10.09.2018 - 17:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rio-Raub: Ukrainer kämpft um Freispruch

Viktor C. kämpft um einen Freispruch. "Ich habe keinen Raub begangen." Stattdessen rückt der Hauptangeklagte im Rio-Prozess damit heraus, dass er zur Tatzeit mit einem Zigarettenschmuggel in Prag beschäftigt gewesen sei. Lüge oder Wahrheit?

6 Monate Prozess, 24 Verhandlungstage - und plötzlich präsentiert der Hauptangeklagte ein neues Alibi. Viktor C. will am Tag des Rio-Raubs Tschechien nicht verlassen haben.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Weiden/Grafenwöhr.(ca) Entweder er lügt sich ein Alibi zurecht, weil er in Weiden alle Felle davonschwimmen sieht. Sein Anwalt Jörg Sodan sagt, er habe dem Ukrainer jetzt erst klar machen können, dass ihm in Weiden auch auf Basis blanker Indizien lange Haft droht. Oder er sagt die Wahrheit und hat damit (24 Verhandlungstage lang!) hinter dem Berg gehalten, um die Zigarettengeschäfte samt Mittätern zu verschleiern. Jetzt liegt in Pilsen die Anklage vor. Womöglich gibt es nichts mehr zu verschweigen.

Fakt ist: Im April 2016 wurden in Grafenwöhr Erich und Luise W. in ihrem Wohnhaus überfallen und beraubt. Die Senioren (92 und 82) sahen drei Täter. Diese scheinen festzustehen: zwei flüchtige Moldawier, die reichlich DNA hinterließen, und ein geständiger Ukrainer, der in anderer Sache Österreich in Haft sitzt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass als vierter Mann Viktor C. (46) vor Ort war. Er war Mieter der Prager Wohnung, dem "Räubernest", in dem sich alle Beteiligten aufhielten. Er lieh und lenkte das Tatfahrzeug - zumindest in Prag, wie eine Tunnelkamera beweist.

Aber er sagt: Ich bin nicht bis nach Deutschland gefahren. Er sei in Prag ausgestiegen. Die drei Mittäter seien allein weiter. "Diese Leute haben mit meinem Auto ein Verbrechen begangen. Und wer ist schuld? Ich, Viktor aus der Ukraine!", echauffiert er sich vor Gericht. Vielmehr habe er einem Vietnamesen bei Teplice 700 Stangen Zigaretten übergeben.

Viktor C. nennt als Beweismittel sein sicher gestelltes iPhone. Der Kripo hatte er die PIN nicht preisgegeben. Das tut er jetzt, nach sechs Monaten Prozessdauer, vor Gericht. Aus den geplanten Plädoyers wird es am Montag wieder nichts. Nach Rücksprache mit dem Landeskriminalamt entscheidet die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Markus Fillinger, das Smartphone auszuwerten. Zumindest wird der Versuch gestartet. Die Regionale Beweisauswertung der Kripo wird das iPhone am heutigen Dienstag einschalten, notfalls mit Viktor C. in der JVA. Dann wird man sehen, ob es sich "jailbreaken" lässt und Geodaten auslesbar sind. "Möglich ist alles", sagt der LKA-Experte.

Mit einem dubiosen Geschäft erklärt der Angeklagte, warum er zwei Tage vor der Tat in Grafenwöhr war. Laut Staatsanwalt kundschaftete man mit den örtlichen Tippgebern das Tatobjekt aus. Viktor C. sagt dagegen, ihm sei ein illegaler Mercedes C220 Diesel zum Kauf angeboten worden. "Ich hatte passende Papiere eines ausgebrannten Autos dazu."

Fortsetzung ist am Freitag, 14. September. Dann erwarten die Richter bereits erste Erkenntnisse der Handy-Auswertung. Der Prozess dauert damit länger als geplant. Aktuell werden mit den zehn beteiligten Verteidigern Verhandlungstage bis Ende Oktober gesucht. Auch Samstage und Sonntage sind im Gespräch. In Weiden stehen neben Viktor C. vier mutmaßliche Beihelfer vor Gericht.

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