07.02.2019 - 19:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Platz für Kunstrasen in Weiden

Die Stadträte haben bereits im Juni Ja zum Kunstrasenbau der SpVgg SV Weiden gesagt. Doch nun kommen Zweifel auf. Die Grünen pochen auf eine ökologische Neubewertung. Sonderten die Plätze doch gesundheitsgefährdendes Mikroplastik ab.

Der Stadtrat hat zum zweiten Mal entschieden: Es bleibt trotz ökologischer Bedenken beim Ja für den Kunstrasen des B-Platzes der Spielvereinigung. Ein zweiter Platz soll folgen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Naturrasen wäre für den B-Platz hinter der Mehrzweckhalle klar von Vorteil, sagt Hermann Hubmann in der Stadtratssitzung: „Aber das entspricht nicht dem Beschluss“, bringt es der Rechtsdezernent auf den Punkt. Einen Beschluss, den die Grünen mitgetragen haben. Das bestätigt Fraktionschef Karl Bärnklau: „Aber Medienberichte haben uns nachdenklich gestimmt.“

Demnach stelle der Abrieb von Mikroplastik eine hohe Belastung für die Umwelt dar. Kunstrasen werde teils als zweitgrößte Quelle für Mikroplastik in den Meeren benannt. „Wir haben ökologische Bedenken und sagen nun Nein zum Kunstrasen“, schließt Bärnklau und appelliert auf Basis eines entsprechenden Antrags, es den Grünen gleich zu tun.

Die CSU-Stadträtin, Ehefrau des Schatzmeisters der SpVgg SV Weiden und Pressesprecherin des Fußballvereins, Dagmar Nachtigall, denkt gar nicht dran. „Die Planung wurde sehr ökologisch geführt: Es wird Kork und kein Plastik verwendet.“ Zudem bedauert sie: „Es ist schade, dass es die Stadt nicht schafft, einen Kunstrasenplatz vorzuhalten.“

Die Folge sei, dass die Kicker reihenweise ein in Tschechien auf Kunstrasen trainieren, der dort gar mit Hilfe von EU-Fördermitteln entstanden wäre. Auf den Kunstrasenplätzen Weidens, so Nachtigall, könnten gern regelmäßig Schadstoffmessungen erfolgen. „Wir als Spielvereinigung passen schon auf, dass alles seine Richtigkeit hat.“

Apropos Richtigkeit: SPD-Stadtrat Matthias Loew zeigt sich irritiert, dass der Vorlagebericht der Stadtverwaltung „Wort für Wort“ aus dem Angebot des Kunstrasen-Herstellers übernommen ist. Dann stellt der Genosse und Allgemeinarzt eindrücklich seine Bedenken vor: Ökologische und gesundheitliche Probleme seien nicht wegzudiskutieren. Loew nennt die Versiegelung und Erwärmung einer großen, natürlichen Fläche, Auswaschungen von eventuellen Giftstoffen, eine Feinstaubbelastung und Mikroplastikpartikel, die aus Kunstrasen freigesetzt werden. „Auch die Verwendung eines Naturprodukts wie Kork ist keine Garantie.“ Buchenholzpartikel etwa können nachweislich für Tumore im Nasen- und Rachenraum verantwortlich sein. Ablehnen wolle er den Kunstrasenbau trotzdem nicht.

Stadtrat im Dilemma

Er stecke im Dilemma: Ökonomie kontra Ökologie. Denn als Stadtrat wolle er auch für Wohnraum und Prosperität sorgen. Entsprechend freue ihn die Entwicklung einer Wohnbebauung auf den SpVgg-SV-Flächen im Stadtteil Stockenhut. Diese Entwicklung sei aber vertraglich mit der Forderung nach Kunstrasenplätzen verbunden. Also müsse Loew abwägen. Sein Vorschlag: Materialien klug wählen, Ausschwemmungen verhindern, Lage und Größe der Plätze anpassen. 105 auf 68 Meter sei ein Platz mittlerer Größe. Das genüge.

Unabhängig davon fordert Hans Forster (CSU): „Wir brauchen in der Stadt dringend ein bis zwei Kunstrasenplätze.“ Denn aktuell würden Vereine nach Raigering oder Tachau zum Wintertraining fahren. Mit Kunstrasenplätzen hier könnten obendrein bei der Benutzung Einnahmen generiert werden.

Keine Nein-Sager-Partei

Ein Plädoyer für Naturrasen und gegen die Grünen als Nein-Sager-Partei hält Gisela Helgath: „Wir haben was übrig für die Vereine, wir wollen, dass Fußball gespielt wird, wir haben für den Kunstrasenbau gestimmt. Aber jetzt gibt es nunmal neue Erkenntnisse.“ Trotzdem sei ein Naturrasen nicht das richtige Gras, meint Wolfgang Pausch. Und es gelte zu bedenken, zwei Kunstrasenplätze würden einige Rasenplätze ersetzen. Der erste Grüne ist überzeugt: Unter anderem „wegen des Reifenabriebs und der Benzinkosten, die bei den Fahrten zu den Kunstrasenplätzen entstehen, neige ich dazu, dem Kunstrasen zuzustimmen“, sagt Veit Wagner.

Stadtkämmerin Cornelia Taubmann schlägt in die gleiche Kerbe: Man müsse die ökologische Bilanz in ihrer Gesamtheit betrachten. Und die fiele zugunsten der Kunstrasenplätze aus. Denn durch deren Bau müssten viele Menschen viele Wege nicht mehr zurücklegen. Obendrein werde so Wohnbebauung in der Innenstadt möglich. Von zwei Mal 33 000 Quadratmetern spricht Taubmann. „So vermeiden wir Flächenfraß nach draußen durch neue Baugebiete auf der grünen Wiese. Der Beschluss sollte also beibehalten werden.“

Und das wird er schließlich auch – in leicht abgewandelter Form. Außer Helgath und Bärnklau (Grüne) sagen die Stadträte Ja zum Juni-Beschluss, trotz ökologischer Bedenken zwei Kunstrasenplätze mit Kork in mittlerer Größe (105 auf 68 Meter) vorzuhalten. Das stünde laut OB einem DFB-Leistungszentrum wie der Spielvereinigung gut zu Gesicht.

Hintergrund:

Daraus wird Kunstrasen gemacht

Nach Angaben der favorisierten Firma sind die Kunststoffrasenbeläge aus unbedenklichem Polyethylen (PE) gefertigt. Problematischer ist das Einstreugranulat zu bewerten. Die Bandbreite reicht vom recycelten Altreifen (im schlechtesten Fall) bis zum natürlichen Kork-Granulat (im besten Fall). Letzteres ist beim Bauvorhaben von SpVgg SV vorgesehen. Das Kork-Einstreugranulat werde aus Resten der Korkstopfenproduktion hergestellt. Bei der vorgesehenen Elastikschicht handelt es sich um eine maschinell vorgefertigte Lösung, die nach allen deutschen und europäischen Normen zertifiziert und überwacht sei. Es sei zu bedenken, dass auch Granulate aus Kork schwimmfähig sind. Bauliche Maßnahmen müssten verhindern, dass diese sich durch Abschwemmung auf umliegende Flächen verteilen.

Das sagt die Stadtverwaltung zum Kunstrasenbau

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