29.05.2018 - 15:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Praktischer Problemfall Plastik

Frisch gebrühter Kaffee zum Mitnehmen, die Currywurst "to go", eine stabile Tragetasche beim Wocheneinkauf. Praktisch, produziert aber auch ein Problem: Unmengen an Plastikmüll. Doch wie gehen Weidener Gastronomen, Unternehmen und Vereine damit um?

Teller, Flaschen, Becher: Plastik ist im Alltag kaum wegzudenken. Das ist ein Problem.
von Julia Hammer Kontakt Profil

(juh) "Wir versuchen seit Jahren, so gut es geht auf Plastik zu verzichten", erzählt Dieter Held, Inhaber des Imbisses am ZOB. Wer sein Schaschlik oder Nudel vor Ort essen möchte, bekommt die Mahlzeit auf Porzellanteller - "und richtigem Besteck". Viele seiner Kunden haben es eilig, holen sich schnell etwas in ihrer Mittagspause. Dann natürlich "zum Mitnehmen". Auch da setzt Held auf die umweltfreundliche Varianten. Die Schalen bestehen aus Pappe, um die Speisen warm zu halten, kommt Alufolie darüber. Dazu gibt es Holzstäbchen. "Nur für ein Gericht benutzen wir Schaumschalen - Currywurst mit Pommes."
Getränke gibt es im Pappbecher. "Nur bei den Strohhalmen geht es nicht ohne Plastik - keine Alternativen", bedauert Held. Ab und zu kämen Kunden, die ihre eigenen Dosen mitbringen. Eine gute Idee findet der Inhaber. Allerdings auch eine problematische. "Lebensmittelrechtlich darf ich kein Fremdgeschirr über die Theke annehmen. Bedauerlich, weil es viel Müll sparen würde." Aktuell gebe es Überlegungen, die Plastik- durch Papiertüten zu ersetzen. Das wäre aber mit erheblichen Mehrkosten verbunden. "Plastik ist sehr billig. Eine Papiertüte würde in der Anschaffung das Zehnfache kosten."
Ein Betrag, den Held nicht auf seine Kunden umwälzen will. "Wir suchen nach Lösungen." Bis dahin werde jeder Gast gefragt, ob er überhaupt einen Beutel brauche. "Da erkennen wir bei vielen ein Umdenken. Viele lehnen ab." Ein Umdenken müsse es auch in der Industrie geben. "Wir machen alles, was wir können. Aber uns dürfen keine Steine in den Weg gelegt werden - zum Beispiel durch überteuerte Produkte."
Auch der Supermarkt Rewe - so wie etliche andere auch - verzichtet vermehrt auf Plastik. Vor rund einem Jahr schaffte das Unternehmen die Plastiktüte ab. Kunden haben jetzt die Wahl zwischen Papiertüten, Jute-, und Baumwollbeutel sowie einem Einkaufskarton. "Das war für die Kunden am Anfang eine Umstellung", erzählt eine Sprecherin des Unternehmens. Immer wieder seien die Verkäufer gefragt worden, wann denn die "praktische Plastiktüte" wieder kommt. Grundsätzlich sei die Veränderung aber gut angekommen.
Welche Auswirkungen Plastikmüll haben kann, weiß Thomas Albert, Vorsitzender des Fischereivereins Weiden. Zwei Mal jährlich rückt er mit seinem Team aus und reinigt Gewässer. "Da kommt ganz schön was zusammen." Plastikflaschen, Fastfood-Verpackungen, Einwegbecher. "Das tragen wir säckeweise weg." Vor allem an den Ufern liege der Müll. "Der stammt von Spaziergängern, Leuten, die ihn aus dem Auto werfen." Gelangt das Plastik in die Gewässer, kann das tödliche Folgen für die Fische haben. "Sie verheddern sich oder verschlucken Teile." Doch wie geht der Verein ansonsten mit dem Material um - etwa beim eigenen Fischerfest? "Da bewirten wir unsere Gäste mit Porzellanteller und ganz normalem Besteck. Künftig wollen wir auch auf Plastiktüten verzichten, wenn wir Fisch beim Fest verkaufen. Doch das ist viel teurer", bedauert Albert und kritisiert die Politik. "Da muss sich etwas ändern. Es kann nicht sein, dass es einem schwer gemacht wird, wenn man etwas für die Umwelt machen will."
Dieser Meinung ist auch Sonja Schuhmacher, Vorsitzende des Bund Naturschutzes Weiden. Noch immer werde zu wenig gegen das "hohe Müllaufkommen" getan. Noch immer würden Konsumenten zu achtlos damit umgehen, "sich einen Kaffeebecher kaufen, ohne über die Folgen nachzudenken". "Dann werfen sie ihn in die Natur, bedenken nicht, dass er ins Ökosystem gelangt, im schlimmsten Fall Tieren schadet." Ein Kreislauf, der auf die Menschen zurückfalle. "Die Fische fressen unseren Müll. Die landen dann auf unseren Tellern, wodurch wir das Plastik konsumieren."
Auch in Kosmetikartikel und Shampoos seinen Spuren von Mikroplastik zu finden. "Die gelangen dann ins Grundwasser." Die Lösung: "Bewusster leben, beispielsweise auf Plastikflaschen verzichten. Man kann sich einen Wassersprudler anschaffen. Praktisch und umweltschonend." Und beim wöchentlichen Einkauf? Da greift Schuhmacher gerne zum altbewährten Einkaufskorb.

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