Die Insolvenz der Ziegler Group war eine der größten Firmenpleiten in der Oberpfalz. Trotzdem ist bei der Verleihung des Herbert-Quandt-Preises im Hilton Airport in Frankfurt am Main das Schicksal des kleinen Familienbetriebs Betzenmühle in Plößberg (Landkreis Tirschenreuth), das zum größten Sägewerk Europas mit mehr als 40 Tochtergesellschaften mit einem beinah Milliarden-Umsatz und internationalen Niederlassungen wuchs, um dann unterzugehen, kaum einem Gast ein Begriff. Bis Laudator Jan-Eric Peters spricht und der Film über den Preisträger aus Weiden beginnt.
Der Zwölfminüter porträtiert Wolfgang Würth, den Redakteur bei Oberpfalz-Medien, der in einem Dossier den "Aufstieg und Fall" der Ziegler Group beleuchtete. Diese vier Textbeiträge und das Video, die am 22. November 2025 online im Onetz sowie in der Tageszeitung "Der neue Tag", "Amberger Zeitung" und "Sulzbach-Rosenberger Zeitung" erschienen sind, überzeugten die Jury.
Laudator und Jury-Mitglied Jan-Eric Peters urteilt: "Sie haben aus einem regionalen Ereignis eine beeindruckende Fallstudie von übergreifender Bedeutung gemacht." Weit abseits von sogenannten Leitmedien und nationalen Wirtschaftstiteln habe Wolfgang Würth "mit seiner Artikelserie [...] ein Wirtschaftsdrama, das in seiner Wucht eine ganze Region [und vor allem 3500 Mitarbeiter] erschütterte, geradezu seziert".
Plötzlich sei es bei der Berichterstattung des 47-jährigen Redakteurs aus Weiden nicht mehr nur um eine Pleite gegangen. Peters: "Es ging um die Verlockungen billigen Geldes. Um die Risiken rasanten Wachstums. Um die Frage, wann aus unternehmerischem Mut Übermut wird. Und um die Rolle der Banken, die jahrelang zuschauten und fahrlässig finanzierten – und eine Pleite dieses Ausmaßes erst möglich gemacht haben."
Der Unternehmer Stefan Ziegler, sein Wirken, seine Visionen: Das konnte nicht gut gehen, wissen andere aus der Region im Rückblick. "Ich hab' am Anfang schon dran geglaubt", gesteht Wolfgang Würth im Filmbeitrag. Die Jury schließlich urteilt, der Redakteur sei "nah genug dran [gewesen], um die Bedeutung zu erkennen, und professionell genug, um zugleich die kritische Distanz zu wahren". So habe er gezeigt, wie nah beieinander Erfolg und Scheitern im Unternehmertum liegen können.
Die schönste Botschaft des Tages der Preisverleihung sah Laudator Peters dann übrigens darin, dass großer Wirtschaftsjournalismus manchmal dort entsteht, wo ihn viele gar nicht vermuten würden – mitten im Land, mitten im Mittelstand und mitten im Leben der Menschen, die von wirtschaftlichen Entscheidungen direkt betroffen sind: "Exzellenter Journalismus ist keine Frage der Postleitzahl."
Dass die Jury auch nach Weiden und Plößberg und damit auf Oberpfalz-Medien geschaut habe, dafür dankt schließlich Preisträger Würth. Einen großen Dank richtet er auch an die mitgereiste geschäftsführende Verlegerin Viola Vogelsang-Reichl und Simone Baumgärtner, Leiterin des Wirtschaftsteams und Mitglied der Chefredaktion. Vor allem aber dankte er auch den Kollegen, die die Beiträge gegengelesen sowie im Video mit Marina Gube und in Print mit Sandra Schmidt und Frank Stüdemann so ausdrucksstark illustriert hätten. Hatte die Jury doch auch diese anschauliche grafische Gestaltung als besonders wertvoll hervorgehoben.
Die Auszeichnung der Johanna-Quandt-Stiftung, die deren Sohn Stefan Quandt schließlich Wolfgang Würth auf der Bühne in Frankfurt überreicht, ist mit 12.500 Euro Preisgeld verbunden. Neben den Beiträgen von Oberpfalz-Medien wurden in diesem Jahr Inhalte von Handelsblatt, ZDF und Hessischem Rundfunk prämiert. Der Medien-Preis wird im Gedenken an die Persönlichkeit und das Lebenswerk des Unternehmers Dr. h.c. Herbert Quandt verliehen und ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert.
Als Wolfgang Würth die Bühne verlässt, begleitet ihn großer Applaus. Nicht zuletzt wegen seines Abschiedssatzes ans Publikum: "Bis zum nächsten Mal."




















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