18.10.2018 - 10:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rote Laterne abgegeben

Einzelne allein können oft wenig bewirken. Wenn viele Beteiligte gemeinsam kämpfen, stellt sich eher ein Erfolg ein. So geschehen bei der Arbeitsmarktinitiative Weiden.

Mitglieder des Lenkungsausschusses der Arbeitsmarktinitiative Weiden trafen sich zur Herbstsitzung unter Leitung von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (Zweiter von links) im Alten Rathaus
von Siegfried BühnerProfil

Stadt, Arbeitsagentur und Jobcenter zogen vor Beginn der Herbsttagung der Lenkungsgruppe eine Zwischenbilanz. Sie freuten sich über die annähernde Halbierung der Arbeitslosenquote im Stadtgebiet Weiden.

Als die Arbeitsmarktinitiative Stadt Weiden vor rund zehn Jahren geplant wurde, lag die Arbeitslosenquote nahe bei zehn Prozent. Im September dieses Jahres unterschritt sie erstmals die 5-Prozent-Grenze. "Wir haben gemeinsam den Arbeitsmarkt in Weiden weitergebracht", stellte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zufrieden fest und bedankte sich bei allen Beteiligten.

Auch Enttäuschungen

"Neben den Erfolgen stehen aber auch Enttäuschungen", sagte Seggewiß. Er deutete damit an, dass es unter den Arbeitslosen auch Menschen gibt, die keine Chance mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. In einigen Sitzungen seien sogar die Schicksale von Dutzenden von Einzelfällen betrachtet worden, um die richtigen Lösungsansätze zu entwickeln.

Der Oberbürgermeister erinnerte auch daran, dass es gelungen sei, Fördermittel aus verschiedensten Programmen nach Weiden zu bringen. Einen "Husarenritt" nannte Seggewiß den Erfolg des Arbeitsagenturchefs, zusätzliche Eingliederungsmittel für innovative Ansätze aus dem Bundeshaushalt des Sozialgesetzbuches III für die Stadt einsetzen zu dürfen. Auch die Zukunft sieht Seggewiß positiv: "Jetzt sind wir auf dem Weg zum Sozialbürgerhaus."

Die Ausgangssituation für die Arbeitsmarktinitiative sei schwierig gewesen, erinnerte Arbeitsagenturleiter Thomas Würdinger. "Die Stadt war Ausreißer und die Landespolitik schaute ganz genau hierher." Deswegen freut sich Würdinger, dass "Weiden die rote Laterne abgegeben hat". Ausschlaggebend dafür war der Abbau der Arbeitslosenzahlen im Hartz-IV-Bereich in den letzten drei Jahren von 1161 auf 734 im Stadtgebiet Weiden.

Hartz IV-Prävention

Würdinger erinnerte auch daran dass "noch viel Arbeit vor uns steht". Dazu zählt die Fachkräftegewinnung in Anbetracht von 750 offenen Stellen im Stadtgebiet. Dazu komme Präventionsarbeit, um das Nachwachsen in die Hartz-IV-Situation zu verhindern sowie die Eingliederungsarbeit für Migranten. Dass die Arbeitsmarktinitiative ein Erfolgsmodell ist, stellte Wolfgang Hohlmeier fest, früher Geschäftsführer des Jobcenters, jetzt Leiter des Amtes für Soziale Dienste und Beratung. Zustimmung erhält er von seinem Nachfolger Peter Witt, für den es wichtig ist, das jetzige Niveau der Integrationsquoten im Hartz IV-Bereich aufrecht zu erhalten.

Hintergrund:

Die Anfänge

Nach längerer Vorbereitung wurde die Arbeitsmarktinitiative Stadt Weiden mit einer Auftaktveranstaltung am 8. Juni 2011 gegründet. Mit dabei war auch Heinrich Alt, ehemaliger Vizepräsident der Bundesagentur für Arbeit und späteres Vorstandmitglied. In Anbetracht der Bayernweit höchsten Arbeitslosenquote und des zeitweise höchsten Anteil von SGB II-Arbeitslosen an allen Arbeitslosen im Stadtgebiet Weiden galt es mit einem breiten Ansatz von Netzwerkarbeit unter Federführung des Oberbürgermeisters zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsmarktlage beizutragen. Struktureller Verkrustungen sollten durch eine Projektorganisation mit Lenkungsgruppe und themenspezifischen Arbeitsgruppen aufgebrochen werden. Beteiligt waren zu Beginn neben der Kommune auch Arbeitsagentur, Gewerkschaft, Jobcenter, Kammern und karitative Einrichtungen. Später kamen zahlreiche weitere Organisationen wie zum Beispiel Wirtschaftsclub Nordoberpfalz, Initiative Pro Ausbildung, Bildungsträger, Schulverwaltung und andere dazu. Als prominenter Pate aus der Politik arbeitete in den ersten Jahren Ludwig Stiegler im Gremium mit. Erstmalig traf sich die Lenkungsgruppe am 14. Juli 2011. Seit Jahren arbeitet auch der Landkreis Neustadt/WN im Gremium mit, denn vom Arbeitsmarkt her gesehen ist die Region als Einheit zu sehen.

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