19.08.2021 - 17:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ortskräfte aus Afghanistan einfach im Stich gelassen

Die Bundesregierung hat zu lange gezögert. Die Reaktion kommt zu spät. Deutschland hat etliche Ortskräfte einfach im Stich gelassen. Ein Kommentar von Wiebke Elges.

Hunderte von Menschen versammeln sich in der Nähe eines C-17-Transportflugzeugs der US-Luftwaffe an einer Absperrung des internationalen Flughafens. Afghanen, die vor den Taliban fliehen wollten, rannten auf das Flugfeld, um in Sicherheit gebracht zu werden.
von Wiebke Elges Kontakt Profil
Kommentar

20 Jahre Afghanistan. 20 Jahre Ausbildung. 20 Jahre Kampf und Tod. 20 Jahre treue Helfer ausgenutzt und einfach fallen gelassen. Ali aus Weiden hat Glück gehabt. Er hat sich rechtzeitig gemeldet und die Bundeswehr hat ihn gerettet. Das Glück haben aber nicht alle. Sollte es bei der Rettung von Menschenleben überhaupt um Glück gehen? Sollte Deutschland seinen treuen Helfern nicht die gegenseitige Treue zeigen? Der traurige Satz von Norbert Röttgen „Man kann nur beten, dass alle gerettet werden“, ist ein Armutszeugnis für Deutschland. Viele der Ortskräfte haben ihre gesamte Hoffnung in die Hände der deutschen Politiker gelegt. Jahrelang gaben sie ihr Leben für Deutschland. Das sogenannte „Safehouse“, in dem die afghanischen Ortskräfte sicher sein sollten, haben die Deutschen einfach aufgegeben. Es gebe keine Hoffnung mehr für sie. So müssen Dolmetscher, Köche und andere Helfer selbst sehen, wo sie bleiben. Für afghanische Ortskräfte, Frauen und Menschenrechtler geht es jetzt ums Überleben.

Anstatt Menschenleben zu retten, denken die Politiker allerdings nur daran, ihre eigene Karriere zu retten. Schließlich steht die Bundestagswahl vor der Tür und ein zweites 2015 dürfe sich nicht wiederholen. Die Botschaft in Kabul warnte bereits vor Wochen, dass die Ortskräfte in Gefahr schweben. Ohne Erfolg. Der Westen hat zu lange mit der Evakuierung gewartet. Erst auf den letzten Drücker wurde die deutsche Botschaft in Kabul geräumt. Alle deutschen Mitarbeiter bekommen einen Flug – etliche afghanische Kräfte müssen noch hoffen. Erst wollte Deutschland in Afghanistan helfen, jetzt kann es nicht mal seine eigenen Verbündeten retten. Ein Versagen auf ganzer Linie.

Eine Ortskraft berichtet von der Flucht

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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