24.09.2020 - 15:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Pfreimder soll die Weidener Bombe entschärfen

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Der Mann hat Erfahrung. Mehr als 200 Fliegerbomben hat Michael Weiß (45) schon unschädlich gemacht. Am Sonntag soll in Weiden eine weitere dazukommen. Den Einsatzort kennt der Sprengmeister: Er stammt aus der Region.

Michael Weiß mit Kollegin Bettina Jurga und der 225-Kilo-Bombe, die sie im August 2019 bei Amberg entschärften. Am Sonntag soll sich der Pfreimder Sprengmeister die mutmaßliche Fliegerbombe in Weiden vorknöpfen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Eigentlich hatten wir ein Interview geplant mit den Spezialisten, die wohl am Sonntag den gefährlichsten Job der Stadt haben. Doch es sind Männer der Tat, nicht des Wortes. "Vor der Bombenentschärfung sagen wir normalerweise gar nichts", bemerkt Dr. Andreas Heil. "Und nachher wenig." Schließlich arbeite man in einem Bereich, in dem unbedacht geäußerte Informationen schon mal zu Lebensgefahr führen könnten.

Heil ist Chef der K. A. Tauber Spezial-Tiefbau GmbH und Co. KG in Nürnberg, einem Unternehmen, das seit über 50 Jahren auf das Bergen von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg spezialisiert ist und im Auftrag des Innenministeriums arbeitet. Nach Weiden entsendet er ein zweiköpfiges Räumkommando, sollte sich der Verdacht auf eine Fliegerbombe im Untergrund bei der SpVgg SV bestätigen. Der Mann, der demnach den Blindgänger federführend entschärfen soll, heißt Michael Weiß. Er ist 45 Jahre alt, stammt aus Pfreimd – und hat jede Menge Erfahrung. "Mindestens 200 Bomben" in Unterfranken, Mittelfranken und der Oberpfalz hat Weiß nach Heils Angaben den Zahn gezogen, ausschließlich Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. "Aus dem Ersten Weltkrieg liegt nur in Baden-Württemberg noch Abwurfmunition."

Einsatz für Michael Weiß im August 2019 in Amberg

Haselmühl bei Kümmersbruck

Mit Kollegin Bettina Jurga machte der Sprengmeister im August 2019 beispielsweise eine 225-Kilo-Fliegerbombe in Haselmühl bei Amberg unschädlich, die in zwei Metern Tiefe bei Baggerarbeiten aufgetaucht war. In einem 500-Meter-Radius mussten etwa 1500 Bürger evakuiert werden. Weiß und Jurga gelang es, den Zündmechanismus außer Kraft zu setzen. Anders musste der 45-jährige Pfreimder im Mai 2020 im Falle eines Bomben-Fragments vorgehen. Bei Bauarbeiten an der Ingolstädter Straße in Nürnberg war ein Bombenfragment gefunden worden. Mittel zum Zweck war damals eine kontrollierte Sprengung.

Ob die auch in Weiden notwendig sein wird? Das würde sich laut Heil tatsächlich erst am Sonntag vor Ort entscheiden: "falls zum Beispiel ein Langzeitzünder verbaut ist und die Bombe bewegt wurde. Oder falls der Zünder partout nicht heraus will und ein Wasserschneidgerät aus technischen Gründen nicht zum Einsatz kommen kann." Wie seine Leute genau bei einer Entschärfung vorgehen? "Das verraten wir nicht, um keine Nachahmer auf den Plan zu rufen. Generell: behutsam und überlegt, es wird – wie auch immer – die Zündkette endgültig unterbrochen." Der Sprengmeister sei "kein Adrenalinjunkie". Bei einem Gespräch mit unserem Medienhaus im Jahr 2014 sagte Michael Weiß: "Alles ist gefährlich, und das eigene Leben liegt in der Hand des anderen. Sprengen ist das Letzte." Und: "Gut Ding braucht Weile."

Video von der Bombenentschärfung in Amberg

Neben Weiß ist ein weiterer Mitarbeiter im Einsatz, dessen Name im Vorfeld ungenannt bleibt. Seine Aufgaben beschreibt der Vorgesetzte mit "Mitarbeit vor Ort, Vier-Augen-Prinzip". Ist der Weidener Einsatz für sie ein Routineauftrag? Zwar will kein Fachmann Prognosen zur Gefährlichkeit des Unterfangens abgeben, doch zumindest selten sind solche nicht. Immerhin werden noch immer pro Jahr mehr als 50 Fliegerbomben in Bayern gefunden und entschärft, allein nach Nürnberg und Regensburg wird der Pfreimder Weiß häufig beordert. Die bisherige Bilanz ist überzeugend und lässt für Sonntag nur das Beste erwarten. Andreas Heil: "Wir haben in Bayern seit Jahrzehnten keinen Toten oder Verletzten bei Bombenentschärfungen zu beklagen."

Der Sprengmeister aus Pfreimd im Porträt

Hintergrund:

Räumkommandos aus dem Hause Tauber

Die Firma Tauber ist nach eigenen Angaben ein Unternehmen mit über 450 Mitarbeitern. Gegründet wurde sie 1964 als Kampfmittelräumfirma durch Kilian-Alois Tauber in Würzburg. Mittlerweile sind Tochterunternehmen auch in anderen Bereichen des Tiefbaus tätig. Bei der Kampfmittelräumung ist Tauber jedoch Komplettanbieter: von der Luftbildauswertung über die Geophysik bis zum Bergen, Entschärfen und Vernichten von Munition. In mehreren Bundesländern, darunter Bayern, stellt Tauber die Sprengkommandos. Das Unternehmen ist deutschlandweit flächendeckend mit Stützpunkten vertreten.

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