23.07.2018 - 14:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rasende Kisten vor tausenden Zuschauern [Video]

Das Weidener Seifenkistenrennen 2018 ist ein riesiger Erfolg und bleibt spannend bis zum Schluss. Wer setzt sich auf der Strecke gegen die Mitbewerber durch?

von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Der Sonntag startet mit durchwachsenem Wetter. Das ist aber nicht der Grund, warum sich der Start zur Neuauflage des Spektakels verzögert. Zwei Unfällen mit Rettungseinsätzen bei den Testrunden sorgen dafür, dass die ersten Starter gegen 14 Uhr auf die Piste gehen. Dennoch kann der Zeitplan auch nach hinten noch eingehalten werden. Ein sportliches Unterfangen bei insgesamt 47 Startern, die am Sonntag in der endgültigen Anmeldeliste stehen. 32 Teilnehmer gab es noch bei der Premiere der Veranstaltung im vergangenen Jahr. "Wir hatten schon erwartet, dass es ein paar mehr Kisten sein würden", sagt Sebastian Flaschel von der Rennleitung. Die hohe Zahl von 47 habe ihn dann doch überrascht. Bei mehr als 50 hätte man "die Reißleine ziehen müssen".

Warum, das wird beim Gang durch die Boxengassen klar. Dicht an dicht stehen die Pavillons der Teilnehmer, dazwischen drängen sich Besucher, schieben Teams ihre Fahrzeuge zum Startbereich. Es geht gelöst und kollegial zu. Ein wenig Campingatmosphäre, etwas Volksfest und ein Hauch von Formel 1. Gäste staunen, wenn die Tüftler von ihren Schätzen erzählen. Da sind die "Kepler"-Schüler, die ihre Seifenkiste wie eine Schulbank gestaltet haben inklusive aufgeschlagenem Biologie-Buch, Heft und Tafelschwamm. Aber die Technik steckt im Detail: zwei Bordcomputer und Funk. So kommen laufend Geschwindigkeitsdaten in der Box an. Karl Seiler, Stadtmeister von 1960, ist mit dem Team "Weiden Anno 1960" und der restaurierten Original-Seifenkiste am Start. Er muss viele Fragen beantworten, erntet Anerkennung und lobt, ganz Sportsmann, auch andere Teams für deren Entwürfe. Und er wird ganz weit nach vorne kommen.

Das Video zur Veranstaltung

Bereits vor dem Start kürt eine Jury die kreativsten Kisten. Platz eins belegt der "Freedom Racer" des Netzwerks Asyl. Dahinter folgt die Flossenbürger Museumscafé-Torte der HPZ-Werkstätten und die "Feuerrakete" der Jugendfeuerwehr Neunkirchen. Eine außerordentliche Erwähnung erfährt der "Pfitschapfaal" des privaten Teams "d'Spitzoum" (Thomas Wild und Norbert Kick). Sie überzeugen mit einer sehr edlen Anmutung ihres stromlinienförmigen Renners. Dessen einzeln verleimte Pappelleisten erinnern weniger an eine Seifenkiste als an eine noble Yacht. Peter Hofmann vom DGB, der im unteren Bereich die Streckenfreigabe überwacht, glaubt ohnehin, dass sich viele besser vorbereitet haben als vor einem Jahr. "Mir kommen die heuer alle ein bisschen schneller vor."

Nicht jeder Flitzer geht so windschnittig auf die Strecke. Die "Villa Kunterbunt" hat, der Name sagt es, die Stromlinienform einer Schrankwand. Einige angedeutete Rauchschwaden des Kamins aus Watte bleiben auf der Strecke, und im Zieleinlauf ist gar etwas Anschub gefragt. Für die Show auf den etwa 400 Metern haben sich die Bastler einiges einfallen lassen. Bunter Rauch quillt aus Rohren. Ein Feuerwehrauto beherrscht das "Tatütata" wie ein großes. Die "Cocotte" des Teams Galerie Recknagel ist eine Ente im Miniaturformat. Zu den liebevollen Details zählt ein Tacho mit optimistischen 120 km/h. Wie viel Arbeit steckt in so einem Gefährt? "Nach 100 Stunden habe ich aufgehört, zu zählen", sagt Erbauer Hervé Glatigny. Egal, ihm macht es Spaß. "Ich tue alles dafür, dass dieses Fest jedes Jahr wieder kommt."

Das Seifenkisterennen hat Fans. So auch Bürgermeister Jens Meyer, der die offizielle Eröffnung übernimmt. "Ich war letztes Jahr schon da, und es ist ein Sonntag, den ich mir ganz bewusst freigehalten habe", erzählt er. Es sei erstaunlich, mit welcher Hingabe sich die Teilnehmer über Monate mit den Vorbereitungen beschäftigt hatten. Das sei vorbildliches bürgerschaftliches Engagement. OB Kurt Seggewiß ist von dem "tollen Event" begeistert. "Die Leute haben einfach Spaß." Die Organisatoren Stadtjugendring und "Weiden ist bunt" haben großes Glück mit dem Wetter. Noch am Samstag war eine Absage wegen Regenschauern nicht ausgeschlossen. Erst am Samstagnachmittag ist klar, dass die Veranstaltung durchgezogen wird. Und am Sonntag zieht optimales Rennwetter massenweise Zuschauer an. Sowohl Veranstalter als auch Polizei schätzen, dass die Besucherzahlen des Vorjahres von mehr als 6000 wieder erreicht werden dürften.

Diese erleben in den Testläufen und im Rennen spannende Fahrten. Insbesondere die Reifenbegrenzungen sind heikel. Auch die Kiste des Teams Oberpfalz-Medien touchiert die Bande, erleidet einen schweren Reifenschaden. Doch dank Ersatzteilen und Werkzeug in der Box ist der Flitzer rechtzeitig wieder einsatzbereit. Bei den beiden Stürzen in Testläufen wurden zwei Fahrer leicht verletzt. Die Fahrzeuge aus dem Team Dr. Loew Soziale Dienstleistungen, das mehrere Starter stellte, waren in die Fahrbahnbegrenzungen gefahren. Die Fahrer wurden auf der Strecke versorgt und ins Klinikum eingeliefert. Laut Sebastian Flaschel von der Rennleitung habe das Verletzungsmuster zunächst "schwerer ausgeschaut, als es ist". Und Mitorganisator Florian Landgraf kann noch am Nachmittag Entwarnung geben. Keiner der Fahrer habe Brüche erlitten, es sei bei Schürfwunden geblieben.

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Hintergrund:

Die schnellsten Teams

Die sechs schnellsten Teams erhielten Pokale. Auf Platz 1 kam die Hör Technologie GmbH mit "Currus 1" und einer Bestzeit von 24,32 Sekunden. Es folgten "d'Spitzboum" mit dem "Pfitschapfaal" (24,40 Sekunden), das Team Karl Seiler "Anno 1960" mit dem "Original 104" (24,97 Sekunden), die Hans-Scholl-Realschule mit dem "High-Speed-Racer" (25,42 Sekunden), Spieleverein Weiden/Kabelkonfektion Völkl (Team "Unicorn") mit dem Rosa Einhorn 2 (25,49 Sekunden) und das Weiherteam Irchenrieth auf dem "Roadrunner" (25,64 Sekunden). "Sieger der Herzen" wurde das Team "Pool Runnings". Die etwa zehn Familien aus Weiden und Letzau hatten den "Pool Runner" ins Rennen geschickt.

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