23.11.2020 - 15:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Prozessbeginn in Weiden: Tännesberger Pannen-Bankräuber gesteht

Die Pannen-Serie der Tännesberger Bankräuber nimmt kein Ende: Am ersten Verhandlungstag vor dem Weidener Landgericht gesteht der 28-jährige angeklagte Fluchtautofahrer – und berichtet von weiteren Pleiten der Bande.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
von Autor RNSProfil

Am Montag fand der erste von acht geplanten Verhandlungstagen vor der 1. großen Strafkammer des Weidener Landgerichts statt. Der 28-jährige Angeklagte soll bei Banküberfällen unter anderem in Tännesberg der Fluchtautofahrer gewesen sein.

Nach eingehender Beratung mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Uwe Mosig (Dresden), rang sich der Angeklagte zu einem umfassenden Geständnis durch. Staatsanwältin Vera Höcht wirft dem 28-Jährigen vor, bei zwei geglückten und zwei gescheiterten Banküberfällen als Fluchtautofahrer fungiert zu haben. Aufgrund des Geständnisses wird sich voraussichtlich die Prozessdauer erheblich verkürzen.

Der Tscheche hatte sich mit drei anderen im Jahr 2015 zusammengeschlossen, um Straftaten, insbesondere Banküberfälle, zu begehen. Einer der Mittäter wurde 2017 vom Landgericht zu sechs Jahren Haft verurteilt. Bei den beiden anderen stehen die Verhandlungen noch aus.

Der jetzt Angeklagte sitzt zurzeit in Tschechien wegen verschiedener Delikte in Strafhaft, unter anderem wegen Diebstahl eines Autos, das die Räuber beim Überfall auf eine Sparkassenfiliale im Landkreis Meißen benutzt haben. Für den Prozess wurde der Ledige von den tschechischen Behörden nach Weiden überstellt. Nach dem Urteil muss er seine Strafe entweder anschließend an die zurzeit verbüßte Strafe in Tschechien absitzen oder er kommt in eine deutsche Vollzugsanstalt.

Die Vorgeschichte: Ein Überfall der Gruppe in Großenhain (Sachsen) scheiterte wohl, weil in der Sparkasse kein Geld vorrätig war. Es handelte sich um eine reine Beratungsfiliale. Ebenso klappte es in Tännesberg am 1. September 2015 nicht. Die Sparkasse hatte geschlossen. Zwei Raubzüge jedoch gelangen. Nach dem gescheiterten Versuch in Großenhain fuhren die Männer nach Kolkwitz (Brandenburg). Hier sollen sie, maskiert und mit Pistolen bewaffnet, 20.470 Euro und 700 australische Dollar erbeutet haben. Die Sparkasse in Tännesberg suchten sie zwei Tage nach dem ersten Versuch nochmals heim. Diese Mal musste ihnen eine Bankangestellte 7225 Euro aushändigen. Das Geld aus den Raubzügen teilte der „Chef“ der Bande, ein – nach Aussage des Angeklagten – „verrückter“ ehemaliger Fremdenlegionär und Afghanistan-Kämpfer, mit seinen Komplizen. Er selbst habe, weil er geringeres Risiko zu tragen gehabt habe, weit weniger bekommen als die anderen, berichtete der Angeklagte.

Bei der Befragung des gelernten Kochs hörte man von weiteren Pannen, die den Unglücksraben zugestoßen waren. Nachdem sie von einem Polizeihubschrauber gesucht wurden, bekam der Bandenboss Panik. Er dirigierte den Fahrer des Fluchtfahrzeugs auf eine Landstraße, mit der Folge, dass der Audi A8 von der Straße abkam und in einem Waldstück liegen blieb. Die Täter mussten zu Fuß weiter fliehen. Ein anderes Mal kam es zu einer Kollision mit einem Mercedes. In Österreich wurde die Bande einmal von der Polizei kontrolliert. Diese fand Sturmhauben, wie sie bei Überfällen benutzt werden, und mehrere Waffen bei den Männern. Auch ein Überfall auf ein Juweliergeschäft in Tachov war laut Angeklagtem einmal gescheitert.

Die Vorgeschichte zum Bankräuber-Prozess

Weiden in der Oberpfalz

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