01.12.2019 - 12:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Ohrfeige für Lehrerin: Regierungspräsident tritt gegen Gewalt an Schulen ein

Eine Lehrerin wurde an der Pestalozzi-Mittelschule geohrfeigt. Der Regierungspräsident will mit seinem Besuch dort auch einen Schlussstrich unter diese Gewaltaktion ziehen. Dafür rückt er Sicherheit an Schulen grundsätzlich in den Fokus.

Regierungspräsident Axel Bartelt beim Besuch der Pestalozzi-Mittelschule (sitzend, Zweiter von rechts) zusammen mit (sitzend, von links) Schulrätin Margit Walter, leitendem Regierungsschuldirektor Johann Hilburger und Rektor Heribert Zeis. Mit dabei waren auch Vertreter der Stadt Weiden und Lehrer der Schule.
von Siegfried BühnerProfil

Mehr als vier Stunden Zeit nahm sich der Regierungspräsident der Oberpfalz, Axel Bartelt, um sich mit Sicherheitsthemen an Schulen zu befassen. Rektor Heribert Zeis begrüßte den Gast, der sich die Pestalozzi-Mittelschule in Weiden exemplarisch für sein Anliegen herausgesucht hatte. Zunächst sollte es ein Solidaritätsbesuch für die Schule werden, weil Bartelt die tätlichen Angriffe dort gegen eine Lehrerin Ende Mai mit Nachdruck verurteilte. Damals attackierten eine Mutter und der Opa eines Schülers eine 24 Jahre alte Lehrerin. Sie wurde geohrfeigt.

Ohrfeige für Lehrerin: Zur Erstmeldung

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Großvater attackierte wohl die Lehrerin

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Strafbefehle nach Gewalt gegen Lehrerin

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Kurz danach habe Bartelt auch ein längeres Gespräch mit der betroffenen Lehrerin geführt. Alle Schulen in der Oberpfalz seien aus Anlass dieses Falles angeschrieben worden, "um ein Signal zu setzen", sagte Bartelt. Auch das Amtsgericht Weiden wurde tätig: Sowohl die Mutter (41) als auch der Großvater (65) erhielten Strafbefehle.

Für Regierungspräsident Bartelt habe "Gewalt an Schulen überhaupt keinen Platz, gleichgültig ob Eltern gegen Lehrer, Schüler gegen Lehrer oder Schüler untereinander". Dabei hofft Bartelt auch auf Unterstützung dieses Anliegens durch die Gesellschaft und sieht dies als "gemeinsames Anliegen an". Schließlich gehe es darum, "was Kinder an Schulen im Sozialverhalten nicht lernen, fehlt ihnen auch im Erwachsenenalter". In der Schule müssten die Werte mitgegeben werden, auf denen die Gesellschaft basiert. Schließlich seien Schulkinder "noch formbar". Beeindruckt zeigte sich Bartelt davon, "wie sich die Pestalozzi-Mittelschule mit dem Thema Gewalt auseinandersetzt".

Gewalt als Tabu

Vorher hatte er den Bericht der Mitglieder der Steuergruppe "Vermeidung von Gewalt an Schulen" gehört. Berichtet wurde unter anderem von einem für Lehrkräfte entwickelten Methoden-Curriculum und einem Curriculum für Sozialtraining. Beides solle zur Entschärfung der unterrichtlichen Situation beitragen. Gesprochen wurde auch über Teambildungsmaßnahmen für Lehrer und den "Kennenlerntag für Neulehrer". Breiten Raum nahmen die Auszeit- und Sanktionskonzepte ein. Grundsätzlich hätten Lehrer die pädagogische Freiheit, "wenn bei ihnen das Fass voll ist", sagte Stefan Benker, Mitglied der Steuergruppe. Das Auszeit- und Sanktionskonzept wurde als Pyramide vorgestellt, bei der im Basisbereich bei Störungen die Entfernung des Störers aus dem Klassenzimmer und sein Aufenthalt in einem "Auszeitklassenzimmer" angeordnet werden. An der Spitze der Pyramide stehen Entscheidungen des Disziplinarausschusses auch über Verbote des Schulbesuchs.

Unterrichtssituationen entschärfen

Auf die Frage des Regierungspräsidenten, ob sich die Pyramide verändert habe, hieß es, dass es eine deutliche Ausweitung der Sanktionen im oberen Bereich gebe. Jede Ordnungsmaßnahme beinhalte auch ein Hilfsangebot. Nicht übersehen werden dürften Depressionen von Schülern als Ursachen für Störungen. Familien bilden nicht mehr so viele Auffangfunktionen für Kinder wie früher.

Schließanlage für Pestalozzischule

Auch das Sicherheitskonzept für Fälle von Brand, Amokläufen und Bombendrohungen war Thema. Es beinhaltet laut Konrektor Roland Wittmann feste Ablaufpläne und Einrichtungen, beginnend bei Notfallbox und digitalem Schwarzen Brett über anwesende und abwesende Schüler bis hin zur Evakuierung der Schüler. Die Vertreter der Stadt, Baudezernent Oliver Seidel und Hauptabteilungsleiter Stefan Kindsgrab, versprachen, sich um die Installation einer Schließanlage für die Mittelschule zu kümmern.

Begleitet wurde Bartelt vom leitenden Regierungsschuldirektor Johann Hilburger. Vertreterin des Oberbürgermeisters war Stadträtin Sabine Zeidler. Schulrätin Margit Walter vertrat das Schulamt.

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