03.07.2020 - 09:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ralf Herbst über Emotionen als Blue-Devils-Kapitän, unechte Zähne und harte Schalen

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Er lebt für seine Leidenschaft. Dafür hat er nicht nur einen Zahn geopfert. Ralf Herbst ist Kapitän der Weidener Eishockey-Mannschaft Blue Devils. Der 34-Jährige erzählt, was er an der Kabinen-Zeit so mag und was ihn richtig sauer macht.

Ralf Herbst (l)
von Julia Hammer Kontakt Profil

ONETZ: Nach 33 Sekunden hast du das letzte Oberpfalzderby gegen den EV Regensburg für die Blue Devils entschieden. Hat ein Derby für dich als gebürtiger Schwabe überhaupt eine Bedeutung?

Ralf Herbst: Absolut. Ich spiele jetzt seit sieben Jahren für die Blue Devils, vor 13 Jahren habe ich hier schon einmal eine Saison gespielt. Da gibt es natürlich eine große Verbundenheit zum Verein. Und deshalb will man ein Derby unbedingt gewinnen. Bei solchen Spielen herrscht immer eine ganz besondere Stimmung. Auch, wenn wir davor vier Spiele verloren haben – in ein Derby geht man viel motivierter. Das spüren wir auch an den Fans.

ONETZ: Derartige Veranstaltungen sind jetzt passé. Hatten die Corona-Maßnahmen bereits Folgen für die Blue Devils?

Ralf Herbst: Grundsätzlich bin ich jemand, der sich von so etwas nicht verunsichern lässt. Aber ja – bei der Verabschiedung haben wir es gemerkt. Normal ziehen wir unsere Handschuhe aus und geben uns die Hand. Diesmal haben wir sie angelassen und uns nur abgeklatscht. Sportlich gesehen ist es natürlich wahnsinnig ärgerlich – vor allem, da jetzt auch die Playoffs abgesagt worden sind. Wir haben sie in diesem Jahr nicht erreicht, aber hätten wir das, hätte ich mich absolut geärgert, wenn wir wegen Corona nicht spielen hätten können.

ONETZ: Du bist in Wernau aufgewachsen. Dagegen ist Weiden eine Großstadt. Fühlst du dich hier zuhause?

Ralf Herbst: Wernau hat nur 12.000 Einwohner. Dagegen ist Weiden fast eine Metropole. Ich fühle mich hier inzwischen absolut Zuhause. Deshalb habe ich mir hier auch mit meiner Frau ein Haus gekauft, in dem ich mit ihr und unserem Labrador Jake lebe. Ja, ich plane, noch einige Zeit hier zu bleiben. Ich mag die Altstadt, die viele Natur in der Umgebung. Man hat hier viele Möglichkeiten. Toll finde ich auch die vielen Seen, die um Weiden sind. So etwas hatten wir in Wernau nicht.

Musiker Winni "Wonder" Rudrof bei LEO trifft ...

Amberg

ONETZ: Wie kommt man als schwäbischer Junge zum Eishockey?

Ralf Herbst: Ich bin in Wernau aufgewachsen, eine Stadt im Landkreis Esslingen in Baden- Württemberg. Da war nicht viel los. Ein Kumpel von mir hat Eishockey gespielt, sein Vater war Trainer. Ich war 8 Jahre alt, als ich das erste Mal mitgegangen bin. Und ich bin dabeigeblieben. Viel Eishockey-Nachwuchs hat es dort nicht gegeben. Wir haben viel trainiert, sind viel Schlittschuh gelaufen. Übung ist wichtig. Auch heute noch.

ONETZ: Was begeistert dich am Eishockey?

Ralf Herbst: Eishockeyspieler ticken alle gleich. Wir sind wie kleine Kinder. Das schöne ist der Mannschaftszusammenhalt, der Spaß in der Kabine. Musik an, quatschen, Anspannung abbauen. Natürlich gibt es auch solche in unserem Team, die kurz vor Spielen komplett in sich sind und ihre Ruhe brauchen. So bin ich nicht. Ich rede gern, will ein bisschen Spaß haben – und dann gehe ich motiviert ins Spiel. Außerdem mag ich die Auseinandersetzungen auf dem Eis. Man kann sich auch mal boxen. Das geht bei vielen anderen Sportarten nicht.

LEO trifft ... Eishockeyspieler Ralf Herbst.

ONETZ: Apropos Auseinandersetzung: Hast du noch alle Zähne?

Ralf Herbst: Ich habe alle Zähne, aber drei davon sind nicht mehr meine eigenen. Mich hat ein Schläger ins Gesicht getroffen – das wars dann mit den drei. Eine blutige Angelegenheit – aber nicht meine einzige Verletzung. 2013 ist mir nach einem Check durch einen anderen Spieler die Bizepssehne gerissen. Das war schmerzhaft. Danach war ich drei Monate nicht auf dem Eis, weil es so lange gedauert hat, bis es geheilt war. Ich habe mir auch andere Bänder gerissen. Eigentlich haben wir durch unsere Ausrüstung viel Schutz, aber Verletzungen gehören einfach zu diesem Sport. Davor darf man auch keine Angst haben. Angst hemmt.

ONETZ: Du bist, wie man es von einem Hockey-Kapitän erwartet, ein Bär von einem Mann - mit weichem Kern oder doch Macho?

Ralf Herbst: Das kommt immer darauf an. Klar, außen harte Schale, aber auch innen nicht viel weicher. Ich sehe alles ziemlich locker, nehme nicht alles ernst. Emotional werde ich aber, wenn wir ein Spiel verlieren. Vor allem, wenn es blöd gelaufen ist und es unsere Schuld war. Dann bin ich richtig sauer. Und das dauert dann teilweise die ganze Nacht. Ich gehe dann sofort nach Hause und brauche meine Ruhe. Meine Frau weiß das und nimmt mir das auch nicht übel. Aber in dieser Situation kann ich einfach nicht anders.

ONETZ: Gibt es einen Fan-Kult in Weiden und wirst du auf der Straße erkannt?

Ralf Herbst: Wir haben schon Fans, aber das ist nicht vergleichbar mit Fußballspielern. Wir haben eher Ruhe. Klar passiert es, dass mich jemand anspricht, wenn ich durch die Altstadt laufe. Aber das kommt selten vor. Wenn mal jemand ein Autogramm will, ist das schön. Aber würde mir das dauernd passieren – das wäre nichts für mich.

ONETZ: Womit vertreibst du deine Zeit im Sommer, wenn die Saison vorbei ist?

Ralf Herbst: Unsere spielfreie Zeit ist von März bis September. Das bedeutet: sehr viel Freizeit. Meine Frau arbeitet … also sitze ich viel vor meiner Playstation oder bin mit unserem Hund unterwegs. Ich habe auch einen Angelschein. Vergangenes Jahr habe ich es nur zwei Mal geschafft. Vielleicht versuche ich es diesen Sommer noch einmal. Und natürlich viel Sport. Ich gehe vier bis fünf Mal ins Fitnessstudio. Man darf ja seine Muskeln und Ausdauer nicht vernachlässigen.

ONETZ: Im März hast du deinen Vertrag bei den Devils verlängert. Welche Pläne hast du für die Zeit nach deiner Profikarriere?

Ralf Herbst: Grundsätzlich kann man Eishockey – im Gegensatz zu anderen Sportarten wie Fußball – so lange spielen, wie man fit genug ist. Aber mir ist klar, dass das nicht für immer sein wird. Auch wir können unser Alter irgendwann nicht mehr leugnen. Deshalb mache ich mir schon Gedanken, wie es danach weitergeht. Ich mache einen Eishockey-Trainerschein. Allerdings will ich auch noch eine berufliche Ausbildung machen – unabhängig von diesem Sport. Ich bin gelernter Fensterbauer. Das musste ich damals von meinem ehemaligen Verein aus machen. Zur Absicherung, falls ich mich so schwer verletzte, dass ich nicht mehr spielen kann. Das war auch gut, aber in diesem Beruf will ich nicht für immer arbeiten. Was ich mir gut vorstellen könnte … Speditionsfachmann oder Zahntechniker.

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