Es ist der 10. November 2025. Oberpfalz-Medien-Redakteur Wolfgang Würth sitzt an seinem Schreibtisch, die Hände auf der Tastatur. Satz für Satz entsteht ein Text über die wohl größte Wirtschaftskrise der Oberpfalz – die Insolvenz der Ziegler-Group. Was er zum damaligen Zeitpunkt noch nicht weiß: Der Text, an dem er gerade tippt, sollte ein halbes Jahr später noch einmal sehr wichtig für ihn werden. Denn der Text war Teil eines größeren Projektes, das mit einem der renommiertesten Journalistenpreise ausgezeichnet werden sollte – dem Herbert-Quandt-Preis für hervorragenden Wirtschaftsjournalismus.
„Als es aktuell war, war das ja immer so extrem nachrichtengetrieben“, erinnert sich Würth an die Bekanntgabe der Insolvenz. „Und irgendwann wurde es dann leiser und stiller. Aber was mich immer beschäftigt hat: Was ist da eigentlich genau passiert?“ Aus dieser Frage entstand zum einjährigen Insolvenz-Jahrtag die Idee, die gesamte Geschichte noch einmal neu zu erzählen. Aber nicht in klassischen Einzelmeldungen, sondern in einem Magazin.
Vier Geschichten, ein Magazin
Würths Anspruch war schnell klar: „Ich wollte die Geschichte von ganz vorne erzählen. Wie die Firma entstanden ist, warum sie so groß geworden ist und warum es dann so schnell bergab ging.“ Es sollte aber nicht nur bei der Chronologie bleiben. Schlussendlich sind vier große Texte entstanden – über die Geschichte des Unternehmens, die Beschäftigten, den Unternehmer Stefan Ziegler und den Insolvenzverwalter, der den ganzen Insolvenz-Prozess begleitet hatte.
Doch gerade der Blick auf die zentrale Figur des Unternehmens wurde zur Schwierigkeit. Stefan Ziegler selbst wollte nicht mit der Redaktion sprechen. „Die Person zu porträtieren, ohne dass sie mit einem spricht – das war schon eine Herausforderung“, sagt Würth. Ziel sei gewesen, keinen Mythos zu reproduzieren, sondern ihn einzuordnen: „Ich wollte diesen Mythos beschreiben, der um ihn entstanden ist, aber ohne daraus eine Gerüchteschleuder zu machen.“
Illustration, Grafiken und Bilder
Mit der inhaltlichen Konzeption begann ein Prozess, der nur im Zusammenspiel funktioniert. Redaktion, Medienproduktion und Print-Desk müssen eng abgestimmt arbeiten. „Ich hatte am Anfang ganz vage Ideen“, sagt Würth rückblickend über die Gestaltung des Magazins. „Über meine ersten Ideen hat Marina ein bisschen gelächelt. Schlussendlich ist es ziemlich anders geworden – aber schon besser.“
Die angesprochene Marina Gube ist Mediengestalterin für Bild und Ton bei Oberpfalz-Medien. Ihre Aufgabe war die visuelle Übersetzung der Inhalte in gut verständliche Grafiken. Beim Ziegler-Magazin wollte sie das Thema Holz in allen Illustrationen zum gestalterischen Leitmotiv machen. Also überführte sie Zahlen, Entwicklungen und Zusammenhänge in Illustrationen – alles in Holzoptik. Zu kämpfen hatte Gube vor allem mit Platz auf der Printseite. „Die größte Herausforderung war, alle Firmen auf einer Seite darzustellen“, erklärt Gube. Nicht verwunderlich, immerhin gehörten vor der Insolvenz über 30 Unternehmen zum Oberpfälzer Holzriesen.
Das perfekte Layout
Die Texte waren geschrieben, die Bilder und Grafiken gestaltet. Doch bevor das Magazin in den Druck durfte, übernahm noch das Printdesk. Die Aufgaben: die finale Strukturierung, das Layout, die Platzierung und Gewichtung der Bilder und Grafiken. Im Falle des Ziegler-Magazins durfte Print-Redakteur Frank Stüdemann ans Werk. Wenn man ihn fragt, was ein gutes Magazin ausmacht, dann lautet die Antwort: „Eine gute Mischung an Inhalten und wenn es sich optisch ein bisschen mehr abhebt als üblich.“ Letzteres klappte scheinbar recht gut. Immerhin lobte die Quandt-Jury die „grafische Gestaltung“ als „sehr anschaulich“.
Nicht zu unterschätzen sei außerdem die Absprache zwischen den Teams. „Schwierigkeiten gab es eigentlich keine, weil wir uns vorher zusammengesetzt haben“, erinnert sich Stüdemann. Man habe genau geklärt, welche Aufgaben bei Redaktion, Printdesk und Medienproduktion liegen. „Wenn wir uns nicht abgesprochen hätten, wäre es kompliziert geworden“, scherzt er.
Dass die gemeinsame Arbeit am Ende nicht nur ein Magazin, sondern ein ausgezeichnetes Produkt hervorbrachte, zeigt sich mit dem Herbert-Quandt-Medienpreis. Das Würth den Preis in den Händen halten darf, überrascht ihn. „Der Quandt-Preis ist eigentlich eine andere Preisklasse. Da gewinnen normalerweise große Fernsehsender oder überregionale Medien.“ Umso größer die Anerkennung. „Es ist schon toll. Es ist eine Bestätigung“, sagt er. Und ergänzt: „Wenn man da zwischen Leuten vom Handelsblatt oder vom ZDF steht und merkt: Vielleicht ist man ja doch ein richtiger Journalist.“
Die Ausgezeichneten des Quandt-Medienpreises 2026
- Daten als Waffe“ / „Alex Karp: ‚Niemand spricht mehr über Deutschland‘ von Felix Holtermann und Thomas Jahn (Handelsblatt)
- Ziegler – Aufstieg und Fall von Wolfgang Würth (Oberpfalz-Medien)
- Die Deals mit unserem Strom von Kristina Schlömer, Ute Mattigkeit und Karen Grass (ZDF WISO)
- Billion Dollar Workwear – Die Engelbert Strauss Story von Natascha Pflaumbaum (hr-fernsehen)
Quelle: johanna-quandt-stiftung.de




























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