16.04.2019 - 19:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Oberpfälzer über Brand der Notre-Dame: "Es ist eine Katastrophe"

Auch die Oberpfalz verfolgte am Montagabend entsetzt die Bilder von der brennenden Notre-Dame in Paris. Eine Reisegruppe aus Weiden war wenige Stunden zuvor noch drin.

Flammen und Rauch steigen aus der Kathedrale Notre-Dame in Paris auf. Am Montagabend war hier ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Die Ursache des Brandes ist nach wie vor unklar.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Noch am Nachmittag vor dem Brand besuchten 46 Weidener die berühmte Kathedrale Notre-Dame de Paris. Konrad Merk vom Weidener Städtepartnerschaftsverein führte die Oberpfälzer durch die Kirche. Danach unternahmen sie eine Schifffahrt auf der Seine - mit Blick auf das imposante Bauwerk. "Da haben sie noch geguckt, wie schön es ist", erzählt Ulrike Maronnie. Sie arbeitet im Büro für internationale Beziehungen in Weidens Partnerstadt Issy-les-Moulineaux, einem Vorort von Paris, und kümmert sich um die Reisegruppe.

„Wir waren sehr bestürzt, als wir gegen 19.30 Uhr erfahren haben, dass Notre-Dame in Flammen steht“, berichtet Maronnie am Tag nach dem Feuer. „Die Franzosen waren tief getroffen und wir natürlich auch“, erzählt Merk. „Notre-Dame gehört nicht nur zum Kulturerbe, sondern zur Seele Frankreichs“, findet der Oberpfälzer. „Man kann sich Paris einfach nicht ohne Notre-Dame vorstellen, und wir sind heute Morgen sehr froh, dass ein großer Teil gerettet werden konnte. Es wird schon von Wiederaufbau gesprochen, und da wird es einem wieder warm ums Herz“, sagt Maronnie. Einige reiche französische Familien hätten schon angekündigt, zu spenden, erzählt sie. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte bereits in der Nacht versprochen, dass Notre-Dame wiederaufgebaut werden soll.

Philipp Franz kam nach einem Aufenthalt in der Oberpfalz am Dienstagabend wieder in der französischen Hauptstadt an. Im Zug erfuhr er zufällig, dass Notre-Dame brennt. Der Weidener, der ein Jahr als Freiwilliger in der Stadtverwaltung von Issy arbeitet, war entsetzt, als er die Bilder sah: "Man hat das zuerst gar nicht glauben können." Mit seinen Mitreisenden hat er auf dem Handy ferngesehen. "Es war schon schlimm." Als Franz am Montagabend den Pariser Bahnhof Gare de l'Est erreichte und in die Metro umstieg, "war gar nichts los".

Bereits an seinem zweiten Wochenende in Issy hatte Franz einen Gottesdienst in Notre-Dame besucht. "Es herrschte eine besondere Atmosphäre, wenn man drin war", erinnert sich der Student. Auch auf die Türme ist er gerne hochgestiegen und hat den Ausblick auf die Stadt genossen. Trotz möglichem Wiederaufbau sagt Franz: "So, wie es war, wird es nicht mehr sein."

"Die Kirche steht seit fast 1000 Jahren in Paris, hat zwei Weltkriege überstanden. Wir haben nicht glauben können, dass so etwas passiert", gesteht Clémence Ulm. Die Studentin aus Issy absolviert ein Jahr Europäischen Freiwilligendienst in Weiden. Am Montag gegen 19.30 Uhr habe sie von dem Brand erfahren, dann jede Stunde im Internet nachgelesen, wie es um Notre-Dame stand. "Ich habe die Flammen gesehen - es war schrecklich."

Die Lehren aus Notre-Dame

Amberg

Florence Radtke aus Pirk bei Weiden saß gerade beim Abendessen, als ihre Mutter anrief und von dem Feuer berichtete: "Ich habe sofort aufgelegt und den Fernseher eingeschaltet." Seit 1993 lebt die Französin in Weiden. Sie stammt aus dem Pariser Vorort Argenteuil. Die Bilder der lodernden Notre-Dame "fesselten mich an den Fernseher. Ich war ganz verwundert, habe das nicht für möglich gehalten". Sie habe die Feuerwehrleute kaum gesehen und sich gefragt, ob es überhaupt genug sind. Radtke habe die Kathedrale oft besucht, im Gymnasium Victor Hugos "Glöckner von Notre-Dame" gelesen. Ostern wird die Französin in Argenteuil verbringen und sich das, was von der Kirche übrig ist, ansehen: "Es ist eine Katastrophe."

Mehr Bilder und Videos

Deutschland und die Welt

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.