05.07.2018 - 16:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Ohne Hoffnung": Zwei Männer aus Weiden in Abschiebe-Flugzeug

Zwei Männer aus Weiden sitzen in dem Abschiebe-Flugzeug, dass am Mittwochmorgen 69 Afghanen zurück in ihr Heimatland bringt.

Das sind drei von insgesamt 69 Afghanen, die am Mittwoch in Kabul landeten. Unter ihnen sind auch zwei Männer aus Weiden.
von Julia Hammer Kontakt Profil

(juh) Es ist die bisher größte Gruppe von Afghanen, die in ihr Heimatland abgeschoben wird. Am Mittwoch landen 69 Flüchtlinge in Kabul. Unter ihnen sind zwei Männer aus Weiden. Was sich im Vorfeld abspielt, beschreibt Dekan Wenrich Slenczka als "kafkaesk, dramatisch und absolut unverständlich". "Einen der beiden, einen 26-Jährigen, kenne ich sehr gut. Er hat sich voll integriert, Deutsch gelernt, war zu allen freundlich." Acht Jahre lebt der junge Mann in Weiden, findet Arbeit, Freunde, baut sich ein neues Leben auf.

Seine Familie ist tot, umgekommen bei Kämpfen in Afghanistan. Ein Schicksalsschlag, der den Mann dazu bewegt, sein Land zu verlassen. Er ist gerade einmal 18 Jahre alt, als er die anstrengende Reise nach Deutschland auf sich nimmt. Ihm geling es, in Weiden ein soziales, glückliches Leben aufzubauen. Dann die Hiobsbotschaft: Der 26-Jährige soll abgeschoben werden. "Wir haben alles versucht, sind bis vor das Verfassungsgericht gegangen", schildert Slenczka den verzweifelten Kampf, den Mann vor der Abschiebung zu bewahren. Ohne Erfolg. Am Montag vergangener Woche holen ihn Beamte ab, bringen ihn in Auslieferungshaft nach Erding.

"Ich habe ihm noch eine Bibel mitgegeben. Aber die haben sie ihm abgenommen", erinnert sich der Geistliche. Der junge Mann ist verzweifelt. So verzweifelt, dass er noch während der Auslieferungshaft versucht, sich etwas anzutun. "Am Wochenende ist der Kontakt dann abgebrochen", erzählt Slenczka. Erst, als der 26-Jährige in Kabul landet, erhält er ein kurzes Lebenszeichen: "Ich bin da."

Slenczka hat wenig Hoffnung, dass der Mann zurück nach Deutschland kommen kann. "Es gibt aktuell politisch einfach zu viel Geschrei. Das Problem ist, dass sich niemand zuständig fühlt, eine Behörde auf die andere verweist." Aufgeben wird er aber nicht. Der Dekan wird sich mit anderen "Beteiligten" zusammensetzen und überlegen, welche Schritte sie noch gehen können. "Es sind zwei Fälle, die emotional sehr wehtun", wertet auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, der die beiden Männer kennt, sich für sie einsetzt. "Sie sprechen gutes Deutsch, haben hier gearbeitet. Wir investieren in die Menschen, sie bemühen sich, sich hier etwas aufzubauen, und aus heiterem Himmel kommt dann so eine furchtbare Nachricht", bedauert er. Abschiebungen verhindern können er und die Stadt nicht. "Doch ich denke, dass die Kommunen am besten entscheiden könnten, wie sich die Personen einfügen."

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Kommentare

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A. Schmigoner

Ja, soweit ist es gekommen. Julia Hammer beklagt in Ihrem Artikel (und mehr noch in Ihrem Kommentar) die Abschiebung von arbeitenden, voll intergierten Flüchtlingen. Das ist nachvollziehbar. Sie hält die Behörden für schuldig, Bürgerproteste bleiben wirkungslos. Wird hier Ursache und Wirkung verwechselt? Seit Jahren fordern CSU-Politiker in regelmäßigen Abständen eine Verschärfung des Asylrechts, getrieben von der AfD und Teilen der Medien. In der Springerpresse wird der aktuelle Vorstoß der CSU bejubelt, Flüchtling an der Grenze abzuweisen, obwohl klar war, dass nur eine Handvoll Menschen unter den Plan Seehofers fallen würden. Die Schlagzeile ist eben wichtiger, als das Ergebnis des konkreten Handels, jedenfalls bei Söder und Co. Welche Rolle spielte DnT und Onetz? Hier ein Beispiel aus einem wenige Tage alten Artikel: „ONETZ: Derzeit kommt jeder rein, der an der Grenze das Zauberwort „Asyl“ ausspricht. In einem ordentlichen Verfahren wird dann über Monate, ja Jahre das Recht auf Asyl geprüft. Auch bei einer Ablehnung wird oft Bleiberecht zugestanden. Diese Praxis stößt bei den Bürgern immer mehr auf Ablehnung und treibt der AfD die Wähler zu.cf“
Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Behörden rechtlichen Vorgaben vollziehen müssen, die von aufgestachelten Medien permanent gefordert und von der Politik schließlich beschlossen wurden. Das Thema Flüchtlinge und deren Berichterstattung ist in weiten Teilen auch ein Medienversagen, zumal wenn rechte Meinungsmache unreflektiert wiedergeben und politische Parolen nicht kritisch hinterfragt werden.

07.07.2018