13.09.2019 - 11:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Pilze sind Helfer der Natur

„Ohne Pilze würde der Wald an sich selbst ersticken“, erklärt Stefan Hartwig bei seinem Vortrag im Medienraum der Oberpfalz-Medien. Der Referent muss es wissen: Er ist Pilzsachverständiger bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie.

Es gibt Pilze, die sind so breit, zeigt Pilzsachverständiger Stefan Hartwig am Donnerstagabend im Medienraum der Oberpfalz-Medien.
von Helmut KunzProfil

Seine Begründung: Im Herbst fielen die Blätter und alle sieben Jahre würden Nadelbäume ihr Kleid abwerfen. Für die Beseitigung zeichneten Saprohyten, die „Aufräumer“ unter den Pilzen, verantwortlich. Die zersetzten totes, pflanzliches und tierisches Material.

Pilze müsse man in drei Kategorien unterteilen: In Mykorrhyza, die in einer Symbiose mit Bäumen lebten und für die Photosynthese sorgten. Die bereits erwähnten Saprohyten. Und Parasiten. Schädlinge, die geschwächte oder lebende Organismen befallen.

Pilze seien auch die einzigen Lebewesen, die in der Lage seien, hartes Holz zu zersetzen. Erst wenn das Holz aufgeweicht sei – dies könne Jahre dauern – kämen Käfer und andere Insekten zum Einsatz. „Pilze sind Helfer in der Natur.“ Sie unterstützten das Pflanzenwachstum.

Die Frage, warum es überhaupt Pilze gebe, beantwortete Hartwig ganz banal: „Damit man mal eine richtig gute Schwammerlbrühe machen kann.“ Ein größeres Kapitel widmete er der Zubereitung von Pilzen. Hartwig scheute kein Thema. Auch nicht das von Umweltgiften, Fuchsbandwurm oder Radioaktivität. Die Tschernobyl-Katastrophe habe die Region nur am Rande gestreift. „Es hat damals nicht geregnet." Deshalb könne man Pilze essen. Selbst die in anderen Regionen als belastet geltenden Maronen. „Die sind hier weit unter dem Grenzwert."

Natürlich gebe es auch hier Pilze mit erhöhter Radioaktivität, die aber unschädlich für Menschen seien. „Die werden nicht gegessen. Die sind nämlich giftig.“ Abschließend präsentierte der Experte eine Bilderschau aus 50 regionalen Pilzen. Sein Fokus beschränkte sich auf einen Umkreis von 20 Kilometern rund um Vohenstrauß.

Essbare Schwammerl finde man das ganze Jahr über, selbst im Winter – wenn auch Exoten. Aber die Saison dauere in der Regel von August bis Anfang November. „Aktuell haben wir sehr viele Speisepilze.“ Man müsse nur wissen wo. Vor drei Wochen habe es eine regelrechte Steinpilz-Schwemme gegeben. Aber deren Zeit sei jetzt vorbei. „Bestimmte Arten kommen zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Gegend vor.“

Was man jetzt finde, seien Rotkappen, Birkenpilze, Täublinge und Hexenröhrlinge. Im Vohenstraußer Raum seien es vermehrt Pfifferlinge. Der Sachverständige riet den Zuhörern, sich nicht nur auf die Kappenoberseite zu verlassen. Jeder Speisepilz habe einen Zwilling aus dem giftigen Lager. Deshalb seine Empfehlung: Immer einen Blick unter die Kappe werfen, um zu sehen, ob es sich um Röhren- oder Lamellenpilze handle.

Es gebe keine festen Merkmale, die einen Speisepilz als solchen auswiesen. „Man muss einfach wissen, was man im Korb hat.“ Abschneiden oder Herausdrehen? „Dem Pilz ist das egal.“ Wenn man ihn sicher erkenne, könne man ihn abschneiden. Sei man sich unsicher: „Komplett herausnehmen, um ihn anhand von Merkmalen unter der Kappe einzugrenzen.“

Denn: „Es gibt auch tödlich giftige.“ Er selbst habe in der Gegend noch nie einen grünen Knollenblätterpilz gefunden. „Aber erst gestern habe ich wieder den weißen Knollenblätterpilz entdeckt. Und der ist genauso tödlich giftig." Ob es Rettung gibt? „Kommt immer auf die Menge an, die man gegessen hat.“ Bei schneller Erkenntnis gebe es Hilfe. „Das Dumme ist nur, dass bei tödlich giftigen Pilzen die Latenzzeit lange währt.“ Beim Knollenblätterpilz zwischen vier und 48 Stunden. „Wenn man die Symptome nicht sofort erkennt, dann wird’s schwierig.“

Und es gibt Pilze, die sind so hoch.
Andächtig lauschen die Zuhörer den Ausführungen des Experten.
Solche Pilze gab es Weiden entlang des Flutkanals zur Genüge an Baumstümpfen. Die wurden jetzt aber alle beseitigt, bedauert Stefan Hartwig, Pilzexperte aus Vohenstrauß.
Beim Pilzesammeln sollte man aufpassen, wo man hinlangt. Ein falsches Schwammerl im Korb kann tödlich sein.

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