16.11.2020 - 11:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sargversenker und Bodybag: Bestattungen in der Corona-Zeit

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Es gelten strenge Regeln für Bestatter: Corona-Infizierte müssen ganz anders versorgt werden. Aber auch Hinterbliebene müssen sich an neue Regeln halten. Bestatter in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN erzählen.

Christine Schmidt hat ein Bestattungsunternehmen in Vohenstrauß. In Coronazeiten arbeitet sie mit Schutzbrille, Handschuhen und Desinfektionsmittel. Auch Verstorbene versorgt sie teils anders als sonst.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Vieles läuft gerade anders bei Bestattern. Einwegoverall, Schutzbrille, FFP2-Maske, zwei Paar Handschuhe. Das etwa trägt Bestatterin Christine Schmidt, wenn sie Menschen versorgt, die mit oder an Corona verstorben sind. Berührungsängste habe sie dabei aber keine, sagt die Geschäftsführerin von Schmidt Grabsteine-Bestattermeister in Vohenstrauß. Auf ein zweites Paar Handschuhe aber will sie nicht verzichten. Es soll sie doppelt schützen.

Den Zweifachschutz an Handschuhen trägt Christine Schmidt aber nicht erst seit der Coronakrise, sondern generell beim Versorgen von Verstorbenen mit Infekten. Der Unterschied zu sonst liegt woanders: Menschen, die an oder in Zusammenhang mit Covid-19 verstorbenen sind, befinden sich in einem Bodybag statt im Sonntagsanzug. So werden sie eingesargt, also in den Sarg gelegt. Auch den Bodybag muss Schmidt desinfizieren.

Wesentlicher Teil der Arbeit fehlt

Normalerweise werden Verstorbene gewaschen und angekleidet. Das dürfen Bestatter bei den als infektiös geltenden Verstorbenen aber nicht machen. Für Schmidt fehlt damit ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit. Es sei schließlich Teil ihres Berufsethos, Verstorbene anzukleiden, sagt die Bestatterin. Dafür muss sie am Sarg nochmal extra Hand anlegen: Darauf haftet im Corona-Fall ein Zettel, der auf den Infekt des Verstorbenen hinweist.

In den Grundzügen läuft es so auch bei Wolfgang Dobler vom Bestattungsunternehmen Bauer mit Filialen in Weiden und Eschenbach. Die Mitarbeiter versorgen die Verstorbenen, die in Zusammenhang mit Covid-19 stehen, nur in Schutzkleidung. Die Särge werden zusätzlich auch von außen desinfiziert. Hygienische Versorgung und Eigenschutz bekämen die Bestatterinnen und Bestatter in ihrer Ausbildung beigebracht. Sich selbst zu schützen sei das A und O in diesem Beruf.

Auch bei Kundengesprächen. Dafür gibt es im Unternehmen nun Plexiglas-Schutzwände. Vor der Pandemie seien immer etwa vier bis fünf Menschen zur Beratung gekommen, sagt Dobler. Das ginge aus Infektionsschutzgründen nun nicht mehr. Derzeit könnten deshalb manchmal nicht alle Angehörigen mit ins Büro kommen.

Feuerbestattungen wegen Corona

Weil nun schon mehr über das Virus bekannt ist und etwa Risikopatienten besser geschützt werden, hofft Dobler, dass die Sterbezahlen nicht mehr auf das erhöhte Niveau vom Frühjahr steigen werden. Generell gibt es statistisch gesehen im Herbst und Winter zwar mehr Sterbefälle, unabhängig von Corona, sagt Dobler. Derzeit jedenfalls merke er als Bestatter von einer zweiten Welle noch nichts. Auch Christine Schmidt aus Vohenstrauß kann noch nicht erkennen, dass es derzeit mehr Verstorbene zu versorgen gelte. Trotzdem bedeute Corona pro Todesfall mehr Arbeit, weil mehr Hygienevorschriften einzuhalten sind. So jedenfalls sieht es ein weiteres Bestattungsunternehmen der Region, das seinen Namen besser nicht in der Zeitung lesen will.

Interessant auch: Feuerbestattungen nehmen zu, sagt Wolfgang Dobler. Einige Angehörige hätten sich bei Verstorbenen in Zusammenhang mit Corona für eine Feuerbestattung entschieden. Etwa, weil sie es als hygienischer empfinden. Aber auch, um es allen Angehörigen zu ermöglichen, an der Beisetzung eines Familienmitglieds teilzunehmen: Wenn zum Beispiel der Partner eines Verstorbenen in Quarantäne ist, kann eine Urnenbeisetzung später als eine Erdbestattung stattfinden. Aber auch generell steigt bereits von Jahr zu Jahr die Zahl der Feuerbestattungen, weiß Dobler.

Seit der Coronakrise sind Trauerfreien im engsten Familienkreis oft ein Muss. Die großen Trauergemeinden von vor der Pandemie aber seien immer häufiger passé. Die Beisetzungen werden privater, meint Christine Schmidt. Trauerfeiern im engsten Familienkreis seien nun keine Seltenheit mehr und würden vielleicht gar zum Trend, mutmaßt die Bestatterin. Ähnlich sieht es Berufskollege Wolfgang Dobler und erklärt: Wegen Corona waren bei Beerdigungen heuer eher nur Familienmitglieder dabei, zumindest in der Kirche. Von den Besuchern sind die Daten erfasst worden. Am Friedhof hätten sich dann mehr Gäste versammelt. Im Unterschied zur Zeit vor der Pandemie fällt derzeit auch das Traueressen aus, sagt Schmidt.

Innovationen bei Beisetzungen

Bei den Beisetzungen am Friedhof gibt es aber auch Hilfsmittel und Innovationen: Christine Schmidt etwa verfügt über einen automatischen Sargversenker. Den hatte sie zwar schon vor der Pandemie. Doch so kann der Sarg von Verstorbenen, die als infektiös gelten, automatisch abgelassen werden, Sargträger kämen nicht zum Einsatz und müssten deshalb auch nicht zusätzlich geschützt werden. Auch für die Weihwassergabe, die bei Beisetzungen in katholischen Pfarreien üblich ist, hat sich Schmidt etwas gemäß des Infektionsschutzes einfallen lassen. Sie stellt Buchszweige bereit. Jeder Trauergast könne sich einen Zweig nehmen, Weihwasser damit aufnahmen und ihn mit in das Grab werfen. Für Beerdigungen in evangelischen Pfarreien stellt sie Blütenblätter bereit, die jeder Gast zum Abschiednehmen ins Grab geben kann.

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Das gilt derzeit bei Bestattungen

Die Regeln des Bistum Regensburg und des bayerischen Innenministeriums für Gottesdienste im Freien, wozu auch Bestattungen zählen, im Überblick:

  • Gottesdienste im Freien sind an geeigneten kirchlichen Orten möglich. Dabei sind 1,50 Meter Abstand zwischen Personen und Personengruppen im Sinne der Regelungen über die Kontaktbeschränkungen einzuhalten. Den Mindestabstand müssen laut Innenministerium Angehörige des eigenen Hausstands, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, Verwandte in gerader Linie, Geschwister sowie Angehörige eines weiteren Hausstands – solange dabei eine Gesamtzahl von insgesamt höchstens zehn Personen nicht überschritten wird – nicht einhalten.
  • Auch für Bestattungen gelten die Vorschriften der Gottesdienste im Freien. Trauerfeiern in geschlossenen Räumen sind zulässig, wenn die Türen geöffnet sind. Erdwurf und Weihwassergaben am offenen Grab und am aufgebahrten Sarg sind möglich.
  • Für das Requiem gelten die kirchlichen Vorgaben für die Feier der Messe, wonach etwa die Zahl der zugelassenen Besucher sich nach den vorhandenen Plätze in der Kirche unter Einhaltung des Mindestabstands richtet. Bei Gottesdiensten im Freien keine Höchstteilnehmerzahl vorgesehen.
  • Maskenpflicht gilt für Gottesdienstbesucher auf dem Weg zum Platz sowie beim Verlassen des Platzes.

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