13.09.2021 - 12:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Psychisch Kranke finden in der Oase Weiden nach Corona wieder Mut

Wie ein Rettungsanker bietet die Tagesstätte Oase in Weiden allen psychisch kranken Menschen aus der Stadt Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN Hilfe und Halt. Corona hat den Betrieb verändert. Aber das Angebot steht nach wie vor.

In der Oase Weiden finden psychisch Kranke Halt. Das Angebot ist breit gefächert. Beim Basteln, Spielen oder Kochen finden sie eine Art Tagesstruktur. Edwin Biller (hinten Mitte) und Christine Zierer (rechts) gehören zum Mitarbeiter-Team der Tagesstätte.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Menschen, die sich in einer akuten Lebenskrise befinden oder gar an einer psychischen Erkrankung leiden, brauchen Halt und finden Schutz in festen Tagesstrukturen. Wie wichtig ein geregelter Alltag in einer Gemeinschaft ist - gerade in Pandemiezeiten, wo viele Menschen sehr einsam sind - zeigt die Tagesstätte Oase in Weiden. Die Einrichtung musste ihren Betrieb eine zeitlang coronabedingt fast gänzlich einstellen und nach dem Lockdown eingeschränkt starten. Die Einrichtung kommt aber nun wieder in Schwung, zur Freude der Besucher.

Wie schwer die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens die Nutzer der Oase getroffen hat, erzählen die beiden Team-Mitglieder, Sozialpädagogin Christine Zierer, und der pädagogische Mitarbeiter Edwin Biller. "Corona hat unser soziales Leben gravierend eingeschränkt. Wir mussten schließen. Damit ist das Spontane bei uns total weggefallen", erklärt der examinierte Krankenpfleger. Vor der Pandemie konnten die Besucher ohne Anmeldung einfach vorbeischauen. "Manche kamen nur auf eine Gespräch bei einem Kaffee. Andere blieben den ganzen Tag." Aktuell braucht man zwingend eine Anmeldung. Das schrecke etliche Menschen ab. Und dabei hätten bestimmte Personen gerade in der Coronakrise besondere Unterstützung und Zuwendung gebraucht. Biller: "Bei manchen machten wir uns schon große Sorgen, wie sie ohne die regelmäßigen Besuche bei uns klarkommen."

Corona verstärkt die Ängste

"Die Grunderkrankung bleibt ja", meint der 52-jährige Biller. "Durch Corona hat es sich aber bei vielen noch verschlimmert. Die Ängste verstärken sich. Bei Schizophrenie werden die Wahnvorstellungen von der Einsamkeit noch befeuert." Insgesamt spiele die Angst eine sehr große Rolle. Die Sozialpädagogin erklärt, dass es Besucher gebe, die sich bis heute nicht in die Oase trauen: "Die einen haben Angst, dass sie sich mit Corona anstecken könnten. Andere kommen nicht wegen der Regeln wie der Maskenpflicht." Nach dem Lockdown hatten einige große Befürchtungen, die Einrichtung müsse im Winter erneut schließen.

Das Team der Oase versuchte, den Kontakt zu ihren Schützlingen nicht abreißen zu lassen. Mit Telefongesprächen, E-Mails oder einem regelmäßigen Newsletter, in dem Rätsel, Tipps gegen Langeweile und Bastel- oder Malvorlagen standen, versuchten sie ihre treuen Besucher in der Krise zu begleiten und etwas aufzuheitern. "Wir trafen uns auch zu Spaziergängen", ergänzt die 26-jährige Sozialpädagogin. "Wir zählten am Tag bis zu 15 Anrufer." Erfreulicherweise stellten die Mitarbeiter fest, dass sich viele Besucher auch untereinander verknüpft hatten und füreinander da waren. Dennoch fehlte ihnen die gewohnte Routine: das gemeinsame Spielen, Kochen, Basteln oder Mittagessen. "Von einigen Besuchern haben wird seit der Schließung leider gar nichts mehr gehört", meint Biller.

Hoffen auf weitere Lockerungen

Umso wichtiger sei es, dass die Oase nun wieder anläuft. Das betont auch die Leiterin des Soziotherapeutischen Zentrums Nordoberpfalz (STZ), Diplom-Sozialpädagogin Ursula Hösl, die auf weitere Lockerungen hofft: "Wir freuen uns über jeden Interessenten, der zu uns kommt und sich unser Angebot anschaut. Jeder ist willkommen und darf sich mit Ideen einbringen." Biller nennt konkrete Zahlen: "Früher zählten wir bis zu 40 Personen über den ganzen Tag verteilt. Jetzt machen wir zwei Gruppen mit jeweils zehn Personen." Die Oase biete Sozialtherapie, die nach einem simplen Prinzip funktioniere: "Es treffen sich Menschen mit ähnlichem Schicksal. Sie können sich untereinander austauschen und merken, dass sie auf Verständnis stoßen."

Mit alltagspraktischen Angeboten stärken die Besucher ihre Selbstfürsorge und Selbstwahrnehmung. Als Beispiel nennt Hösl die neu gegründete Selfcare-Gruppe: "Diese Gruppe wurde von einer Besucherin initiiert. Bei den monatlichen Treffen geht es im Grunde darum, wie man ein gutes Lebensgefühl erhalten kann. Für was kann ich in meinem Leben dankbar sein? Das verliert man oft aus den Augen." Noch vor der Pandemie habe man auch für junge Erwachsene eine Gruppe ins Leben gerufen, die seit dem Lockdown leider brach liege. "Die wollen wir jetzt wieder aktivieren. Alle Interessenten zwischen 18 und 30 Jahren sind bei uns herzlich willkommen.", meint die Leiterin. Auch die Außenstelle in Vohenstrauß sei einmal wöchentlich (Dienstag von 9 bis 16 Uhr) wieder geöffnet.

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OASE-Neustart in Weiden

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Sozialpädagogin Christine Zierer gehört zum Oase-Team in Weiden.
Edwin Biller zählt seit über 20 Jahren zum Oase-Team.
Service:

Anlaufstellen für psychisch Kranke und Menschen in Lebenskrisen

  • Die Tagesstätte Oase ist ein niederschwelliges Angebot für alle psychisch erkrankten Menschen. Für die Besucher der Tagesstätte fällt keine Beteiligung an den Betreuungskosten an. Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr, Donnerstag von 13 bis 16 Uhr, Freitag von 9 bis 12 Uhr. Kontakt: Sozialteam OASE Weiden, Hochstraße 21, 92637 Weiden, E-Mail: oase.weiden[at]sozialteam[dot]de. Anmeldung unter Telefon: 0961/4161352
  • TelefonSeelsorge Nordoberpfalz, Postfach 2524, 92615 Weiden. Telefon: 0961/418217, E-Mail: tsnopf[at]t-online[dot]de. Für Seelsorge- und Beratungsgespräche die kostenfreien Nummern 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 nutzen.
  • Die Krisendienst Oberpfalz gGmbH unterstützt hilfsbedürftige Personen. Prävention, Krisenintervention und Vermittlung in das bestehende Hilfesystem sind zentrale Bezugspunkte. Täglich rund um die Uhr kostenfrei und anonym erreichbar unter Telefon: 0800/655 3000.
  • Der Sozialpsychiatrische Dienst der Caritas hilft Menschen mit seelischen Problemen und Erkrankungen. Er hilft in Personen in Krisensituationen. Es werden Fragen zu psychiatrischen Behandlungen und Klinikaufenthalten beantwortet. Auch Angehörige von Menschen mit seelischen Problemen dürfen sich melden. Kontakt: Beratungsstelle für seelische Gesundheit, Bismarckstraße 21, 92637 Weiden, Telefon: 0961/389 05-0, E-Mail: info[at]spdi-weiden[dot]de
  • Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) unterstützt in Fragen zur Teilhabe: wenn Fragen zur Assistenz oder zu Hilfsmitteln auftauchen oder wenn man wissen will, was ein Teilhabeplan ist. EUTB Büro Weiden, Parksteiner Straße 15, Räume des ARV, 92637 Weiden. Terminvereinbarung unter Telefon: 0170 4089824, E-Mail: weiden[at]eutb-bayern[dot]org; Internet: http://www.eutb-bayern.org. Öffnungszeiten: Dienstag: 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr, Mittwoch und Donnerstag: 10 bis 13 Uhr.

 

 

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