigentlich schon seit 30 Jahren." Habe man sich früher geschämt, mit einem "Pedal-assistierten Fahrrad" gesehen zu werden, sei das E-Bike heute gesellschaftsfähig geworden. Vielleicht sogar ein Statussymbol. Warum? "Weil sich das Denkmuster geändert hat. Ich schäme mich heute auch nicht, weil ich ein Auto habe, an dem sich die Fenster elektronisch schließen lassen."

E-Bikes für alle

Es gebe keine spezielle Zielgruppe mehr für das E-Bike. Die Möglichkeit der unterstützten Fortbewegung auf zwei Rädern werde inzwischen von allen Altersgruppen genutzt. Mit dem Vorteil: "Der 70-Jährige begeistert sich wieder fürs Radfahren. Und es überzeugt den 25-Jährigen, sein Auto in der Garage zu lassen und mit dem Elektrorad zur Arbeit zu fahren." Außerdem: "Mit dem E-Bike entdecke ich Gegenden, wo ich vorher noch nie war." Der Aufbruch sei ja immer recht schön. Aber man müsse auch wieder heimkommen. "Mit einem E-Bike ist der Hausberg kein Psychoterror mehr", meint Stadler schmunzelnd.

Vor dem Kauf eines Rads sollte man sich ebenso Gedanken machen, wie viel man dafür ausgeben möchte. Auch für Menschen, die zum Einstieg nicht mehr als 500 Euro zahlen wollen, gibt es Räder. "Und für sie sind diese Räder nicht schlechter, als wenn sie sich Bikes für 10.000 Euro kaufen würden." Warum? "Weil sie die teure Technik gar nicht brauchen."

Die sportliche Ausrüstung eines Fahrrads werde oft überschätzt, glaubt Stadler. "Wenn ich Radl fahre, bin ich ja ohnehin sportlich." Ein guter Golfspieler könne auch mit einem billigen Schläger gut Golf spielen. "Umgekehrt nützt ihm der teure auch nichts." Stadler legt seine Hand auch für ältere Modelle ins Feuer. "Ein altes Rad kann manchmal besser sei, als ein neues. Vielleicht deswegen, weil es früher Techniken gab, die man heute gar nicht herstellen kann."

Um ein Fahrrad Probe zu fahren, sollte man ins Fachgeschäft kommen. Beratung könne man im Internet schlecht erhalten. Nicht zu unterschätzen sei in diesem Zusammenhang die Rahmenhöhe. Ein Radler mit längeren Beinen brauche eine andere Höhe, als einer mit kürzeren.

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Wave oder Trapez?

Das typische Buben- oder Mädchen-, Herren- oder Damenrad gibt es nicht mehr. "Wir reden heute vom Komfort- oder Wave-Rahmen, Trapez-Rahmen, einem Mittelding zwischen einem Stangen-Herren-Rad und einem Tiefeinstieg oder vom Diamant- oder Herrenrahmen." Jeder zukünftige Radler könne das rein nach Optik entscheiden. "Qualitativ gibt es keinen Unterschied." Ein Wave-Rahmen sei genauso stabil wie ein Trapez-Rahmen.

Viele Menschen litten inzwischen an Haltungsschäden. Geplagt seien sie vor allem im Rückenbereich. Gründe gebe es dafür genug: Büroarbeit, Internet, Handy, meint Stadler. "Deshalb sind rückenschonende Fahrräder wichtig." Manchmal sei der Fachmann sogar eine Art Medizinberater. "Kein Kunde ist zu schwer fürs Radl", macht Stadler Mut. "Auch nicht der mit 150 Kilogramm. Für den brauche ich aber ein ganz anders Rad, als für den 45 Kilogramm schweren 15-Jährigen."

Schwer übergewichtige Personen sollten kein normales Rad kaufen, rät Stadlers Fachkollege Horst Pschierer von der "Bike Station" in Weiden. "Das Rad schwingt." Diesem Kundenkreis empfiehlt er die XXL-Version. "Diese Räder sind auf ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 170 Kilogramm ausgelegt, sind aber insgesamt auch viel schwerer als andere Räder." Die Vorteile lägen im verstärkten Rahmen und speziell verstärkten Speichen.

Lauf-Lern-Rad

Eltern, die ein Rad für ihre Kinder suchen, empfiehlt Pschierer für den Anfang ein Lauf-Lern-Rad oder ein "Zwölf-Zoll-Rad". Schon in einem Alter von zweieinhalb Jahren könne so gestartet werden. Kinder, die das Balancehalten auf diesen Rädern gelernt hätten, bräuchten in der Regel keine Stützräder mehr, wenn sie als Drei- oder Vierjährige auf ein richtiges Rad umstiegen. "Die Kinder sollen sich erst gar nicht an den Halt gewöhnen." Kinderräder könnten ein bis zwei Jahre gefahren werden. "Man kann den Sattel noch verstellen, dann wachsen sie aber raus und brauchen ein größeres." Je nach Körpergröße können Kinder ab acht oder neun Jahren auf Jugendräder umsatteln.

Ob tiefer Einstieg oder Stange sei längst keine Frage der Geschlechter mehr, weiß Peter Stadler.
Nach dem Kauf kann das Fahrrad in der Fachwerkstatt speziell auf die Bedürfnisse des Kunden eingestellt werden.

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